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Internationales Kooperationsprojekt zum Thema des Freiheitsbegriffs in europäischen Städten

Die Kunstinstallationen des slowenischen Künstlers Boris Beja und des französischen Künstlers Edouard Burgeat (Frankreich) im Tivoli-Park in Ljubljana hinterfragen die Rolle des öffentlichen Raums im Zusammenhang mit der Kunst in europäischen Städten.

Das internationale Projekt FREIRAUM des Netzwerks von Goethe-Instituten und Partnerinstitutionen untersucht die Frage des öffentlichen Raums und den Freiheitsbegriff in europäischen Städten. Es steht für einen multikulturellen Raum und Werte wie Offenheit, Inklusion und Bewegungsfreiheit ein. An dem zweijährigen Projekt wirken mehr als 40 Goethe-Institute mit, und per Losentscheid – dessen einzige Bedingung es war, dass die Städte mindestens 1000 Kilometer voneinander entfernt sein müssen – wurden die Außenstellen in Ljubljana und Paris als Partnerinstitute ausgewählt. Zur Mitarbeit wurden die Künstler Edouard Burgeat und Boris Beja geladen, die sich mit ihrer vielschichtigen Medienpraxis dem Thema Raum sowohl auf formaler als auch inhaltlicher Ebene widmen. Im Dialog mit zwei Kuratoren haben die Künstler im Tivoli-Park Ljubljana ein Projekt entworfen, das – den Regeln der Organisatoren entsprechend – „den Freiheitsbegriff in der Stadt thematisiert“.
„Fresh Pain“, Boris Beja © Boris Beja Die Installation „Jusqu'ici tout va bien“ (so far, so good, 2019) von Edouard Burgeat (Paris, 1988), gebaut aus halbtransparenten Ziegelsteinen aus Harz, stellt auf subtile Weise die Familiengeschichte des französischen Künstlers dar. In den einzelnen Bausteinen sind Fragmente von Briefen und Umschlägen konserviert, die Burgeats französischer Großvater von der Front des Zweiten Weltkriegs an seine Familie schickte. Die Erinnerungen an eine andere Zeit und einen anderen Raum werden in Form einer Mauer festgehalten. Die Dokumente wirken wie eingefroren und bekommen so eine neue Symbolbedeutung.
„‘Jusqu’ici tout va bien“ , Edouard Burgeat © Edouard Burgeat Können Erinnerungen zur Ermahnung werden? Auch Boris Beja (Trbovlje, 1984) ließ sich für seine Serie „Fresh Pain“ (2019), bestehend aus vier großen Holzobjekten, von der Vergangenheit inspirieren. Er greift die Idee der sogenannten Strandkörbe auf, die Ende des 19. Jahrhunderts als mobile Möbelstücke für die Dünen der Nordsee konzipiert wurden. Sie bieten Schutz vor Sonne, Wind und Sand sowie einen intimen Rückzugsort vom restlichen Strandtreiben. Der Charakter des Voyeuristischen, des entspannten Ausschauhaltens und des freizeitlichen Erholens geht jedoch in seiner Installation verloren, denn Beja verwandelt die mobilen Sitzgelegenheiten in eine Art Wachturm. Vorbeigehende können zwar darin Platz nehmen, doch die Aufschriften „ACHTUNG“ auf der Hinter- sowie „FRESH PAIN“ auf der Innenseite der Objekte erzeugen Distanz und Zweifel daran, ob es überhaupt sicher ist, darin zu sitzen und Schutz zu suchen.
„‘Jusqu’ici tout va bien“ , Edouard Burgeat © Edouard Burgeat Wie öffentlich bzw. gemeinschaftlich ist öffentlicher Raum heutzutage überhaupt noch? Wem gehört er?  Wer verwaltet ihn und welchen persönlichen Interessen ist er untergeordnet? Die Frage nach dem öffentlichen Raum sowie dem Raum, der für Kunst zur Verfügung gestellt wird, wurde seit den Neunzigerjahren in Slowenien häufig diskutiert. Zahlreiche Ausstellungen und Fachtagungen nahmen sich der Thematik der Kunst außerhalb von traditionellen Ausstellungsräumen an und hinterfragten die Rolle der Zugänglichkeit (nicht-)künstlerischer Handlungen sowie die Rolle von Mahn- und Denkmälern im öffentlichen Raum. Das Künstler-Kuratoren-Quartett sprach sich eingangs kritisch gegenüber den zentralen Themenfeldern des FREIRAUM-Projekts und ihren „großen Worten“ Freiheit, Gerechtigkeit und Offenheit aus. Sie seien historisch vorbelastet und ihre Bedeutungsoffenheit erschwere deren Definition und Kategorisierung. Dies erhöhe die Anfälligkeit der Begriffe für gefährliche Simplifizierungen, insbesondere in einem gesellschaftspolitischen Kontext: Wie wir anhand des politischen Rechtsrucks in Europa häufig beobachten können, sind die Worte Freiheit, Gerechtigkeit und Offenheit heutzutage immer wieder Ausgangspunkt neuer ideologischer Bewegungen. Im Hinblick darauf wählten die Künstler für ihre Kunstinstallationen zwei ausdrucksstarke Symbole für die physische und mentale Isolation, die staatliche und gesellschaftliche Abgrenzung repräsentieren: Eine Mauer und einen Wachturm.
„‘Jusqu’ici tout va bien“ , Edouard Burgeat © Edouard Burgeat Mit den temporären Kunstinstallationen von Boris Beja und Edouard Burgeat möchte das französisch-slowenische FREIRAUM-Duo bei den Besuchern des Tivoli-Parks in Ljubljana ein - wenn auch nur flüchtiges - Nachdenken über die Inklusion beziehungsweise Exklusion aus dem öffentlichen Raum der Stadt Ljubljana anregen.

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