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Freiraum zu Zeiten des Coronavirus

Ob es uns gefällt oder nicht, in Zeiten des Coronavirus werden die Telekonferenzen unsere neue Realität sein.

Von Vassiliki Grammatikogianni
 

In diesem Sinne haben Maud Qamar und Aloña Elizalde vom Goethe-Institut Brüssel mit großem Erfolg eine dreitägige Telekonferenz der Partner*innen des Freiraum-Projektes aus verschiedenen europäischen Ländern organisiert, als der Workshop in Rom wegen der Ausbreitung des Virus abgesagt wurde.

Für diejenigen von Ihnen, die sich vielleicht nicht mehr daran erinnern: Freiraum ist ein künstlerisches Programm des Goethe-Instituts, das Europa im Dialog von unten zu beleben versucht. In diesem Rahmen haben sich in 40 europäischen Städten die Goethe-Institute mit Akteuren aus Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammengeschlossen, haben Netzwerke aufgebaut, um den europäischen Perspektivwechsel zu testen, basierend auf der Analyse des Freiheitsbegriffs. In der ersten Phase des Programms haben sich die Städte mit den Problemen und den Besonderheiten der anderen Städte befasst, um das ersehnte Mitgefühl zu entwickeln.

Die Sorgen

Heute tritt Freiraum in seine zweite Phase. Das Programm ist eindeutig stärker geworden, denn was die Politiker*innen nicht verstehen, versteht die empfindliche Natur der Künstler*innen: Νämlich dass wir Menschen denselben Planeten und dieselben Sorgen teilen. Sorgen, die in den Jahren der Krise viel deutlicher wurden und sich durch Autoritarismus, Hass und gegenseitige Beleidigungen ausdrückten. Im Gegensatz dazu untersuchen die Freiraum-Partner*innen diese Sorgen kreativ und drücken sie auch so aus: durch ihre Musik, ihre Texte, ihre künstlerischen Installationen, ihre Aufführungen. Durch den Ideenaustausch und das gegenseitige Verständnis überwinden sie die Stereotype des reichen Norden und des armen Süden, des fleißigen Deutschen und des faulen Griechen, des sauberen Europäers und des schmutzigen Emigranten. Sie überwinden die Entfremdung, die durch die Fremdheit zwischen den europäischen Völkern, den Menschen entsteht, die die Wurzel allen Übels ist, und schaffen das Freiraum-Manifest. Einen Text, der eine Vision der Zukunft präsentiert. Unserer gemeinsamen Zukunft in unserem gemeinsamen Zuhause: Europa.

„Freiraum ist ein Raum für die Freiheit. Ein Raum, in dem man sich sicher, wichtig, akzeptiert, respektiert, aber auch wütend fühlen kann. Doch als Gegenleistung muss man auch dafür sorgen, dass sich die Anderen sicher, wichtig, akzeptiert, respektiert und wütend fühlen können. Freiraum ist ein Raum, in dem die Freiheit, die Demokratie, das Sharing, das Gemeinschaftsgefühl die Ideale sind‟, heißt es im Vorwort des Freiraum-Manifests. Dennoch müssen die Menschen, die Europäer*innen, muss die Gemeinschaft diese Ideale einüben. So wird Freiraum eine Plattform „kreativer Konfrontation und politischer Phantasie‟, sagen die Autorinnen des Manifests, Lydia Chatziiakovou von ArtBOX in Thessaloniki und Iskra Geshoska von der künstlerischen Organisation Kontrapunkt in Skopje.

„Freiraum bringt verschiedene Stimmen – Praktiken, Träume und Visionen – aus möglichst vielen Orten Europas zusammen. Die Kunst für den sozialen Wandel, die Gemeinschaft, das postindustrielle Design,
das informelle Lernen und die Bildung sind nur einige der Strategien, die eingesetzt werden können. Vision von Freiraum ist es, dass es Teil aller Kulturinstitutionen wird, die die Erweiterung ihres Publikums im wahren Sinne des Wortes anstreben. Ein Raum, der Menschen dazu einlädt und ihnen erlaubt, sie selbst zu sein. Nicht auf eine romantische, naive Weise, sondern mit einem realitätsnahen und pragmatischen Konzept.‟

Änderungen in der Gesellschaft

„Freiraum hat als Ziel, die Gesellschaft und die am Programm teilnehmenden Künstler*innen zu stärken. Ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie irgendwohin gehören‟, sagt Christos Savvidis, Gründer und künstlerischer Leiter von ArtBOX. „Freiraum ist ein Aufruf an Künstler und Gesellschaft zur Notwendigkeit, das nicht Existierende existierend zu machen‟, erklären die Freiraum-Partner*innen in ihrem Manifest. Wie viel Wahrheit, wie viel Kraft steckt in diesen zwei Zeilen! Denn seit der Planung unserer Welt haben wir den Menschen weggelassen. Wir haben die Gaben und die Schätze, die jeder Mensch in seinem Kopf und seinem Herzen verbirgt, ignoriert. Wir haben als Gesellschaft, als Staaten, als Europäische Union versagt und dieses Versagen hat sich angehäuft und in Hass verwandelt. Ein Hass zunächst gegen uns selbst und dann den Anderen gegenüber. Den Fremden, den Schwachen.

Freiraum ermuntert uns, das Versagen nicht zu akzeptieren, die Gaben, die wir in uns bergen, nicht anzuzweifeln, sondern zu entwickeln, sie kreativ zu nutzen. Diese Gaben können in unseren Händen der Lehm für die Transformation der Gesellschaft werden. Sie können ein Werkzeug für den Aufbau der Zukunft sein.

„Obwohl wir uns lieber in Rom getroffen hätten, kamen Aloña und ich mit dem Eindruck aus der Telekonferenz, dass wir alle gesehen haben und dass wir Ideen über wichtigen Themen ausgetauscht haben. Wir waren sehr beeindruckt, dass wir sehr fokussiert über die Themen diskutierten und einen guten Schritt vorwärts geschafft haben. Und wir haben noch was dazugelernt: Skype kann auch ein Freiraum sein‟, schrieb am folgenden Tag Maud Qamar in einer E-Mail.

Hier finden Sie den Artikel im Original: Bildunterschriften:
Der Bildschirm im Gebäude des Goethe-Instituts in Brüssel, aus dem Maud Qamar und Aloña Elizalde die Telekonferenz koordinierten.

Die gute Laune und die Phantasie der Künstler lässt nie nach. Von links nach rechts: Elli Chrysidou, Lydia Chatziiakovou und Christos Savvidis (ArtBox Thessaloniki).

Ein Screenshot aus dem Computer von Christos Savvidis (ArtBox Thessaloniki).

Quote:
„Freiraum ist ein Aufruf an Künstler und Gesellschaft zur Notwendigkeit, das nicht Existierende existierend zu machen.‟

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