Prag – Marseille Ist eine Stimme genug?

Das Goethe-Institut Prag hat sich mit dem Institut für Demokratie 21 zusammengeschlossen, einem Forschungsstart-up, das neue Wahlalgorithmen für Wahlen in Europa und anderswo aufstellt. Seine Herangehensweise beschreibt das tschechische Start-up in seinem Film als ein „dem demokratischen Burnout durch die spielerische Nutzung mehrerer digitaler Stimmzettel Entgegenwirken“. Sie wollen das Wählen präziser machen, indem sie Wählern mehrere Stimmen geben und ihnen dadurch das Gefühl vermitteln, bessere Entscheidungen durch ein ausgeklügelteres Wahlsystem treffen zu können.

 



Marseille–Prag
Das Tandem Marseille-Prag hat ebenfalls seine Fragestellung fusioniert. Ausgangspunkt ist das größte Stadterneuerungsprojekt Südeuropas, das Projekt Euroméditerranée in Marseille, und die Frage umkreist die stadtplanerisch gewollte, historisch gewachsene und aktuelle Benutzung von öffentlichem Raum.

Der Projektpartner von Prag, das Institute for Democracy 21 (Ifd21), das sich als Plattform für soziale Innovation versteht und für ein differenzierteres Wahlsystem in Demokratien wirbt, setzt in Marseille seine zukunftsweisenden Wahlalgorithmen ein, um eine kollektive Wunschproduktion zu entwickeln, die zeigt, worauf eine auf mehr Partizipation setzende Stadtplanung hinauslaufen könnte. Das Tandem hat im Juni in Marseille bereits eine Konferenz zum Thema ‚Partizipation‘ durchgeführt, in deren Rahmen das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im September treffen die Partner – für Marseille ist der neu gegründete Verlag Hors d’atteinte dabei, dessen erstes, für Anfang 2019 angekündigtes Verlagsprogramm die Themen Feminismus, Populismus, Nationalismus, Stadtbaupolitik und Umweltskandale streift – erneut zusammen. Im Oktober beginnt dann ein gemeinsames Filmprojekt, an dessen Ende eine Art Web-Serie stehen wird: drei Kurzfilme an der Schnittstelle zwischen Kunst- und Dokumentarfilm, die sich mit dem Areal beschäftigen, auf dem Euroméditerranée entstehen wird – einmal aus historischer Sicht, einmal als Blick in die konkrete Gegenwart und einmal als Zukunftsszenario, in dem durchgespielt wird, dass sich ein Flohmarkt auf dem Areal nicht gentrifizieren lässt, sondern von den jetzigen Akteur*innen übernommen und gemanagt wird.

Mitte November findet als letztes Puzzlestück der Zusammenarbeit Marseille-Prag ein partizipativer Workshop statt, inspiriert vom Projekt Labour in a Single Shot der Künstler Harun Farocki und Antje Ehmann. Der Workshop richtet sich an Bürger*innen, die einen Bezug haben zu den in den drei Filmen verhandelten Orten. Mit der Hilfe von Filmregisseurin Eva Stotz drehen die Teilnehmer*innen maximal zwei Minuten lange Kurzfilme zu Themen, die im Workshop diskutiert werden.

Filme und sonstige Resultate des Workshops werden in Kinos und bei Filmfestivals, in Kunstausstellungen und im Internet präsentiert, die technischen und wissenschaftlichen Ergebnisse auf Konferenzen vorgestellt. 

(Stand: Oktober 2018)

Unser Partner

Von einem jungen Mathematiker und Unternehmer gegründet, ist das Institut für Demokratie 21 ein Start-up, das neue Wahlalgorithmen entwirft. Die unabhängige Stiftung bemüht sich die Welt vor neuen Trumps und Brexits zu bewahren, indem sie die Ein-Stimmen-Wahl durch mehr-stimmige, auf Wahlkonsens ausgelegte Methoden ersetzen und die bestehende  politische Teilnahmslosigkeit durch Gamification bei Wahlen außer Kraft setzt.
 
  • Eva Stotz und Reda Merad beim Filmdreh in dessen Bar "Le Perroquet Bleu" © Goethe-Institut Marseille
    Eva Stotz und Reda Merad beim Filmdreh in dessen Bar "Le Perroquet Bleu"
  • Lena Birkhold filmt in der Administration des Marché aux puces © Goethe-Institut Marseille
    Lena Birkhold filmt in der Administration des Marché aux puces
  • Interview mit dem Antiquitätenhändler Richard auf dem Marché aux puces © Goethe-Institut Marseille
    Interview mit dem Antiquitätenhändler Richard auf dem Marché aux puces
  • Eva Stotz filmt Trompetenunterricht in der Cité Radieuse © Goethe-Institut Marseille
    Eva Stotz filmt Trompetenunterricht in der Cité Radieuse
  • Interview mit Arthur Guyot, Bewohner der Cité Radieuse © Goethe-Institut Marseille
    Interview mit Arthur Guyot, Bewohner der Cité Radieuse
  • Arthur Guyot und Eva Stotz auf dem Gelände der Cité Radieuse © Goethe-Institut Marseille
    Arthur Guyot und Eva Stotz auf dem Gelände der Cité Radieuse

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