Moving Africa Das Écrans Noirs Festival in Kamerun

Ein Teil der Moving Africa Gruppe beim Écrans Noirs Festival in Kamerun © Goethe-Institut Kamerun/L. May
Ein Teil der Moving Africa Gruppe beim Écrans Noirs Festival in Kamerun © Goethe-Institut Kamerun/L. May | Ein Teil der Moving Africa Gruppe beim Écrans Noirs Festival in Kamerun © Goethe-Institut Kamerun/L. May

Im Rahmen des Moving Africa Programms haben acht Künstler und Filmexperten des „neuen afrikanischen Kinos” das Écrans Noirs Festival besucht.

Im Jahr 1963 drehte Ousmane Sembene mit einer 16-mm-Kamera und Filmzubehör, das ihm Freunde aus Europa geschickt hatten, den Film Borom Sarret („Der Wagenfaher”). Er gilt als erster afrikanischer Film, der von einem Schwarzafrikaner gedreht wurde und hat die Ästhetik des afrikanischen Kinos entscheidend mitgeprägt. Viele Jahrzehnte später ist in Afrika nicht nur die umfangmäßig zweitgrößte Filmindustrie der Welt ansässig, es werden hier auch bedeutende Festivals abgehalten, etwa das Festival Panafricain Du Cinéma De Ouagadougou (FESPACO), das Durban International Film Festival (DIFF), das Cairo International Film Festival sowie das Écrans Noirs Festival.

Jedes Jahr findet in Kamerun das Écrans Noirs statt, das besonders bei Freunden des französischsprachigen Kinos aus Afrika beliebt ist. Ein Artikel auf der Website von CNN beschreibt, wie die Filmindustrie trotz der Schließung vieler Kinos floriert und behauptet, dass Kamerun gerade „begünstigt von immer preiswerterer digitaler Technik und inspiriert von Nollywood, der Filmindustrie Nigerias, ein Film-Revival erlebt.” Der Satz „Kamerun hat mit dem Écrans Noirs ein eigenes Filmfestival“ ist allerdings irreführend, schließlich gibt es in dem zentralafrikanischen Land mehrere Filmfestivals, etwa das Festival International Des Courts Métrages De Douala, Yaoundé Tout Court und das ArtCity Short Film Festival. Er rührt anscheinend daher, dass das Écrans Noirs meist als das älteste und bekannteste Filmfestival in Kamerun bezeichnet wird.

In diesem Jahr fand das Festival vom 15. bis 23. Juli im Goethe-Institut Kamerun statt, das bereits seit vielen Jahren Partner des Festivals ist. Im Rahmen des Moving Africa Programms wurden Regisseure, Produzenten, Schauspieler und bildende Künstler eingeladen, am Festival Moving Africa teilzunehmen. Moving Africa ist ein pan-afrikanisches Austauschprogramm, dass es Künstlern ermöglicht, ausgewählte Kulturfestivals des Kontinents zu besuchen. Das 2009 ins Leben gerufene Projekt möchte den Austausch und das Netzwerken innerhalb der Künstlerszene Afrikas fördern.

Zu den Künstlern und Experten, die in diesem Jahr als Teilnehmer des Moving Africa Programms am Écrans Noirs Festival teilnehmen durften, zählen Byll Delali Martine (Togo), Ouattara Adélaïde (Elfenbeinküste), David Aguacheiro (Mosambik), Anna Peter Mallya (Tansania), Ncube Priscilla Sithole (Simbabwe), Laurene Manaa Abdallah (Ghana), Kabuika Ronnie (Demokratische Republik Kongo) und Mwagale Waheedah (Uganda).

