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Freiraum II - Workshop 2 in Bratislava

Der zweite Freiraum-Workshop fand in Zusammenarbeit mit Milan Zvada (Záhrada, Banská Bystrica) am 20.-22.11.2019 im Goethe-Institut Bratislava statt. Dort trafen sich Freiraum-Partner*innen aus ganz Europa und diskutierten die Themen Meinungs- und Pressefreiheit sowie Bildung.

„Vertiefung von FREIRAUM in Mitteleuropa“

Ein Bericht vom Treffen in Bratislava, 19.-22. November 2019; FREIRAUM Phase II

von Milan Zvadá

Nach dem Treffen in Thessaloniki im Oktober 2019 wurde die zweite Phase des FREIRAUM Projekts vom 19. bis 22. November in Bratislava fortgesetzt. Die Räumlichkeiten des örtlichen Goethe-Instituts in der Panenská-Straße nahe dem historischen Zentrum erinnerten uns an eine große Villa mit vielen Räumen und beherbergen auch ein Café und eine Bibliothek. Ausreichend Platz für gemeinschaftliche und kulturelle Aktivitäten für alle – Besucher*innen, Student*innen, Künstler*innen oder uns.


Das dreitägige Programm setzte sich aus verschiedenen Aktivitäten zusammen, die von Treffen über Präsentationen und Workshops bis hin zu Diskussionen reichten. Zum ersten Mal kamen wir am Mittwoch, dem 20. November, für eine Bilanz der griechischen Kuratorin und Gründerin des ArtBOX-Projekts, Lydia Chatziiakovou, zusammen. Dabei erfuhren wir von den Themen und Aufgaben, die während des letzten Treffens in Thessaloniki im Oktober 2019 besprochen wurden. Nach Kommentaren der externen Evaluatorin von Freiraum Phase I und II, Anke Schad, tauchten wir tiefer in das Thema FREIRAUM ein und dachten über die Erkenntnisse, den Nutzen und die Herausforderungen unserer kollektiven Bemühungen nach, die mal als Netzwerk, mal als Plattform oder Initiative bezeichnet werden. Wir diskutierten Beispiele, in denen Redefreiheit und Demokratie in unseren Ländern verletzt wurden ‑ von der Duldung von Hassreden über Gefängnisstrafen für Aktivisten bis hin zum Umgang mit (politischen) Morden an Journalist*innen in mehr als einem Land in Europa. Als Gegengewicht zum Raum des Widerstands stellten wir auch einige positive Beispiele für Bürgerkampagnen, Aktivitäten und Veranstaltungen vor, die sich auf die Lage in den jeweiligen Ländern auswirken, darunter Bemühungen, Falschnachrichten zu entlarven, Bürger-Organisationen aufzubauen oder Erstwähler*innen die Grundlagen der parlamentarischen Demokratie zu vermitteln.

Nach diesem Austausch von Erkenntnissen wurde bald klar, dass eine für den Mittwochnachmittag vorgesehene Aufgabe ‑ die Arbeit an einem Freiraum-Manifest, wie zuvor in Thessaloniki vereinbart ‑ nicht vollständig erfüllt werden konnte. Eine Stunde reichte nicht aus, um die Aufgaben in Sätze zu fassen, die wir der Öffentlichkeit vermitteln wollten. Zahlreiche Schriftstücke und Beiträge der Partner*innen wurden jedoch in einem gemeinsamen Dokument zusammengefasst. Auf diese Weise können einige von uns später an dem Manifest arbeiten, es verfeinern und sich auf eine endgültige Fassung für unser nächstes Treffen in Rom im März 2020 einigen. Das Manifest wird als Ausgangspunkt für die weitere Zusammenarbeit und als Engagement für das Projekt angesehen und kann hoffentlich unsere Gedanken und unser Vorgehen leiten, wenn es darum geht, wie wir uns im Freiraum der Dekolonialisierung unseres räumlichen und mentalen Umfelds („(environ)mental decolonialisation“), der gesellschaftlichen Befreiung, des künstlerischen Ausdrucks und der zivilen Verantwortung bewegen können.

