SEBLE MESHESHA aus Ethiopien

Seble Meshsha from Ethiopia

Können Sie uns etwas über sich und Ihren Hintergrund erzählen?

Ich heiße Seble Wengel Meshesha. Ich bin in Addis Abeba, Äthiopien, geboren und aufgewachsen, und lebe jetzt dort. Ich bin eine Studien-Abbrecherin und hatte seither viele Jobs. Ich habe alles gemacht, von einer Moderatorin eines Radio-Programms bis zu einer Büro-Assistentin, und von einer Einkäuferin bis zu einer Produktionsassistentin und Video-Editorin. Im Moment arbeite ich von zu Hause und liebe es. Aber ich plane, als nächsten Schritt in meiner Karriere tiefer in die Film-Industrie einzusteigen.

Was hat Sie dazu bewogen, an #libraryselfie2021 teilzunehmen, und wie haben Sie sich gefühlt, als sich herausstellte, dass Sie einer der Gewinner sind?

Durch meine jetzige Arbeit als Managerin für soziale Medien für eine App namens Ahun habe ich von #libraryselfie2021 erfahren. Ich verwalte die Veranstaltungsseite dieser App, was bedeutet, dass ich versuche, virtuelle, kostenlose und kostenpflichtige Veranstaltungen in Addis Abeba zu finden und sie der Seite hinzuzufügen.

Als ich die #libraryselfie2021 Veranstaltung hinzufügte, beschloss ich, daran teilzunehmen. Der Hauptgrund dafür war, dass ich vor ein paar Jahren eine begeisterte Leserin war. Ich ging fast jeden Tag in unsere Schulbibliothek, und nach meinem Abschluss ging ich in eine öffentliche Bibliothek in meiner Stadt. Ich erinnere mich, dass ich sehr viel Zeit in diesen Bibliotheken verbrachte und jede Minute genoss. Das Lesen half mir, die Welt durch Geschichten zu sehen und so begann meine lebenslange Liebe zum Geschichtenerzählen.

Obwohl ich seit dem College von Büchern auf Filme übergewechselt bin, erinnere ich mich gerne daran, wie ich durch die Charaktere auf den Seiten miterlebte was ich las. Ich lese nicht mehr so viel wie früher, aber ich wollte schon längst in diese Zeit meines Lebens zurückkehren. Diese Herausforderung war für mich ein Weckruf. Ich hatte nicht gedacht, dass ich gewinnen würde, denn der Gewinner müsste die meisten Likes auf Facebook oder Instagram bekommen, aber wie sich herausstellte, war ich die einzige Bewerberin aus Äthiopien. Diese große Überraschung hat mich nicht nur dazu inspiriert, an meiner eigenen Lese-Gewohnheit zu arbeiten, sondern auch an den Lese-Gewohnheiten der Jugend in meiner Stadt und in meinem Land.

Wie hat die Teilnahme an #libraryselfie2021 zu Ihrer Leidenschaft für das Lesen und Lernen beigetragen?

Ehrlich gesagt, habe ich mich anfangs nur auf den Preis eines Lese-Tablets konzentriert, da ich nicht dachte, dass ich diesen Wettbewerb gewinnen würde. Daher dachte ich mir, dass ich zumindest, wenn ich Zweiter oder Dritter werden würde, ein Lese-Tablet bekommen würde, das meine Lese-Gewohnheit wieder ankurbeln würde. Als ich herausfand, dass ich gewonnen hatte und auch noch einen Zuschuss erhalten würde um an einem Mini-Bibliotheksprojekt zu arbeiten, war ich hellauf begeistert. Und dann recherchierte ich und schrieb ein paar Projektvorschläge. Meine Forschung umfasste hauptsächlich bildungserzieherische Hilfsorganisationen, die sich dafür einsetzen, dass Studenten aus einkommensschwachen Familien mit Büchern und Schulmaterial geholfen wird; und ein paar kleine, lokale und privat betriebene Bibliotheken, die sich in einigen Vierteln in Addis Abeba befinden, einschließlich meinem Viertel. Aber letztendlich entschied ich mich für eine Schule, die ich entdeckte, als ich vor ein paar Jahren an einem Dokumentarfilm mit dem Titel „Mein Äthiopien“ für Al Jazeera arbeitete.

„Mein Äthiopien“ geht vier Äthiopiern nach, die sich mit der sich schnell verändernden sozialen und politischen Landschaft ihres Landes auseinandersetzen. Aber diese Menschen sind nicht einfach nur die durchschnittlichen äthiopischen Bürger. Sie sind Grundpfeiler des Wandels und der Entwicklung, die in Äthiopiens Zukunft kommen sollen. Einer unserer Auswahlen heißt Behailu Wasse. Behailu ist Regisseur, Produzent und Autor mit Sitz in Addis Abeba. Und zu der Zeit arbeitete er an Äthiopiens erster politischer Satire-Sendung, die im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt werde sollte – „Min Litazez“, was übersetzt „Wie kann ich Ihnen dienen“ bedeutet. Und zwar wurde der Szenenaufbau von „Min Litazez“ an der Schule gemacht, auf die ich mein Projekt konzentrieren wollte.

Es haben also Behailu und seine Geschwister Ashenafi Wasse und Tigist Wasse das Haus ihres verstorbenen Vaters in eine kleine Schule namens Geschwister-Akademie verwandelt. Die Geschwister-Akademie hat etwa 300 eingeschriebene Schüler und unterrichtet bis zur 6. Klasse. Die Unterrichtsgebühren dieser Schule sind die günstigsten in Addis Abeba, da sie sich hauptsächlich auf die Einschreibung und Ausbildung unterprivilegierter Kinder konzentrieren. Sie vergeben auch Stipendien an diejenigen, die es sich nicht leisten können. Somit war meine Entscheidung also sehr einfach zu treffen. Bei unserem Besuch in dieser Schule mit dem Goethe-Institut stellten wir fest, dass die Bibliothek nur eine sehr kleine Büchersammlung hatte. Sie brauchten viele schulische Zusatz- und Lehrbücher und auch Kinderbücher. Schlussendlich nahmen wir den Schulbibliothekar mit uns in die Buchhandlungen, und bekamen dadurch genau das, was diese Schüler so lange schon entbehrt hatten. Wir erhöhten die Vielfalt und Menge der gefundenen Bücher und stellten sicher, dass Bücher über die äthiopische Geschichte dabei waren.
Ich bin stolz und fühle mich geehrt, Teil dieses Projekts zu sein, und es hat mir die Augen geöffnet, wie wichtig es ist, sicherzustellen, dass Kinder früh mit dem Lesen beginnen und es ihnen zur Gewohnheit wird. Ich hoffe, dass ich noch mehr für Schulen und hilfsbedürftige Kinder tun kann.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Library Aid Africa und dem Goethe-Institut dafür bedanken, dass ich Teil eines so tiefgreifenden Projekts sein darf.

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