Julie MacArthur beschrieb 2013 die neue Riege des afrikanischen Kinos als „eine junge Generation von Filmemachern, die philosophischer, persönlicher und intellektueller sind und eine kühnere Bildsprache benutzen als vorherige Generationen von Filmemachern. Inhaltlich greifen diese Filme zwar oft ähnliche Themen auf wie ihre Vorgänger, sie zeigen jedoch eher das Innenleben der Figuren und nutzen eine poetische Sprache, die im Gegensatz zu den früher üblichen didaktischen, radikal politischen und an das Nationalbewusstsein der Zuschauer appellierenden Werken steht.“ Diese Einschätzung spiegelt auch die Vision und das Können der acht Moving Africa Teilnehmer beim Écrans Noirs Festival wieder, die größtenteils mit Independent-Filmen auf sich aufmerksam gemacht haben und in ihren zum Teil vielbeachteten Werken Wert auf eine genaue Charakterisierung ihrer Figuren legen.

Die Moving Africa Teilnehmer am Goethe-Institut Kamerun (L-R): Kabuika Ronnie (DRC), Adélaïde Ouattara (Elfenbeinküste), Laurene Manaa Abdallah (Ghana), Byll Delali Martine (Togo), Mwagale Waheedah (Uganda), David Aguacheiro (Mosambik), Anna Peter Mallya (Tansania), Ncube Priscilla Sithole (Simbabwe); mit Dzekashu MacViban und Raphaël Mouchangou. Die Moving Africa Teilnehmer am Goethe-Institut Kamerun (L-R): Kabuika Ronnie (DRC), Adélaïde Ouattara (Elfenbeinküste), Laurene Manaa Abdallah (Ghana), Byll Delali Martine (Togo), Mwagale Waheedah (Uganda), David Aguacheiro (Mosambik), Anna Peter Mallya (Tansania), Ncube Priscilla Sithole (Simbabwe); mit Dzekashu MacViban und Raphaël Mouchangou. | Moving Africa

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Zu den Teilnehmern von Moving Africa gehörten auch der bildende Künstler David Aguacheiro und die ehemalige Direktorin des Zimbabwean Arts Centre Ncube Priscilla Sithole, die bereits mehrere Filme über Kultur und Frauenthemen gemacht hat. Über ihre Teilnahme bei Moving Africa sagt sie: „Das Festival hat wirklich meinen Horizont erweitert, da ich bislang keine Filmfestivals außerhalb Simbabwes gesehen habe. Ich fand es auch toll, dass die meisten Filme im Freien gezeigt wurden. Das Highlight des Moving Africa Programms war für mich der vom Goethe-Institut Kamerun organisierte Wettbewerb, der junge Kurzfilmmacher ausgezeichnet hat.“

Laurene Manaa Abdallah ist Filmemacherin, Dozentin für Filmbearbeitung am National Film And Television Institute und arbeitet in Teilzeit als Dozentin an der New York University in Ghana. Ihre Erfahrungen beschreibt sie als „großartig, weil man hier ganz leicht mit den Filmemachern ins Gespräch kam und mit ihnen über ihre Arbeit reden konnte, ganz anders als bei anderen Festivals, wo es hierarchische Strukturen gibt und die Filmemacher nicht so leicht für jeden zugänglich sind. Zu meinen eindrucksvollsten Erfahrungen zählt ein Frühstück mit einem Mitglied des Parlaments. Ich wusste gar nicht, wer dieser ist, bis ein Filmemacher aus Kamerun mit ihm ein Gespräch über Kunst anfing.”

Es wäre schön gewesen, wenn man auch die Filme dieser Künstler gezeigt hätte, was sicherlich zur Vielfalt der Filmbeiträge innerhalb und außerhalb des Wettbewerbs beigetragen hätte. Dies war leider abgesehen von einem Film mit Ronnie Kabuika nicht möglich.

Austauschprogramme wie Moving Africa leisten einen zentralen Beitrag zur künstlerischen und professionellen Entwicklung: Sie bieten den Künstlern die seltene Chance, zu reisen, ihre Werke zu präsentieren und sich mit anderen Fachleuten zu vernetzen. Daraus entstehen oftmals viele weitere gemeinsame Projekte zwischen einzelnen Personen oder Ländern, was der hiesigen Kinolandschaft wichtige neue Impulse gibt.


Die Erstveröffentlichung dieses Artikels ist hier zu finden www.thisisafrica.me.