The Constitute auf dem Fak’ugesi Festival Musik mit Sensoren

Christian Zöllner und Sebastian Piatza testen den Eyesect-Helm. Damit können sie wie Insekten die Welt wahrnehmen.
Christian Zöllner und Sebastian Piatza testen den Eyesect-Helm. | Filmstill (Ausschnitt): © Arte Tracks

​Wie ein Insekt die Welt wahrnehmen: das geht mit dem Eyesect-Kamerahelm der Berliner Ideenwerkstatt The Constitute. Im Beitrag verrät Christian Zöllner von The Constitute, wie Eyesect funktioniert, wie man mit Sensoren Musik macht und warum er sich auf das Fak’ugesi Festival in Johannesburg freut.

Werkstatt für digitale Ideen, das ist The Constitute aus Berlin. Das Künstlerkollektiv um die beiden Produktdesigner Christian Zöllner und Sebastian Piatza baut eine VR-Brille in einen Helm, mit dem man die Welt wie ein Insekt wahrnehmen kann. Oder eine Zwille mit Handytastatur, mit der SMS-Nachrichten an eine Wand geschleudert werden.
 
Herr Zöllner, als Mitglied der Ideenwerkstatt The Constitute reisen sie für verschiedene Projekte um die Welt: Haben Sie schon vor der Teilnahme am Fak’ugesi Festival in Johannesburg mit afrikanischen Künstlern zusammengearbeitet?

Bis jetzt hatten wir nur mit Leuten aus Kairo zu tun. Dort haben wir die SMSlingshot vorgestellt, eine Zwille mit der man digitale Nachrichten an eine Wand schleudern kann. Ansonsten ist der Kontinent noch ein Blindspot für uns. Das sieht man auch am Globus in unserem Büro. In ihn pinnen wir Nadeln an die Orte, an denen wir mit The Constitute-Projekten schon waren: in Subsahara-Afrika, Australien und der Antarktis stecken noch keine.
 
Auf dem Fak’ugesi Festival geht es für einige Mitglieder von The Constitute um ungewöhnliche Klangwelten: Jens Beyer wird den Workshop Future Sounds leiten, bei dem afrikanische Musiker mit neuen Sounds experimentieren können. Was genau wird da gemacht?
 
Wir bringen sechs Koffer voller Technik mit. Darin sind Mikrocontroller und verschiedene Sensoren, die etwa auf Beschleunigung, biegen oder drücken reagieren. Das bedeutet, die Sensoren machen Geräusche, wenn man sie bewegt. Im Workshop können die Musiker damit experimentieren: Welche Töne entstehen, wenn ein Biegesensor um den Finger liegt und er sich krümmt? Wie hört es sich an, wenn man Beschleunigungssensoren wie ein Lasso schwingt? Dieses Ausprobieren ist der erste Teil des Workshops.
 
Und der zweite Teil?
 
Da können die Musiker die Klänge in ihre eigenen Lieder integrieren. Die neuen Stücke sollen am Ende des Festivals öffentlich aufgeführt werden. Ob die Musik aber massentauglich ist, oder eher ein Nischenpublikum anspricht, das kann ich noch nicht abschätzen.
 
Was sollen die Mitglieder von The Constitute vom Festival in Südafrika für ihre Arbeit mitnehmen
?
 
Ich wünsche mir neue Energie aus Südafrika. Vielleicht hat es auch Einfluss auf unsere künstlerische Formensprache. Wir sind ja schon wie Schwämme, die alles aufsaugen, was um uns passiert. Natürlich fliegen wir nicht mit einem kulturimperialistischen Ansatz hin und wollen den Leuten zeigen wie man richtig elektronische Musik macht. Unser Input soll es sein, ein Experiment mit Musik zu unterstützen.
 
Kennen Sie die Szene für elektronische Musik in Südafrika?
 
Ich habe den Eindruck, die Szene entwickelt sich schneller als unsere. Ich freue mich jedenfalls auf viel spannende, neue Musik, die wir in Europa gar nicht zu Ohren kriegen. Unsere Hörgewohnheiten haben sich ja auf 120 bpm eingegroovt, vieles in der südafrikanischen Szene ist schneller und hektischer.
 


Christian Zöllner ist Produktdesigner und Mitglied der Ideenwerkstatt The Constitute in Berlin. Er war Dozent an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam, der Muthesius Kunsthochschule Kiel und der Universität der Künste Berlin.