Kulturszene

Deutsche Moscheen – Moderne islamische Sakralbauten in Deutschland

Die Zentralmoschee in Köln | Foto (Zuschnitt): © picture alliance / Rainer Jensen / dpa

Wenn in Deutschland repräsentative Moscheen gebaut werden, sorgt das immer wieder für Konfliktpotenzial. Wie der Brückenschlag zwischen den Kulturen gelingen kann, zeigt die Euro-Islam-Architektur.

Deutsche Moscheen sind nur selten prächtig: Bei einem islamischen Gotteshaus handelt es sich hierzulande häufig um versteckte Hinterhofgebäude in Gewerbegebieten, die rein gar nichts mit den beeindruckenden Bauten ihrer Ursprungsländer gemein haben. Von den etwa 2.800 Moscheen und islamischen Gebetsstätten in Deutschland sind nur 350 als solche erkennbar, da sie der türkisch-osmanischen Architektur mit Kuppel und Minarett folgen. Alle anderen haben auf diese Erkennungszeichen verzichtet, die entgegen der landläufigen Meinung nicht zwingend notwendig sind – einzig nach Mekka muss eine Moschee ausgerichtet sein.

Ein Grund dafür war und ist die zuweilen ablehnende, misstrauische Haltung vieler Deutscher gegenüber den aufwendigen Moscheebauten, wie sie in muslimischen Ländern zu finden sind. Aus Angst vor einer vermeintlichen Islamisierung möchten sie nicht, dass islamische Prachtbauten einen zu großen visuellen Einfluss auf das Stadtbild nehmen. Dem gegenüber steht der Wunsch vieler muslimischer Gemeinden, aus der wenig vertrauenerweckenden Hinterhofatmosphäre auszubrechen. Dies ist für sie eine Frage der Integration und fußt auf einem Selbstbewusstsein für die muslimische Identität im neuen Heimatland. Sie identifizieren sich mit dem Land, in dem sie leben, und fordern einen gleichberechtigten Platz in dieser Gesellschaft.

Streitpunkt Minarette und Kuppeln

Mittlerweile gibt es neben den unzähligen Hinterhofmoscheen auch etliche Großbauten in Deutschland, die Platz für mehr als 1.000 Gläubige bieten, wie in Duisburg, Mannheim, Köln oder Bremen. Der Entwicklungsprozess ist in den meisten Fällen jedoch nicht reibungslos verlaufen: Aufgrund der Vorbehalte in der Gesellschaft – die durch die Angst vor terroristischen Anschlägen jüngst sogar noch gewachsen sind – mussten muslimischen Gläubige oft auf architektonische Elemente wie Minarette, Schmuckfassaden und Kuppeln verzichten, obwohl sie eine ebenso große Bedeutung für die überwiegend türkischstämmigen Muslime haben wie Presbyterium, Krypta und Altarraum für die Christen in ihren Gotteshäusern. Der Unmut von Anwohnern begann mit der Sorge vor Lärmbelästigung – inzwischen lassen rund 30 Moscheen zumindest tagsüber den Muezzinruf ertönen – und mündete nicht selten in einem erbitterten Streit über die bauliche Höhe der Minaretttürme. Somit stellt der Bau von Moscheen die Beziehungen zwischen Muslimen und der nicht-muslimischen Mehrheitsgesellschaft immer wieder auf die Probe.
 
Bei den Diskussionen um Moscheearchitektur geht es aber auch um die Frage, welche Art von Islam manifestiert werden soll. Soll hier ein Islam ausgeübt werden, wie er ursprünglich verstanden wurde, oder wie er von westlich geprägten Muslimen gelebt wird? Oder geht es gar um eine Assimilation und Annäherung an das neue Heimatland mit Moscheen, die gänzlich den westlichen architektonischen Vorstellungen entsprechen?
 
Allgemein wird zurzeit die Stilrichtung der Euro-Islam-Architektur, die eine säkularisierte Form des Islam in Europa beschreibt, als gangbarer Mittelweg angesehen. Rechte und Pflichten des Islam sollen bei dieser islamischen Strömung mit europäischen Werten in Einklang gebracht werden;
architektonisch werden oft eklektische Bauformen zu einer modernen Architektur zusammengefügt. Über vielen Neubauten und Entwürfen schwebt das Credo: Dieses Gotteshaus soll ein Ort  der Begegnung sein.

