5 Fragen an Zakes Mda

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Zakes Mda © Goethe-Institut/Setumo-Thebe Mohlomi

Bekannt ist Zakes Mda vor allem für seine Romane und Theaterstücke. Zu seinem Repertoire gehören jedoch auch Musikkompositionen und Malerei. Seine Professur für Kreatives Schreiben an der University Of Ohio mit regelmäßigen Engagements und einer multimedialen Karriere in Einklang zu bringen, ist eine ziemliche Herausforderung für ihn. Seinen Schaffensdrang dämpft diese Mehrgleisigkeit jedoch keineswegs, im Gegenteil: „Das muss so sein“, erklärt Mda, „nur so kann ich produktiv sein. Wäre es anders, würde ich glatt verrückt.”

Wie bringen Sie Ihre Arbeit, Ihre Reisen und Ihre Schreibprojekte unter einen Hut?
Zakes Mda: Kreativ bin ich eigentlich jeden Tag, egal, ob es der Roman ist, an dem ich gerade arbeite, oder etwas anderes. Manchmal habe ich allerdings gar keine Lust, mich mit dem momentanen Hauptprojekt zu beschäftigen. Dann widme ich mich einfach anderen Dingen, schreibe zum Beispiel Drehbücher. Das gehört zu meinem Kerngeschäft, davon lebe ich eigentlich. Und wenn mir danach zumute ist, komponiere ich zwischendurch auch gerne ein Musikstück.

Sie leben schon seit einiger Zeit nicht mehr in Südafrika. Wie schaffen Sie es dennoch, Südafrika und seine Landschaft in Ihren Werken so authentisch zu beschreiben?
ZM: Das Land lebt in mir, Südafrika ist immer bei mir - ich trage quasi Südafrika ständig mit mir herum. Ich muss nicht dort sein, um über das Land zu schreiben. Die meisten meiner Romane entstehen an den unterschiedlichsten Orten. Madonna Of Excelsior etwa habe ich zum Großteil in Frankreich und auch in der Schweiz geschrieben. Ich kann überall arbeiten, wo ich gerade bin.

Ob ich hier oder anderswo bin, spielt doch keine Rolle. Manchmal ist es sogar besser, wenn ich woanders bin und eine gewisse Distanz zu dem, was hier gerade passiert, aufbauen kann. Obwohl man natürlich im Zeitalter der Neuen Medien ständig mit allem und jedem in Kontakt ist. Ich bin also nie wirklich weg.

Es gibt eigentliche keine Unterschiede mehr. Früher konnte man sagen „Ich bin gerade in Amerika. Südafrika ist ganz weit weg.“ Man hat einen Brief nach Südafrika geschrieben, der zwei, drei Wochen brauchte, bis er ankam. Und die Antwort war dann auch wieder zwei, drei Wochen unterwegs. Südafrika war also ein Ort in der Ferne, aber jetzt hat man das Land quasi immer in der Westentasche. Man kennt auch immer genug Leute, die gerade dort sind und einen über die aktuellen Ereignisse vor Ort informieren können.

Hat die Tatsache, dass Südafrika ein vielumkämpftes Land ist, die Art und Weise beeinflusst, wie Sie darüber schreiben?
ZM: Ich schreibe ja nicht über Themen. Ich sage nicht „Okay, jetzt schreibe ich mal was über die Umwelt“. Ich schreibe über Figuren. Ich bin Geschichtenerzähler, und meine Figuren interagieren dabei natürlich miteinander und auch mit ihrer Umwelt, und die kann auch durchaus mal politisch sein. Dann geht es natürlich auch mal um politische Themen. Und wenn die Figur sich in einem Umfeld befindet, für die das Thema Land eine Rolle spielt, dann fließt dies auch hinein. Die Themen kommen jedoch nur vor, weil die Geschichte es verlangt. Oftmals stehen diese am Anfang gar nicht auf dem Plan. Ich fange an, eine Geschichte zu erzählen, und wenn es sich begibt, dass es darin um Land oder andere Themen oder auch politische oder soziale Belange geht, dann kommen diese Dinge eben vor, aber nur, weil sie einen Bezug zu meinen Figuren haben.

Sie sind ein vielbeschäftigter Autor, Maler und Dramatiker. Gibt es bestimmte Geschichten, die sie mit Hilfe eines dieser Medien besser ausdrücken können als mit den anderen?
ZM: Nein, die Geschichte gibt mir vor, wie sie erzählt werden will, ich selbst habe das nicht zu entscheiden. Die Geschichte sagt dir zum Beispiel „Mich muss man als Roman erzählen. Ich funktioniere nur als Theaterstück, nicht als Roman. Ich muss ein Gemälde sein, kein Roman. Ich muss unbedingt ein Gedicht sein”. Die Geschichte sagt mir, wie sie erzählt werden will. Sie weiß es, sie weiß, wie sie erzählt werden will, man muss ihr nur gut zuhören, wenn sie mit einem redet. Und man darf sie keinesfalls zwingen, etwas zu sein, das sie nicht sein will.

Mir war von Anfang an klar, wenn die Geschichte „Mal mich!“ ruft, dann muss man sie auch malen. Ich kann zum Beispiel die Geschichte des Massakers von Marikana nur mit einem Bild ausdrücken, mit keinem anderen Mittel. Auch wenn sie so viel hergibt, dass man aus ihr ein Theaterstück machen könnte, wie es viele ja auch getan haben, oder man daraus auch gut und gerne einen Roman machen könnte, wie es sicherlich auch einmal jemand tun wird – aber mir ruft die Geschichte einfach zu: „Mal mich!“. Darum habe ich dem Vorfall gleich eine ganze Bilderserie gewidmet. Sie heißt The Man In The Green Blanket („Der Mann in der grünen Decke“). Die Bilder haben alle denselben Titel.

Gibt es einen bestimmten Ort, den Sie immer wieder besuchen, wenn Sie in Südafrika sind?
ZM: Es gibt einen Ort, den ich gerne besuchen würde, auch wenn ich es wohl nicht schaffen werde: Es ist ein Ort in der Provinz Ostkap namens Herschel, wo ich ein Bienenstockprojekt mit den dortigen Landfrauen betreibe. Es wäre schön, wenn ich dort ab und zu mal vorbeischauen könnte. Aber das schaffe ich leider nicht oft. Früher war ich alle ein, zwei Jahre mal dort. Ich bin derzeit alle zwei Monate in Südafrika und war zuletzt vor einem Monat dort. Aber obwohl ich recht oft hier bin, habe ich selten die Möglichkeit, auch die Ostkap-Provinz zu besuchen. Das Dorf heißt übrigens Lower Telle.