Kurzgeschichten zur postkolonialen Weltordnung Ende des Traums

Anthologie „Ende des Traums“
Anthologie „Ende des Traums“ | © Goethe-Institut

Die Themen sind vielfältig, die Erfahrungen der Protagonist*innen jedoch vergleichbar: Zeitgenössische Autor*innen aus Afrika und Südamerika schreiben über die Auswirkungen des Kolonialismus auf ihre Länder, Gesellschaften, Kulturen, Religionen und politischen Systeme.

Von Eliphas Nyamogo

Mit bewaffnetem Widerstand als natürliche Reaktion auf koloniale Herrschaft beschäftigen sich Ubah Cristina Farah in Die Häuser des Mondes und José Mendonça in Platz der Unabhängigkeit. Beide Geschichten thematisieren wirtschaftliche und geschlechtsspezifische Ungleichheiten in Somalia und Angola sowie die Enttäuschung über nicht eingehaltene Versprechen aus den Unabhängigkeitskämpfen. Einer der Protagonisten in Platz der Unabhängigkeit beklagt: „Der Traum von der Demokratie (…) ist ausgeträumt.“ Eine Aussage, die heute aus jeder der ehemaligen Kolonien stammen könnte.

Wie diese Länder weiterhin mit Gewalt und Instabilität zu kämpfen haben, die aus der ungleichen Verteilung von Ressourcen und Chancen resultieren, erzählen Luis Noriega in Der Streifen und Cidinha da Silva in Thriller. Dort geht es auch um die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich und die ungünstigen bilateralen Beziehungen zwischen den ehemaligen Kolonien und die Kolonialmächte, die zu einer neuen Form des Kolonialismus geführt haben – dem Neokolonialismus.

Ein weiteres Motiv der Erzählungen ist die Interaktion zwischen westlichen und indigenen Kulturen: Während in einigen Fällen einheimische und fremde kulturelle Praktiken in denselben Gemeinschaften koexistierten, sind andernorts die einheimischen Kulturen entweder von den Kolonialherren vollständig unterdrückt oder von den Missionaren als sündig, abstoßend und unmoralisch abgestempelt worden. Dies führte zu einer Identitätskrise, die in den Erzählungen reflektiert wird, so in Der Gott des Alten Testaments von Panashe Chigumadzi und in Träume und sortierte Albträume von Abubakar Ibrahim. Eine Geschichte über Verrat, Rache und den Mut, kulturelle Grenzen in einer afrikanischen Metropole zu überschreiten, erzählt Zukiswa Wanner in Der blaue BH auf der Samsonite-Tasche.
 
Kurzgeschichten zur postkolonialen Weltordnung Goethe-Institut Die Anthologie „Ende des Traums“ können Sie hier als PDF downloaden.




Auf der Website Latitude finden Sie diese Kurzgeschichten in der Rubrik „Diskurse“ und können dort sämtliche Kurzgeschichten auch als Audio abrufen.