5 Fragen an Chika Unigwe

Geboren und aufgewachsen ist Chika Unigwe in Nigeria. Nachdem sie dort an der University Of Nigeria ihren Bachelor of Arts gemacht hatte, zog sie nach Belgien. Dort absolvierte sie an der Katholischen Universität Leuven (KUL) im selben Fach ihren Master-Abschluss, später an der Universität Leiden in den Niederlanden ihren Doktortitel. Als Teilnehmerin des Projekts Literary Crossroads ist Unigwe nun nach Südafrika gereist, um bei der Eröffnung der „Abantu Book Fair“ dabei zu sein.

Chika Unigwe Foto: privat Was denken Sie über Ihre verschiedenen Nationalitäten, Ihre äußere Erscheinung und die Erwartungen Ihrer Umwelt, wie jemand wie Sie aussehen, klingen, denken und schreiben sollte?

Ich habe verschiedene Nationalitäten, aber meine Heimat ist immer noch Nigeria. Es ist die einzige Nationalität, in der ich mich zuhause fühle und verwurzelt bin. Über mein äußeres Erscheinungsbild denke ich eigentlich kaum nach. Ich stehe nicht vor dem Spiegel und denke mir, dieses oder jenes sollte aber anders sein. Ich bin zufrieden mit meinem Aussehen.
 
Ich habe keine Ahnung, welche Erwartungen meine Umwelt hat, wie jemand wie ich aussehen, klingen, denken und schreiben sollte. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich verstehe, was ‚jemand wie Sie‘ bedeutet. Ich kann nur sagen, dass ich mich jeden Tag bemühe, die bestmögliche Version von Chika Unigwe abzugeben, und zwar als Autorin, Mutter, Professorin, Ehefrau, Schwester, Tochter, Freundin und Nachbarin. Als ich noch ein Teenager war und zum College ging, war ich Mitglied bei der Organisation Opus Dei. Aus dieser Zeit habe ich einiges mitgenommen, etwa das ständige Bestreben, im Alltag das Heilige zu finden. Es ist nicht einfach, um nicht zu sagen, es ist jeden Tag ein neuer Kampf, aber es ist die Sache wert.

Gibt es bestimmte Dinge, die Sie immer wieder zu Ihren Themen inspirieren?
 

Ich schreibe über Dinge, die mich einfach nicht mehr loslassen, deren Geschichte ich unbedingt erzählen möchte.

Können Sie aus Ihrer Erfahrung heraus anderen Kreativen, egal, in welchem Bereich diese tätig sind, Tipps für ihre Arbeit geben?

Durchhaltevermögen und harte Arbeit zahlen sich am Ende immer aus.

Ein Zitat von Rumi lautet „Sprache ist immer die Sehnsucht nach Heimat“. Welche Rolle spielt die Sprache bei Ihren vier Kindern, die verschiedene kulturelle und sprachliche Hintergründe haben?

Meinen Kindern ist der unterschiedliche kulturelle Hintergrund durchaus bewusst. Sie sind im Heimatland ihres Vaters aufgewachsen, der immer für sie da war, genau wie ihre Großeltern. In der unmittelbaren Nachbarschaft gab es auch ein engmaschiges Familiennetzwerk. Darum ist ihre Muttersprache Niederländisch. Es ist ihre „Heimatsprache“. Wir leben inzwischen in den USA, aber untereinander sprechen sie immer noch Niederländisch. Das jüngste Kind hat bis zur Schule nur Igbo gesprochen, die Sprache Nigerias. Alle Kinder sind mehr oder weniger an Sprachen interessiert, die ältesten drei sprechen auch noch gut oder zumindest ein bisschen Französisch, Deutsch und nigerianisches Pidgin-Englisch. Sie haben auch Kenntnisse in Griechisch und Latein. Der älteste geht aufs College, wo er auch Koreanisch und Spanisch lernt. Viele der bei den Kindern gebräuchlichen Ausdrücke stammen aus dem Igbo. Wenn sie Heimweh haben, dann hilft ihnen allerdings nur ihre Muttersprache, in diesem Fall die Sprache ihres Vaters.

Sie haben schon einige Kinderbücher geschrieben. Wie sehen Sie die Zukunft der afrikanischen Literaturszene?

Oh, da bin ich voller Hoffnung. Im nächsten Semester gebe ich ein Seminar über Bücher afrikanischer Autoren der letzten 15 Jahre. Es ist sehr erstaunlich, wie sehr diese Liste wächst, seit ich den Kurs im letzten Sommer auf den Plan gerufen habe.