Moving Africa: Das Shoko Festival in Simbabwe Ein Muss für bewegungsfreudige Afrikaner

Der Südafrikanische Rapper AKA war Headliner beim Shoko Festival 2016
Der Südafrikanische Rapper AKA war Headliner beim Shoko Festival 2016 © 3 Mobi

Das dreitägige Shoko Festival im September stand unter dem Motto "Come Alive" („Zum Leben erwachen“). Das erklärte Ziel, die Hauptstadt Simbabwes aus ihrem tiefen wirtschaftlichen Dornröschenschlaf aufzuwecken, ist dabei auf jeden Fall erreicht worden.Trotz des rauen wirtschaftlichen Klimas in Simbabwe hat die Veranstaltung viele Kunstfreunde auf den Plan gerufen. Dank des guten Marketings konnte das Shoko Festival als eins der letzten seiner Art sogar Besuchermassen anziehen.

Die kränkelnde Wirtschaft in Simbabwe hat auch den dortigen Kunstbetrieb nahezu lahmgelegt. Das Programm vieler Festivals im Land ist stark gekürzt, einige sind sogar ganz eingestellt worden – offenbar die Folge eines deutlichen Mangels an Förderern und Spendern. Diesen Widrigkeiten hat sich das jährlich stattfindende Shoko Festival jedoch eindrucksvoll widersetzt. Es hat nicht nur weitergemacht wie bisher, sondern war ohne solche Mitbewerber wie das große Harare International Festival Of The Arts (HIFA) sogar zum größten Festival des Jahres 2016 in Simbabwe geworden.

Das dreitägige Shoko Festival im September stand unter dem Motto Come Alive. Das erklärte Ziel, die Hauptstad Simbabwes aus ihrem tiefen wirtschaftlichen Dornröschenschlaf aufzuwecken, ist dabei auf jeden Fall erreicht worden. Das Festival fand auf dem Außengelände des Museum Of Human Sciences statt, das zwischen der Harare City Library und dem College Of Music liegt – also nur ein paar Schritte vom geschäftlichen Zentrum der Stadt entfernt. Auf dem Programm stand eine bunte Mischung verschiedenster Bands von Hip Hop über Afro-Jazz bis hin zu diversen anderen Stilrichtungen. Auf der Bühne standen dabei sowohl Newcomer als auch renommierte Namen des jeweiligen Genres.

Zwei Tage lang lief das Festival dort, am letzten Tag fanden die Shows in Chitungwiza statt, einer dicht besiedelten Stadt 30 Kilometer südlich von Harare, wo zum großen Abschluss das sagenumwobene Peace In The Hood („Frieden in der Nachbarschaft”) Konzert stattfand. Das Konzept: Nachwuchstalente und bekannte Musiker geben in den bevölkerungsreichen Vororten kostenlos Konzerte.

In Verbindung mit einem guten Marketingkonzept konnten die Macher mit dieser Mischung viele zusätzliche Zuschauer anlocken, die sich schon lange mehr Festivals in ihrer Stadt gewünscht hatten.

Der Begriff Shoko bedeutet auf Shona, einer der einheimischen Sprachen in Simbabwe, „Wort“. In diesem Jahr war der südafrikanische Rapper AKA der Haupt-Act des Festivals. Außerdem traten die norwegische Hip Hop Formation African Sunz, die in Simbabwe sehr erfolgreiche Ammara Brown, Winky D sowie Jah Prayzah auf – dieser gilt in Simbabwe gerade als Mann der Stunde, nachdem er sich mit seinem gemeinsam mit den Diamond Platinumz aus Tansania aufgenommenen Hit ein großes Publikum erspielt hat.

Die Teilnehmer von „Moving Africa“

Zeugen dieses historischen Moments in der Geschichte Simbabwes waren auch vier Künstler aus dem gesamten afrikanischen Kontinent; allesamt Teilnehmer der Initiative Moving Africa (MA) des Goethe-Instituts. Moving Africa ist ein afrikaweites Austauschprogramm, das es Künstlern aus Afrika ermöglichen möchte, Kulturfestivals auf dem ganzen Kontinent zu besuchen, um ihren Erfahrungshorizont zu erweitern und anschließend mit anderen Künstlern ein Netzwerk aufzubauen. Das Programm läuft bereits seit 2009. Zu den bisherigen Moving Africa Teilnehmern, die nach Simbabwe kommen durften, zählen Peter Komondua (Demokratische Republik Kongo), Koffi Olivier Ahuié (Elfenbeinküste), Ivan Chendjouo (Kamerun) und Felisberto Moises Nguenha (Mosambik).
 
Für den aus der Elfenbeinküste stammenden Dichter Koffi Olivier Ahuie, besser bekannt als Philo, war der Besuch des Festivals ein seltenes Privileg: „ Es war ein großes Vergnügen, im Rahmen des Moving Africa Programms am Shoko Festival teilnehmen zu können“, erklärt der Wortjongleur. „Dank Moving Africa habe ich nicht nur meine erste Flugreise unternommen, sondern auch die wunderbare Stadt Harare kennen und lieben gelernt.“
 
Besonders fasziniert haben Philo die ruhigen und sauberen Straßen und die ungezwungene Gastfreundschaft der Menschen in Simbabwe, die ihm einen äußerst vergnüglichen Kurztrip beschert haben. Auch wenn das Festival ihn nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat, sieht er dieses als großen Erfolg an. Schließlich, so sagt er, seien hier echte Superstars aufgetreten, und die Festivalorganisatoren hätten sich sehr um öffentliche Sicherheit bemüht.

Moving Africa habe ihm viel gebracht, erklärt Philo, er habe die seltene Chance gehabt, direkt mit den Festivalteilnehmern in Simbabwe in Kontakt zu kommen und so ein Netzwerk aufzubauen, aus dem sich später vielleicht einmal eine künstlerische Zusammenarbeit ergeben könnte. Auch in Philos Heimat hat diese Erfolgsgeschichte schon die Runde gemacht: Dort leitet er momentan ein soziales Projekt, zu dem er durch seine Reise innerhalb des Moving Africa Programms inspiriert wurde.
 
Moving Africa hat mich auf dieses Projekt gebracht, das ich gerade hier im Land auf die Beine stelle”, erzählt er. „Ich möchte benachteiligten Menschen helfen, sich ihrer Stärke bewusst zu werden, zu reisen und ihr Land zu entdecken.”
 
Auch der Teilnehmer Peter Komondua aus der Demokratischen Republik Kongo, ein bekannter Dichter, teilt diese Erfahrungen: Die Initiative habe ihm ermöglicht, erstmals ein Festival außerhalb seines Heimatlandes zu besuchen, so der renommierte Autor.
 
„Ich kam hierher, um als Künstler erstmals ein Festival in einem anderen Land mitzuerleben. Ich habe viele nette Leute aus Harare und einige Künstler kennengelernt, die im gleichen Bereich arbeiten wie ich, sogar ein paar Poetry Slammer aus anderen Ländern. Nach eigener Aussage war die größte Herausforderung für ihn in Harare, hier in der kurzen Zeit so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen – mit Erfolg, denn, wie er sagt: „Ich kam und siegte!“

Das Shoko Festival 2016 lief im Rahmen des Goethe-Institut Programms Moving Africa, einem afrikaweiten Austauschprogramm, das es Künstlern ermöglicht, ausgewählte Festivals auf dem Kontinent zu besuchen. Das 2009 ins Leben gerufene Projekt möchte den Austausch und die Vernetzung innerhalb der Künstlerszene Afrikas fördern. Mehr Informationen