Krakau – Sarajevo Und was ist eigentlich mit den Mädchen? Hört die Gesellschaft die Stimmen junger Frauen?

Auch Polen hat in den letzten Jahren eine Zunahme von Nationalismus und Fundamentalismus erlebt. Frauen werden wieder zunehmend als Mütter gesehen. Studien haben ergeben, dass polnische Mädchen das geringste Selbstbewusstsein in ganz Europa haben. Was Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Betroffene in einem Workshop als ein Hauptproblem identifiziert haben: fehlende Räume für Mädchen, kaum kulturelle Angebote. Krakaus Freiraum-Frage ist eine Anklage an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger.

 


Krakau–Sarajevo
Die Partner des Tandems Sarajevo-Krakau haben sich auf ein filmisches Format geeignet. Auf Krakaus Frage „Wo sind die Mädchen?“ hat die Akademie für Szenische Künste in Sarajevo eine ganz konkrete Antwort gefunden: In dem 20-minütigen Dokumentarfilm Lejla – ein Blick auf die Rolle von Frauen in Bosnien-Herzegowina begleiten die Filmemacher*innen ein Mädchen kurz vor dem Eintritt ins Erwachsenenalter durch den Schulalltag, in der Freizeit und zu Hause. Es wird deutlich, dass Lejla gefangen ist in normativen Bildern von der auf sie zukommenden Doppelrolle in Beruf und Familie. Der Film hat seine Premiere Ende September bei einem feministischen Kongress in Krakau.

Ein studentisches Team der Jagiellonen Universität in Krakau rund um die Soziologin Beata Kowalska hat sich der Frage aus Sarajevo angenommen – „Besteht bei gegenläufigen Freiheitsbegriffen die Möglichkeit eines Kompromisses?“ – und dazu den halbstündigen Film Es gibt keine Freiheit ohne Solidarität gemacht. Die angehenden Soziolog*innen wenden den Blick in die Vergangenheit und interviewen ehemalige Arbeiter*innen aus den metallverarbeitenden Fabriken in Nowa Huta, die dort 1988 gestreikt und für eine politische Wende gekämpft haben. 30 Jahre später fallen die Antworten auf die Frage, was Freiheit damals und heute für diese Protagonist*innen bedeutet(e), sehr unterschiedlich – und sehr bewegend aus. Die Premiere wird Ende November im Beisein der Protagonist*innen in Nowa Huta gefeiert. 

(Stand: September 2018)

Unser Partner

Beata Kowalska ist Soziologin an der Jagiellonian University in Krakau. Sie lehrt feministische Soziologie, Gender Studies, Entwicklungsforschung und Postcolonial Studies. Als Wissenschaftlerin und Aktivistin gegen Diskriminierung hat sie sich mit muslimischem Feminismus und der Situation von Frauen im Mittleren Osten beschäftigt. Sie hatte Lehraufträge an den Universitäten von Cambridge, Wien, Amman und Buffalo u.a.

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