Der zweite Tag war dem Austausch über Arbeitsmethoden im Kampf gegen Vorurteile und Radikalisierung bei Jugendlichen sowie über unsere eigenen Erfahrungen, unsere inneren Motivationen und persönlichen Ansichten in den Bereichen Freiheit und Menschlichkeit gewidmet. Zuzana Szabóová, Ausbilderin des Zentrums für Gemeinschaftsorganisation mit Sitz im slowakischen Banská Bystrica, vermittelte uns einen Einblick in ihre Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit Student*innen und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren. Sie präsentierte uns praktische Beispiele und Übungen, die Teil des Projekts „Schulen für Demokratie“ sind, das in diesem Jahr in 32 Grund- und Sekundarschulen in der Region Banská Bystrica durchgeführt wird. Ziel des Projekts ist es, die Teilnehmer*innen mit Hilfe nicht formaler Bildungsmethoden zu verschiedenen Themen zu informieren, ihr kritisches Denken zu fördern und das Bürgerbewusstsein zu stärken. Es hat sich gezeigt, dass sich innerhalb eines Jahres die Einstellung junger Menschen zu bestimmten Themen (z. B. Minderheitenrechte, Migration, Extremismus usw.) ändern kann. Sie gewinnen an Wissen und persönlichen Erfahrungen durch die Konfrontation mit Fakten, Zusammenhängen und realen Personen, beispielsweise in der Human Library als einem besonderen Format des Geschichtenerzählens.

Bei einem Nachmittagsspaziergang im Zentrum von Bratislava durfte eine Aufklärung über wichtige historische Ereignisse nicht fehlen. Dazu gehörten der Slowakische Nationalaufstand ‑ eine antifaschistische Bürgerbewegung, die 1944 gebildet und niedergeschlagen wurde ‑ und der Tag des 17. November 1989, an dem der Kommunismus in der Tschechoslowakei zu Fall gebracht wurde. So kann man in fast jeder Stadt und jedem Dorf in der Slowakei einen Platz oder eine Straße finden, die diese Namen tragen. In der Tat ist die Frage der Geschichte und ihrer Aneignung durch verschiedene öffentliche Behörden und Politiker*innen heutzutage sehr relevant. Verschiedene Erscheinungsformen verkappter totalitärer Praktiken, die von Propaganda, Ultranationalismus und der Zunahme von Fremdenfeindlichkeit begleitet werden, scheinen den öffentlichen Raum in ganz Europa und der Welt gleichermaßen zu besetzen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, auch die Fragen der historischen Versöhnung und der Lehren aus der Vergangenheit anzusprechen, was am besten in einem Zitat von Ján Langoš, Gründer des Slowakischen Instituts für nationales Gedenken, zum Ausdruck kommt: „Wer sich nicht an die eigene Vergangenheit erinnert, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.“

Um eine weitere selbstverschuldete historische Katastrophe zu verhindern, müssen wir unsere Arbeit natürlich in vielen Bereichen auf ziviler, künstlerischer, sozialer, politischer, interkultureller und vor allem persönlicher Ebene fortsetzen. Nur durch Selbstreflexion, geteiltes Wissen und persönliche Erfahrungen können wir wachsen und sowohl intern als auch international neue Ziele für die Entwicklung des Freiraum-Projekts als Individuen und Fachleute in unseren Bereichen setzen. All diese Erkenntnisse wurden in einem Workshop mit dem Theaterregisseur und Gemeindearbeiter Patrik Krebs bestätigt, der seit langem mit Menschen aus marginalisierten und unterprivilegierten Gruppen (z. B. Obdachlose, Sexarbeiter*innen, Drogenkonsument*innen) arbeitet. Unter seiner Leitung verbrachten wir ‑ die privilegierten Freiraum Teilnehmer*innen ‑ drei Stunden in einem Theaterstudio und umkreisten wichtige Fragen, als ob wir „für das Leben probten“. In einer Reihe spielerischer Übungen konnten wir verschiedene Erfahrungen in Bezug auf die Meilensteine des Projekts, unsere eigene Position darin und unsere Definition von Freiheit machen und ein Gefühl der Solidarität und Neugierde entwickeln, das uns miteinander verbindet. Obwohl es zunächst seltsam erschien, aus unseren Komfortzonen herauszutreten. Normalerweise fühlen wir uns auf der Diskussionsseite sicherer. Der Workshop erwies sich als wichtige Lektion darüber, wie man Gefühle und Einsichten, die eher aus der subjektiven Tiefe als aus der objektiven Realität kommen, miteinander teilen kann.

