Jazz-Musik Jin Jim auf Afrika-Tour südlich der Sahara

Jin Jim in Kinshasa © Goethe-Institut Kinshasa
Jin Jim in Kinshasa © Goethe-Institut Kinshasa

Vor kurzem hat das Goethe-Institut für die deutsche Modern Jazz-Rock-Band Jin Jim eine 19-tägige Tour durch verschiedene Länder südlich der Sahara organisiert. Das Quartett hat in Antananarivo (Madagaskar), Kinshasa (Demokratische Republik Kongo), Johannesburg (Südafrika), Luanda (Angola) und Yaoundé (Kamerun) Halt gemacht, um die selbst komponierte Musik vorzutragen und Workshops zu geben.

Das Quartett Jin Jim besteht aus Daniel Smith (Flöte), Johan May (Gitarre), Nico Stallman (Schlagzeug) und Benjamin Tai Trawinski (Bass). 2014 gewann die Band den Wettbewerb Future Sounds bei den Leverkusener Jazztagen. Für die Band war das nicht nur die Eintrittskarte zu vielen Festivals, der Preis hat ihr auch einen festen Platz in der deutschen Contemporary Jazz Szene beschert. Die Band ist keine traditionelle Jazz-Besetzung, sondern vereint Einflüsse aus Rock, Hip Hop und vielen anderen Genres.

Madagaskar

Bei ihrem ersten Stopp in Antananarivo gab das Quartett einen Workshop mit hier lebenden Musikern und trat im Anschluss beim Madajazzcar Festival vor 3000 Leuten auf. Sowohl der Workshop als auch der Auftritt kamen extrem gut an. Der Leiter des Goethe Zentrums in Antananarivo, Eckehart Olszowski erinnert sich: „Das Publikum war regelrecht empört, als die Band ihren letzten Song ansagte!” Laut Olszowski haben die Erfahrungen beim gemeinsamen Workshop auf die Musiker von hier, aber auch auf die Mitglieder von Jin Jim einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Demokratische Republik Kongo

Hier veranstalteten Jin Jim eine Jam Session in der Guez Arena in Kinshasa mit über 15 Musikern: Flötisten, Geiger, Marimba-Spieler, Perkussionisten und Gitarristen. Obwohl ihr Auftritt in Kinshasa vor 200 Leuten kleiner war als in Antananarivo, hat auch dieses Konzert auf die Band einen unauslöschlichen Eindruck gemacht. Über die unterschiedlichen Publikumsreaktionen in Afrika und Deutschland sagt Jin Jim Schlagzeuger Nico Stallmann: „Ich glaube, das afrikanische Publikum drückt seine Gefühle einfach anders aus. In Deutschland finden die Leute uns vielleicht genauso gut wie in Afrika, aber sie zeigen es einem einfach nicht so. Ich habe bei einem Auftritt noch nie so viele Komplimente bekommen. Wenn den Leuten etwas gefällt, dann teilen sie es auch mit!“

Daniel Smith in exchange with a workshop participant in Kinshasa © Goethe-Institut Kinshasa Daniel Smith in exchange with a workshop participant in Kinshasa © Goethe-Institut Kinshasa

Südafrika

In Johannesburg, auf der Hälfte der Tour durchs subsaharische Afrika, bemerkt Bassist Benjamin Tai Trawinski: „Hier ist alles neu für uns. Wir waren noch nie auf Madagaskar oder in der Demokratischen Republik Kongo. Es prasseln so viele Eindrücke auf uns ein, die wir so schnell gar nicht verarbeiten können.” Jin Jim hatten in der Afrikan Freedom Station in Westdene, Johannesburg einen Workshop und einen Auftritt – einem kleinen Jazz-Schuppen für echte Kenner, um nicht zu sagen Puristen. Flötist Daniel Smith erinnerte der Aufenthalt hier an die Anfänge der Band: „Wir fühlen uns, als ob wir gerade zurück zu unseren Wurzeln gehen. Als wir angefangen haben, spielten wir auch immer in kleinen Jazz-Clubs vor 20, 30 Leuten. Wir sind ja Jazz-Musiker, und darum haben solche kleinen Clubs für uns auch immer noch eine ganz besondere Energie.“
  Nico Stallman of Jin Jim plays at The Afrikan Freedom Station © Goethe-Institut/Oscar Gutierrez Nico Stallman of Jin Jim plays at The Afrikan Freedom Station © Goethe-Institut/Oscar Gutierrez

Angola

In Luanda trat das Quartett vor rund 600 begeisterten Studierenden der Obra Bela Music School auf. Nach dem Konzert wurde das Publikum für den Workshop in drei Gruppen eingeteilt. Laut Manuel Negwer, Leiter des Goethe-Instituts in Luanda, standen die Leute während des Konzerts vor Begeisterung auf den Stühlen. Ein guter Ansporn also für den Workshop, in dem die jungen Musiker in drei Gruppen lernten, verschiedene Jin Jim Kompositionen nachzuspielen. Nach einer Probephase durfte jede Gruppe dann das Stück vortragen.

Kamerun

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Zum Abschluss ihrer subsaharischen Afrika-Tour machten Jin Jim schließlich noch Halt in Kamerun. Hier hielten sie mit rund 20 jungen Musikern in Yaoundé einen Workshop ab und traten auch im hiesigen Goethe-Institut auf. Die jungen Musiker konnten sich mit den erfahrenen Mitgliedern von Jin Jim austauschen. Die Band hatte die Gelegenheit, einiges über Polymetrik und ungerade Taktarten zu lernen – ein Thema, für das sie sich schon seit ihrem Studium an einer der renommiertesten Musikkonservatorien Europas interessiert hatte.

Bei der vom Goethe-Institut organisierten Sub-Sahara-Tour von Jin Jim konnte die Band also den afrikanischen Musikern viel von ihrem Können beibringen und dabei gleichzeitig auch von ihnen lernen. Oder, wie es Bassist Benjamin Tai Trawinski ausdrückt „In jeder Stadt und in jedem Land haben wir extrem talentierte Musiker kennengelernt und konnten viele wertvolle Einblicke in ihre Art zu spielen gewinnen.“ Kurz, das Austauschprogramm hat sowohl Zuschauer als auch teilnehmende Musiker nachhaltig geprägt.