Interview
Interview mit dem Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert

Wie können wir die Stadt in einen Freiraum für alle verwandeln? Glauben Sie, dass die Segregation für die Zunahme des Faschismus in den europäischen Großstädten verantwortlich ist? Wo beginnt Freiheit und wo endet sie? Leben wir wirklich in einem Europa, wie wir es uns wünschen? Das waren einige der Fragen, die Künstler*innen aus europäischen Städten im Rahmen des FREIRAUM-Projekts zu beantworten versuchten, an dem Goethe-Institute aus 42 europäischen Städten beteiligt sind. In einem Interview in Berlin stellte ich dem Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, Fragen zu diesem Projekt. Hier seine Antworten.

Interview von Vasiliki Grammatikogianni

Vasiliki: Sind Sie nach den bisherigen Rückmeldungen optimistisch, dass wir die Städte des 21. Jahrhunderts neu gestalten und die Werte der Mittelschicht neu bewerten können, um die Freiheit und ein breiteres Demokratieverständnis zu stärken?

Johannes Ebert: Ich denke, das ist eine sehr große politische Herausforderung für die europäischen Städte. Es geht darum, alle Bürger*innen einzubeziehen und ihnen allen ein Gefühl der Sicherheit und sozialen Stärke zu vermitteln. Heute dreht sich in den Städten alles darum, Kredite zu bekommen und Wohnungen zu finden. Doch dies ist keine materialistische Frage, nicht einmal eine soziale Frage, sondern eine Frage des europäischen Geistes. Wie können wir unsere Mitmenschen verstehen? Wie können wir das Gefühl der Zugehörigkeit, das Gefühl, dass wir alle Europäer*innen sind, stärken? Für mich ist dies eine der großen Herausforderungen, der wir uns stellen müssen. Nicht nur die politischen Organisationen, sondern auch die Kulturinstitute müssen daran arbeiten, damit sich ein jeder als Teil Europas fühlen kann. Ich bin optimistisch, aber es muss noch eine Menge Arbeit geleistet werden.

Secretary General Johannes Ebert Foto: Martin Ebert Vasiliki: Glauben Sie, nach Ihren Erfahrungen mit dem Freiraum-Projekt, dass die Vereinigen Staaten Europas realisierbar sind?

Johannes Ebert: Davon sind wir weit entfernt. Ich glaube, dass wir heute in Europa eine verstärkte Zusammenarbeit auf ganz unterschiedlichen Ebenen benötigen. Das Projekt Freiraum hat völlig unterschiedliche Organisationen zusammengebracht, um an der Zukunftsfrage zu arbeiten. Europäische Künstler*innen kamen zusammen und diskutierten bestimmte Werte der Europäischen Union wie Freiheit und Demokratie. Meiner Meinung nach müssen wir diese Diskussion jedoch auf vielen verschiedenen Ebenen führen. Zum Beispiel Menschen, die in normalen Jobs arbeiten, beispielsweise in einer Bäckerei. Sie könnten einen Monat in einem anderen europäischen Land verbringen. Menschen auf verschiedenen Ebenen der europäischen Gesellschaft sollten in einen Austausch miteinander treten, um sich besser kennenzulernen.

Vasiliki: Konnten Sie kreative Antworten auf die Frage der Freiheit finden?

Johannes Ebert: Freiheit ist ein Prozess, und ich denke, dass war die Idee hinter dem Projekt Freiraum. Was bedeutet Freiheit für uns? Was bedeutet Freiheit für die Zukunft? Ich denke, dass wir nie eine endgültige Lösung finden werden, doch der Prozess der Zusammenarbeit ist von grundlegender Bedeutung. Soweit ich es in den Diskussionen sehen kann, war dies ein guter Prozess. Aus dieser Sicht war das Freiraum-Projekt für mich erfolgreich. Dennoch müssen wir weitermachen. Nicht nur das Goethe-Institut, sondern auch andere Institute sollten Projekte zu Formen der europäischen Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen durchführen und sich mit der Frage beschäftigen, wie wir uns ein Europa der Zukunft vorstellen. Freiheit und Demokratie spielen in dieser Diskussion eine sehr wichtige Rolle.

Vasiliki: Vielen Dank, Herr Ebert.