Klimakrise und Pandemie Mit Klimaschutz die Wirtschaft retten

Ein rauchendes Kraftwerk
Langfristig gesehen sei die CO2-arme Energieerzeugung deutlich billiger als zum Beispiel die durch Kohle oder Gas, sagt Ökonom Moritz Schwarz. | Foto (Detail): Unsplash © Marcin Jozwiak

Das Jahr 2020 stand im Zeichen der Covid-19 Pandemie und der daraus folgenden Wirtschaftskrise. Dadurch verloren wir die wohl größte Krise unserer Zeit aus den Augen: Die Klimakrise.

Von Christina Höfferer und Christine Pawlata

2020 war das heißeste Jahr seit es Temperaturaufzeichnungen gibt. Erstmals wurden nördlich des Polarkreises 38 Grad gemessen, sogar Sibirien hatte mit Waldbränden zu kämpfen. Das Eis in der Arktis erreichte einen Tiefststand, und auch in der Antarktis kam es mit 18,4 Grad Celsius zu einem Hitzerekord. In Australien vernichteten Waldbrände mehr als 60.000 Quadratkilometer Land, dabei starben über eine halbe Milliarde Tiere.
 
Weltweit investieren indes Regierungen Milliardenbeträge, um der von der Covid-19 Pandemie gebeutelten Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Das 750 Milliarden Euro schwere europäische Corona Hilfspaket Next Generation EU setzt sich gleichzeitig zum Ziel den Kontinent auch grüner zu machen. Aber wie soll das gehen? Heißt es jetzt Wirtschaft gegen Umwelt? Oder kann sich der Umweltschutz sogar wirtschaftlich lohnen?

Neue Herausforderungen für den Klimaschutz in der Coronakrise

Wie der Klima- und Umweltschutz die Wirtschaft ankurbeln soll, damit befassen sich Forscher an Universitäten weltweit. Moritz Schwarz ist Klimaökonom an der Universität Oxford. Dort arbeitet er an Fragen, die sowohl das Klima als auch die Volkswirtschaft betreffen. In den letzten Monaten setzte sich seine Forschungsgruppe intensiv mit den Auswirkungen der Covid-19-Krise auseinander. “Die Corona-Krise stellt uns natürlich alle vor ganz neue Herausforderungen,” sagt Moritz Schwarz. “Wir arbeiten generell schon sehr lange an der Frage, wie wir möglichst unsere Klimaziele erfüllen können, aber gleichzeitig weiteres Wirtschaftswachstum unterstützen und wie wir den Wohlstand, den wir in der westlichen Welt schon sehr stark aufgebaut haben, auch in anderen Ländern sicherstellen können.”
 
In der Corona-Krise zeige sich, dass wir von der Finanzkrise 2008 viele Lehren noch nicht gezogen haben. Damals flossen große Teile der Wiederaufbaugelder wieder in die Verwendung von fossilen Energiequellen, wie Kohle, Öl und Gas zurück. Moritz Schwarz und sein Team forschen dazu, welche Instrumente wir jetzt verwenden sollen und was wir aus der letzten Krise lernen müssen, um die gleichen Fehler nicht erneut zu machen. Aber steht der Umweltschutz einem wirtschaftlichen Aufschwung gar im Weg? Andererseits: Könnten klimaschützende Maßnahmen die Wirtschaft sogar ankurbeln?

Mehr Arbeitsplätze durch klimaschützende Maßnahmen

“Um langfristig die EU und andere Länder wieder zurück auf einen Wachstumspfad zu bringen, können Klimamaßnahmen eine riesige Rolle spielen,” so Moritz Schwarz. Die Wissenschaftler aus Oxford befragten 250 der führenden Ökonominnen und Ökonomen weltweit darüber, welche Maßnahmen sowohl im Klimabereich als auch im volkswirtschaftlichen Bereich den höchsten Nutzen erzielen. “Da viele Investitionen im Klimabereich sehr personalintensiv sind, werden oft sogar mehr Arbeitsplätze durch klimapolitische Maßnahmen geschaffen. Aus ökonomischer Sicht ist es deshalb ganz klar, dass gut designte Klimamaßnahmen auf jeden Fall einen positiven Wachstumseffekt erzielen.” So lautet das Resultat der Umfrage unter den 250 Wirtschaftsexperten.

CO2-arme Energieerzeugung lohnt sich

In vielen Regionen der Welt sei die CO2-arme Energieerzeugung deutlich billiger als zum Beispiel Energieerzeugung mittels Kohle oder Gas. Schwarz nennt als Beispiel Deutschland, wo es große Subventionen brauche, um überhaupt noch Energieerzeugung durch Kohle zu ermöglichen.
 
“Investitionen in Forschung und Entwicklung, aber auch in Ausbildung sind sowohl aus klimatechnischer als auch aus volkswirtschaftlicher Sicht auf jeden Fall positiv,” resümiert der Klimaökonom Schwarz. “Ebenso klar ist, dass es einige Maßnahmen gibt, die sowohl aus volkswirtschaftlicher als auch aus klimapolitischer Sicht ganz wenig Sinn machen. Ein Beispiel sind finanzielle Hilfen für Fluglinien, die etwa nicht daran gebunden sind, dass Emissionen langfristig reduziert werden.”
 
Schwarz sieht die derzeitige Krise jedoch als Chance: “Wir befinden uns auf jeden Fall in einer Klimakrise. Ich würde eher sagen, die Corona-Krise, so schlimm sie ist und so viele Leben sie auch gefordert hat, man kann sie auch als Chance sehen. Mit den richtigen Entscheidungen, die wir jetzt treffen können, können wir uns auch auf diese neue, klimafreundliche Zukunft vorbereiten.”