Bildergalerie des Workshops

  • Gruppenbild Workshop Bratislava © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Freiraum-Partner*innen bei dem zweiten Workshop in Bratislava in Zusammenarbeit mit Milan Zvada (Záhrada, Banská Bystrica) am 20.-22.11.2019
  • Workshop Bratislava 1 © Lydia Chatziiakovou ArtBOX
    Zuzana Szaboova präsentiert das Projekt Schools for Democracy
  • Workshop Bratislava 2 © Lydia Chatziiakovou ArtBOX
    Ondřej Timčo (H21, Prag) erklärt uns das Evaluationssystem mit Punkten
  • Workshop Bratislava 3 © Goethe-Institut / Foto: Maud Quamar
    das Goethe-Institut Bratislava
  • Workshop Bratislava 4 © Goethe-Institut / Foto: Maud Quamar
    Workshop im Theater with no home mit Patrik Krebs
  • Workshop Bratislava 5 © Goethe-Institut / Foto: Maud Quamar
    Die mobile Bühne in der Bibliothek des Goethe-Instituts
  • Workshop Bratislava 6 © Goethe-Institut / Foto: Maud Quamar
    Diskussionsrunde über Presse- und Meinungsfreiheit, Moderation: Michal Hvorecky
  • Workshop Bratislava 7 © Goethe-Institut / Foto: Maud Quamar
    Diskussionsrunde über Presse- und Meinungsfreiheit, Moderation: Michal Hvorecky
  • Workshop Bratislava 8 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Präsentation des Projektes Schools for Democracy
  • Workshop Bratislava 9 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Präsentation des Projektes Schools for Democracy
  • Workshop Bratislava 10 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Menschliche Bibliothek
  • Workshop Bratislava 11 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Menschliche Bibliothek
  • Workshop Bratislava 12 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Präsentationsrunde im Theater with no home
  • Workshop Bratislava 13 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Präsentationsrunde im Theater with no home
  • Workshop Bratislava 14 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Workshop im Theater with no home mit Patrik Krebs
  • Workshop Bratislava 15 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Patrik Krebs und Edouard Burgeat (Künstler, Paris) im Theater with no home
  • Workshop Bratislava 16 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Alonia Elizalde (Goethe-Institut Brüssel) und Ivano Casalegno (YEPP Turin) im Theater with no home
  • Workshop Bratislava 17 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Lara Facondi (daSud, Rom) im Theater with no home
  • Workshop Bratislava 18 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Anke Schad (Evaluatorin, Wien) und Lydia Chatziiakovou (artBOX.gr, Thessaloniki) im Theater with no home
  • Workshop Bratislava 19 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Edit Pula (Künstlerin, Tirana) und Jelena Joksimovic (Škograd, Belgrad) im Theater with no home
  • Workshop Bratislava 20 © Goethe-Institut / Foto: Boris Németh
    Daniel McFarlane (Trinity Access, Dublin) und Milan Zvada (Záhrada, Banská Bystrica) im Theater with no home
Der zweite Tag endete mit einem der Höhepunkte des Programms, das im Rahmen des Freiraum-Treffens in Bratislava organisiert wurde. Auf Einladung des Goethe-Instituts kamen mit der Journalistin Monika Tódová (SK) und dem Journalisten Johan Fedders (GER) zwei Ehrengäste zu einer öffentlichen Diskussion. Als Moderator steuerte der bekannte slowakische Schriftsteller, Übersetzer und Leiter der Bibliothek des Goethe-Instituts, Michal Hvorecký, den Gedankenfluss rund um das Thema Meinungsfreiheit in Deutschland und der Slowakei. Die Debatte bot eine wertvolle Quelle an Hintergrundinformationen und Überlegungen zur Rechtsprechung, Pressefreiheit und Demokratie in unseren beiden Ländern. Die Zunahme von politischem Rechtsextremismus, Antisemitismus, Hassreden gegenüber Minderheiten, Populismus, Bürgerprotesten und sogar Morden an Journalist*innen fand die größte Resonanz.