Synthese von Orient und Okzident


Die Fassade der Zentralmoschee in Köln: Über die Baugestaltung und Turmhöhe der Minarette wurden öffentliche Kontroversen geführt. | Foto (Zuschnitt): © picture alliance / Rainer Jensen / dpa

Ein Beispiel für die moderne Euro-Islam-Architektur ist der Prestigebau der Zentralmoschee in Köln. Die türkisch-osmanische Kuppelmoschee mit aufgebrochenen Wänden und vielen Fensterelementen erlaubt nicht nur einen Blick von innen nach außen, sondern auch umgekehrt. Dies soll als Hinweis verstanden werden, dass man sich eine offene Kommunikation mit Andersgläubigen wünscht. Das Herzstück sind großzügige Freitreppen, welche in den 36 Meter hohen, rund 1.200 Besucher fassenden Kuppelsaal mit seinen geschwungenen Betonschalen und Glasfassaden führen. Die Treppen sind ein architektonischer Kniff, der auf den interkulturellen Charakter der Moschee hinweisen soll. 

Projektleiter Selim Mercan geht es um eine Verbindung orientalischer Elemente mit einem modernen Islam, wie er ins weltoffene Köln passt. Er weist auf Deckenmedaillons mit arabischen Blattgold-Inschriften: Sie sind unter anderem Abraham, Mose, Noah und Jesus gewidmet – Persönlichkeiten, die für Christen wie für Juden und Muslime bedeutend sind. „Das ist ein sehr schönes Zeichen“, findet der Bauingenieur. Den Bauherren der Zentralmoschee wurde dennoch mangelnde Innovation vorgeworfen, da die eindrucksvolle Kuppel und die Minarette auch als zu starke Anknüpfung an traditionelle osmanische Architektur interpretiert werden können.

Auch in Köln gab es daher während der Bauphase Diskussionen: Ein großer Streitpunkt war die Höhe der beiden Minarette. Sie bringen es auf 55 Meter Höhe und damit auf etwa ein Drittel des 157 Meter hohen Kölner Doms, der in Köln nach wie vor das Maß aller Dinge ist. Eine Imagekampagne umwarb schließlich das umstrittene Bauprojekt mit dem Motto „Unsere Moschee für Kölle“ und setzte auf ein religionsverbindendes Wir-Gefühl.

Bayern und die Moderne

Mehr Fingerspitzengefühl wurde bei einem Bauprojekt im oberbayerischen Penzberg bewiesen. In der Kleinstadt in der Nähe des Starnberger Sees ließ die multiethnisch geprägte Gemeinde einen Bau errichten, der sich mit seiner schlichten Ästhetik der Moderne verpflichtet sieht. Ein nur 15 Meter hohes Minarett aus Edelstahl lässt den Bau als Moschee erkennen. Das Eingangsportal, auf dem Koranverse auf Deutsch und Arabisch eingraviert sind, folgt direkt auf Elemente der Euro-Islam Islam-Architektur.


Der Gebetsraum der Penzberger Moschee ist durch die tiefblau schimmernde Fassade aus Tausenden von Glasscherben in blaues Licht getaucht. | Foto (Zuschnitt): © picture alliance / Frank Mächler / dpa

Der Architekt dieses modernen Moscheebaus Alen Jasarevic ist der festen Überzeugung, dass sich ein mitteleuropäischer Moscheetyp entwickeln wird, mit dem sich die muslimischen Einwanderer vor allem der dritten und vierten Generation wie auch die nichtmuslimischen Bürger leichter identifizieren können als mit traditionellen Moscheetypen aus der islamischen Welt. Neben der Kirche und dem Rathaus werden sich auch die Moschee und die Synagoge als selbstverständlicher Bestandteil unserer Städte etablieren, so glaubt Jasarevic.

Moscheen in Deutschland: Architektur im Wandel

Nadine Berghausen
ist Kunsthistorikerin, freiberufliche Redakteurin und Journalistin.

Text: Goethe-Institut, Nadine Berghausen. Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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Januar 2018

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