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Rasmus Ohlenschlæger
Dänemark
Können die auf Algorithmen basierenden Entscheidungen einer „künstlichen Intelligenz“ Freiheit auf Dauer besser gewährleisten als Menschen?

Nichts kann Freiheit garantieren, weder Algorithmen oder künstliche Intelligenz noch Menschen. Freiheit müssen wir tagtäglich mit uns selbst und unserem sozialen sowie politischen Umfeld aushandeln – vor dem Hintergrund von unendlich vielen, aber unerreichbaren Idealen. Künstliche Intelligenz kann unsere Entscheidungen durchaus konstruktiv beeinflussen, macht allerdings aus der Frage nach der Freiheit eine mehr oder weniger präzise, lediglich auf Algorithmen basierende. So wird der menschliche Faktor aus der Gleichung gestrichen. Aber Freiheit ohne menschliche Fehlbarkeit, moralische Verantwortung, soziale Organisation, Gefühle und Sehnsüchte gibt es nicht.

Von Rasmus Øhlenschlæger

Wer kontrolliert Facebook?

Die Frage nach der Freiheit wird oft als eine philosophische gestellt, die Antworten darauf fallen jedoch sehr pragmatisch aus. Was Folge dessen ist, dass man sein Leben im Rahmen ganz profaner Grenzen und alltäglicher Anforderungen lebt. Nach einem ganz ähnlichen Muster bewegen wir uns auch durch die digitale Gegenwart und diskutieren über eine Zukunft, in der Daten, Algorithmen und künstliche Intelligenz unsere Wahlmöglichkeiten ganz wesentlich einschränken werden, auf bekannte und noch unbekannte Art und Weise.

Rasmus Ohlenschlaeger Porträt © Sigrid Nygaard Global operierende Konzerne sammeln, kaufen und verkaufen unsere Daten an die meistbietenden Werbetreibenden. Ihr Handelsgut ist unsere Aufmerksamkeit. Das ist kein Geheimnis. Mittlerweile wissen das alle – und verbringen trotzdem zahllose Stunden in den von Algorithmen strukturierten und kuratierten sozialen Medien, die dafür gemacht sind, Profit abzuwerfen. Der US-amerikanische Kulturtheoretiker Fredric Jameson hat mal gesagt, es sei einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Und so scheint es, wenn es um Daten geht, gleichermaßen schwierig, einen Ort außerhalb der digitalisierten Gegenwart oder – wenn man den Fokus etwas enger stellen will – außerhalb der sozialen Medien zu finden, von dem aus Protest artikuliert werden könnte gegen die Firmen, die unsere Aufmerksamkeit verwalten und bewirtschaften. Dass der Boykott von Facebook, nachdem herauskam, dass Cambridge Analytica persönliche, auf Facebook gesammelte Daten wiederverkauft hatte, just auf Facebook organisiert wurde, birgt eine gewisse Ironie.

Algorithmen und künstliche Intelligenz haben ein gewaltiges Potenzial, von Menschen getroffene Entscheidungen zu beeinflussen. Damit sie nicht nur politische Programme bewerben und kommerzielle Gewinnmargen vergrößern, sondern Menschen darin unterstützen, Entscheidungen frei zu treffen, müssen wir wissen, wer zu welchem Zweck über welche Daten verfügt. Wer bearbeitet den Content, der uns über die sozialen Medien angeboten wird? Wer trägt Verantwortung für die Nutzung unserer Daten? Wie kann eine Ökonomie der Aufmerksamkeit politisch kontrolliert werden?
 

Weiterführende Literatur:
David Runciman: How Democracy Ends. London 2018 (Profile Books).
Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? Ein Essay. Berlin 2016 (Suhrkamp).
 
Folgefrage: Wenn wir davon ausgehen, dass die Freiheit der Information und die Redefreiheit eher kollektive denn individuelle Aufgaben sind: Wer oder wo ist dann das Kollektiv, das sich, wenn es um Datenschutz, Fake News, Datensammlungen etc. geht, zur Wehr setzt gegen globale Konzerne wie Google und Facebook? Ist es die EU? Die neue Anti-Trust-Gesetzgebung in den USA? Ein einzelner starker Nationalstaat? Zusammenschlüsse von Konsumenten und Konsumentinnen und Nutzer und Nutzerinnen? Oder etwas ganz anderes?

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