Fast zwei Jahre ist es her, dass sich in der Slowakei ein tödlicher Angriff auf die Redefreiheit ereignete. Dabei kamen der junge Investigativjournalist Jan Kuciak und versehentlich auch seine Verlobte Martina Kušnírová ums Leben. Derzeit findet ein öffentlicher Prozess gegen vier Beschuldigte statt, ein fünfter wurde als Mittelsmann bereits zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt. In solchen Momenten zeigen sich die Stärken und Schwächen der liberalen Demokratie. Für die Einhaltung ihrer Grundsätze spielen die Zivilgesellschaft und die Journalist*innen in der Tat eine wichtige Rolle, indem sie der Welt, die größer ist als wir, Hoffnung und mehr Klarheit bringen. Aus historischer Sicht war dies sicherlich ein Wendepunkt, der die Slowakei in die Zeit vor und nach dem Mord trennt, was auch für die Situation des Journalismus und der Pressefreiheit gilt.

Man kann sich fragen: Warum ist es wichtig, dies zu wissen? Was können wir tatsächlich dagegen tun? Am letzten Tag in Bratislava wurde die Diskussion durch weitere Fragen angeheizt. Es war notwendig, Prioritäten zu setzen. Mit Blick auf das Manifest haben wir beschlossen, uns im März in Rom wieder zu treffen, da wir glauben, dass persönliche Treffen unersetzlich sind. Wir möchten den Schwung beibehalten. Es sieht so aus, als ob der Strudel der Ereignisse uns zu einer Gemeinschaft gemacht hat, die vom Geist des Freiraums bestimmt wird, den es zu kultivieren und nicht zu erobern gilt.
 


Programm

Partners: Milan Zvada (Zahrada), Goethe-Institut Bratislava
All events held in English.

Tuesday 19 November 2019:
 
LOCATION TIME ACTIVITY PARTICPIANTS
Falkensteiner Hotel   Arrival in Vienna / Bratislava (19.11. or 20.11.), check-in hotel Freiraum-network
City Center 8:00 pm Meet and greet, informal dinner in the city centre of Bratislava  

Wednesday 20 November 2019:
Goethe-Institut Bratislava

 
LOCATION TIME ACTIVITY PARTICPIANTS
Goethe-Institut Bratislava 12:00 am – 1:00 pm Get-together, recap workshop Thessaloniki by Lydia Chatziiakovou (ArtBOX)
Report about Thessaloniki by Anke Schad, external evaluator “Freiraum”
Screening of the video on the workshop in Thessaloniki
Freiraum-network
  1:00 – 2:00 pm Lunch break  
  2:00 – 3:00 pm Manifesto
Working session on the Freiraum Manifesto
 
  3:00 – 4:00 pm Opening session by Milan Zvada
a) a report on the situation in Slovakia
b) a presentation on  “The Role of Arts and Satire in Civic society - The Case of Slovakia”
 
  4:00 – 4:30 pm Coffee break  
  4:30 – 6:00 pm Discussion : freedom of speech and opinion
Inputs partner
 
  8:00 pm Dinner in a restaurant (tbc: cultural offer in Bratislava? Film screening?)  

Thursday 21 November 2019:
Goethe-Institut Bratislava

 
LOCATION TIME ACTIVITY PARTICPIANTS
Goethe-Institut Bratislava 9:30 – 12:00 am Zuzana Szaboova on Schools for Democracy Project: presentation + a case study + Q&A sessions Freiraum-network
  12:00 am – 1:00 pm Lunch break  
  1:00 – 2:00 pm Art Walk through Bratislava  
Theater with no home 2:00 – 5:00 pm Training session by Patrik Krebs – intercultural training  
  6:00 pm Public Event :
Journalists from Germany and Slovakia on Freedom of press and expression:
Monika Todova and Jonas Fedders, Moderation: Michal Hvorecky
Open to the public
 

Friday 22 November 2019:
Goethe-Instiut Bratislava

 
LOCATION TIME ACTIVITY PARTICPIANTS
Goethe-Institut Bratislava 9:30 am – 11:00 pm Discussion: global education
Inputs partners
Freiraum-network
  11:00 – 12:00 am Focus group with Anke Schad, external evaluator “Freiraum”  
  12:00 am – 1:00 pm Lunch break  
  1:00 – 3:30 pm Closing session
Conclusion, Next steps, Ideas for next workshop
 
  3:30 - 4:00 pm Coffee break and departure  

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