Marseille – Prag Werden unterschiedliche Bevölkerungsschichten weiterhin in der Stadt miteinander in Kontakt kommen?

In der Hafenstadt Marseille wird seit 1994 ein großes Stadtgebiet rund um den Industriehafen saniert. Dieses Stadterneuerungsprojekt, „Euroméditerranée“ genannt, umfasst unter anderem den Bau von fünf Hochhäusern, von denen zwei bereits fertig gestellt sind. Das als Bürogebäude konzipierte Hochhaus „La Marseillaise“ befindet sich gerade im Bau und illustriert deutlich, wie private, kapitalorientierte Interessen sich mit den Interessen der Stadt Marseille vermischen. Kann das im auch im Interesse der Bewohner sein? Oder handelt es sich um pure Gentrifizierung? Dieses Großprojekt lässt zudem die Frage aufkommen, wie und wo verschiedene Bevölkerungsschichten sich in Zukunft im öffentlichen Raum noch begegnen können, was besonders in Marseille wegen seiner geographischen Lage und seiner wenigen öffentlichen Gärten und Plätze virulent ist. 

 



Marseille–Prag
Das Tandem Marseille-Prag hat ebenfalls seine Fragestellung fusioniert. Ausgangspunkt ist das größte Stadterneuerungsprojekt Südeuropas, das Projekt Euroméditerranée in Marseille, und die Frage umkreist die stadtplanerisch gewollte, historisch gewachsene und aktuelle Nutzung von öffentlichem Raum.

Der Projektpartner in Prag, das Institute for Democracy 21 (Ifd21), das sich als Plattform für soziale Innovation versteht und für ein differenzierteres Wahlsystem in Demokratien wirbt, setzt in Marseille seine zukunftsweisenden Wahlalgorithmen ein, um eine kollektive Wunschproduktion zu entwickeln, die zeigt, worauf eine auf mehr Partizipation setzende Stadtplanung hinauslaufen könnte. Für Marseille ist der neu gegründete Verlag Hors d’atteinte dabei, dessen erstes, für Anfang 2019 angekündigtes Verlagsprogramm die Themen Feminismus, Populismus, Nationalismus, Stadtbaupolitik und Umweltskandale streift. Das Tandem hat im Juni in Marseille bereits eine Konferenz zum Thema ‚Partizipation‘ durchgeführt, in deren Rahmen das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im September trafen die beiden Partner erneut in Marseille zusammen und führten eine wissenschaftliche Recherche anhand von Interviews mit Wissenschaftlern, Stadtplanern und Bürgern durch. 
Im November 2018 findet in Marseille ein zweiwöchiger Kurzfilmworkshop statt, der von der Berliner Filmemacherin Eva Stotz geleitet wird. Der Filmworkshop konzentriert sich auf drei ausgewählte Orte Marseilles, die aufgrund ihrer Symbolhaftigkeit in Bezug auf die Entwicklung der städtischen Architektur ausgesucht wurden. Die zwölf Teilnehmer.innen des Filmworkshops haben einen persönlichen Bezug zu einem dieser drei Orte, zum Beispiel arbeiten oder leben sie dort oder sind in deren Umgebung aufgewachsen.

Ziel des Filmworkshops ist, einen Raum für Dialog zu schaffen und eine Ausdrucksmöglichkeit für die Teilnehmenden darzustellen. In den Kurzfilmen, die eine Länge von maximal drei Minuten haben, wird jede/r Teilnehmer/in einzeln porträtiert. Sie werden von persönlichen Begegnungen erzählen, die sich an den drei ausgewählten Orten zugetragen haben und die spezifisch für diese sind. Unterlegt werden diese Erzählungen von Filmaufnahmen, bei denen die Teilnehmenden selbst Regie führen. 

Die Filme werden in Kinos und bei Filmfestivals, in Kunstausstellungen und im Internet präsentiert, die technischen und wissenschaftlichen Ergebnisse auf Konferenzen vorgestellt.  

(Stand: November 2018)

Unser Partner

Der Verlag „Hors d'atteinte“, von Ingrid Balazard und Marie Hermann gegründet, wird seine ersten Bücher Anfang 2019 veröffentlichen. Der Name bezeichnet etwas Subtiles und Gelenkiges, einen Ort, der nicht angegriffen werden kann. Die zwei miteinander zusammenhängenden Buchreihen „Literaturen“ und „Fakten & Ideen“ haben das Ziel, neue Werkzeuge und Analyseraster zu entwickeln, um eine Welt zu verstehen, die sich schnell und tief verwandelt. Einer der Hauptschwerpunkte wird das Thema Feminismus sein, aber es werden auch viele andere Themen untersucht, wie beispielsweise Populismus und Nationalismus, Stadtbaupolitik und große Umweltskandale.
 
  • Eva Stotz und Reda Merad beim Filmdreh in dessen Bar "Le Perroquet Bleu" © Goethe-Institut Marseille
    Eva Stotz und Reda Merad beim Filmdreh in dessen Bar "Le Perroquet Bleu"
  • Lena Birkhold filmt in der Administration des Marché aux puces © Goethe-Institut Marseille
    Lena Birkhold filmt in der Administration des Marché aux puces
  • Interview mit dem Antiquitätenhändler Richard auf dem Marché aux puces © Goethe-Institut Marseille
    Interview mit dem Antiquitätenhändler Richard auf dem Marché aux puces
  • Eva Stotz filmt Trompetenunterricht in der Cité Radieuse © Goethe-Institut Marseille
    Eva Stotz filmt Trompetenunterricht in der Cité Radieuse
  • Interview mit Arthur Guyot, Bewohner der Cité Radieuse © Goethe-Institut Marseille
    Interview mit Arthur Guyot, Bewohner der Cité Radieuse
  • Arthur Guyot und Eva Stotz auf dem Gelände der Cité Radieuse © Goethe-Institut Marseille
    Arthur Guyot und Eva Stotz auf dem Gelände der Cité Radieuse

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