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Elnathan John
Nigeria/Deutschland
Wie verbessern wir die berufliche Situation von Kunstschaffenden?

Kunstschaffende, deren Arbeit anerkannt wird, können ihre privilegierte Stellung dazu verwenden, sich für ihre Kolleginnen und Kollegen einzusetzen, die diesen Status noch nicht erreicht haben.

Von Elnathan John

Freiheit für die Mehrzahl und nicht nur für Einzelne

Ein in kapitalistischen Sphären verborgenes Hindernis für die volle Anerkennung der Kunst als Form der Erwerbstätigkeit — nicht nur, was eine Handvoll Privilegierter anbelangt, sondern als eine Selbstverständlichkeit — ist die geschickte Ausnutzung unseres Wettbewerbsgeistes durch kapitalistische Strukturen. Auf diese Weise werden Hierarchien unter Künstlerinnen und Künstlern geschaffen, deren führende Vertreterinnen und Vertreter mit Respekt behandelt werden, während man die anderen ausbeutet.

Elnathan John © Alla Sieg Das beeinträchtigt die Freiheit in einer Welt, in der die Schlüsselpersonen der einzelnen künstlerischen Metiers eine Kultur der patriarchalischen Ehrerbietung und Ordnung bewahren und in der eine Abkehr von diesem Konformismus dazu führen kann, dass man sich ins Abseits manövriert. Ein Mittel, mit dem Künstlerinnen und Künstler die berufliche Situation und Freiheit aller Kunstschaffenden konsolidieren und voranbringen können, ist die Weigerung, stille Nutznießerinnen und Nutznießer willkürlicher und selektiver Systeme zu sein, die andere Kunstschaffende herabsetzen oder deren Kunst nicht als Arbeit anerkennen.

Helfen können dabei Gewerkschaften wie die britische Society of Authors, die für Professionalität bei Verkauf und Veröffentlichung von Büchern sorgt und kreative Ausdrucksformen und Meinungsfreiheit fördert. So berät die Gewerkschaft ihre Mitglieder bei Vertragsangelegenheiten und der fairen Vergütung für die geleistete Arbeit, während sie gleichzeitig für Gleichberechtigung, Achtung und Respekt eintritt. Gewerkschaften tragen dazu bei, Mindeststandards zu etablieren und gegen Ausbeutung besonders im Umgang mit Institutionen zu kämpfen.

Auf persönlicher Ebene können Kunstschaffende, deren Arbeit anerkannt wird, ihre privilegierte Stellung dazu verwenden, sich für ihre Kolleginnen und Kollegen einzusetzen. Bei einem Projekt, Festival oder einer anderen Veranstaltung können die für ihren Auftritt honorierten Hauptakteurinnen und Hauptakteure fordern, dass niemand an ihrem Projekt unbezahlt arbeitet. Sie können dafür eintreten, dass Künstlerinnen und Künstler nicht im Rahmen von Freiwilligenarbeit ausgenutzt werden, was eine der gebräuchlichsten Formen der Ausbeutung ist. Eine weitere Möglichkeit ist es, Kolleginnen und Kollegen schlichtweg über die gezahlten Honorare aufzuklären.

Das mag einfach erscheinen, ist aber revolutionär. Denn die Geheimhaltung ist ein Grund, warum Institutionen es sich leisten können, die Arbeit von lediglich einem Teil der Kunstschaffenden anzuerkennen. Wenn sie (höher) bezahlte Künstlerinnen und Künstler dazu verpflichten können, Stillschweigen über das Honorar zu bewahren, dann können sie andere davon überzeugen, unentgeltlich zu arbeiten oder andere ausbeuterische Formen der Zusammenarbeit einzugehen.

Weiterführende Literatur:
Solti, Gabriella: „From 'Means to Ends': Labour As Art Practice“. Western University Electronic Thesis and Dissertation Repository, Nr. 2086, 2014.

Krikortz, E., Triisberg, A., Henriksson, M. (Hrsg.): „Art Workers: Material Conditions and Labour Struggles in Contemporary Art Practice“, Berlin/Helsinki/Stockholm/Tallinn 2015.

Folgefrage:
Wie können Künstlerinnen und Künstler in einer zunehmend polarisierten Welt die Freiheit anderer Kunstschaffender gewährleisten, deren Ansichten sie nicht teilen, während sie den Prinzipien von Gerechtigkeit, Achtung und Antidiskriminierung treu bleiben?

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