Decolonise Your Space Travel Wie kolonial ist eine Reise zum Mond?

How colonial is space flight?
Foto: picture alliance/Vladimir Akimov/dpa

Wer chattet?

Tiago Sant’Ana (bildender Künstler), Aldeide Delgado (Kuratorin) und Tomas Hrozensky (Weltraumforscher) diskutieren mit Euch, wie kolonial die Motive und Missionen der Raumfahrt sind – und auf welche Zukunft wir zusteuern.

Konzept und weitere Autor*innen: Regine Hader, Dr. Elisa Jochum

 
Auf WhatsApp und Telegram endet #DecoloniseYourLife am 7.12.2019. Hier könnt Ihr weiterhin alle Chats verfolgen und mitdiskutieren.
 
  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Diesen Juli legte die NASA einen ambitionierten Vorschlag zur „Kolonisierung des Mondes“ vor. Nach Plänen der Agentur soll der Mond als „Hauptquartier“ für die Koordinierung von Mars-Missionen dienen. Diese geplante Kolonisierung erfordert die ständige Präsenz von Menschen und Robotern auf dem Mond. Was haltet Ihr aus politischer und historischer Sicht von diesem Vorhaben? Legt die Verwendung des Begriffes „Kolonisierung“ in diesem Zusammenhang nahe, dass wir es auch in Zukunft mit Herrschaftsprozessen zu tun haben? Wie sollen wir die Konnotationen des Konzept der Kolonisierung des Weltalls problematisieren – und mit ihnen umgehen?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Ich weiß, dass es das Thema unserer heutigen Debatte ist, aber der Begriff „Kolonisierung“ überzeugt mich nicht wirklich. Warum verwenden wir stattdessen nicht den Begriff „Besiedlung“, der scheinbar in einigen anderen Teilen der internationalen Raumfahrt-Community bevorzugt wird.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Die Sache ist die: Sie selbst sprechen von „Kolonisierung“.

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Die NASA verwendet den Begriff „Kolonisierung“ in ihren Veröffentlichungen.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ja! Allerdings hat die Wortwahl in der Tat für Diskussionen gesorgt! Der Wissenschaftsautor Ryan F. Mandelbaum schreibt im November 2018: “Kolonisierung hat auf unserem eigenen Planeten zu Genozid und der Vertreibung von Kulturen und Völkern, wirtschaftlicher Ungleichheit und Umweltzerstörung geführt. Welche Lehren können wir für unsere interplanetarische Zukunft aus den kolonialistischen Tragödien ziehen?“ 

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Wird der Begriff weltweit verwendet? Ich glaube nicht.

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Der Begriff „Kolonisierung“ taucht seit 2009 in NASA-Veröffentlichungen auf:
    https://www.nasa.gov/stem-ed-resources/hep-lunar.html

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Vielleicht handelt es sich bei der Verwendung dieses Begriffs für die künftige Präsenz von Menschen im Weltraum um ein Wortspiel. Was meint Ihr?

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ich glaube nicht, dass es ein Wortspiel ist. Es gibt viele Menschen, denen die Auswirkungen der Kolonisierung auf zahlreiche Länder immer noch nicht bewusst sind. Es ist jedoch wichtig zu sehen, wie verschiedene Bereiche – wie etwa  Literatur, Künste und Wissenschaft – diese hinterfragen.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Insgesamt fällt mir auf, dass von der Weltraumforschung nach wie vor eine sehr große Anziehungskraft ausgeht, was einem weltweiten Trend entspricht. Dies lässt sich im öffentlichen Sektor und, was im Vergleich zum ehemaligen Wettlauf ins All neu ist, auch im privaten Sektor beobachten – schaut Euch Firmen wie SpaceX oder Blue Origin an, die das Weltall erforschen möchten. 

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Bei dem Gedanken den Mond zu kolonialisieren, muss ich sofort daran denken, wie die heutigen USA von den Europäern „entdeckt“ wurden. Die ersten, die dort ankamen, haben das Land buchstäblich unter sich aufgeteilt. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Wettlauf nicht unter gleichen Bedingungen stattfindet, weil der globale Norden – vor allem „fortschrittlichere“ Länder – stark in die Raumfahrtwissenschaft investiert, während andere Länder bei Investitionen ihre Priorität wegen Bedürfnissen im eigenen Land auf andere Wissenschaftsbereiche legen müssen.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Für mich persönlich klingen die beide Vorhaben, die Du im ersten Satz beschreibst, ähnlich.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Natürlich tun sie das. Ich empfehle die Lektüre dieser Unterhaltung: “Decolonizing Mars: Are We Thinking about Space Exploration All Wrong?”.
    https://gizmodo.com/decolonizing-mars-are-we-thinking-about-space-explorat-1830348568

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Ich finde es merkwürdig, dass für das NASA -Projekt der Begriff der „künftigen Kolonisierung“ verwendet wird, weil wir die Folgen der Kolonisierung bereits kennen. Fallen Euch andere Begriffe ein, die wir verwenden könnten?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Es gibt noch andere Vorschläge für Missionen zum Mond und Mars. Denken wir nur an die Idee einer internationalen, gemeinsamen „Mondstadt“ – zu der sich der Direktor der Europäischen Raumfahrtagentur lautstark geäußert hat.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    In Anlehnung an die dekoloniale Perspektive, die die Astronomin Lucianne Walkowicz verfechtet, lehne ich Begriffe wie „Entdeckung“, „Entwicklungs-“ und sogar „Besiedeln“ ab und spreche stattdessen von „Raumfahrt“ und „Menschen, die auf dem Mars leben“. Walkowicz bezieht sich auf Carl Sagans Konzept der „space cities“, das diversere Vorstellungen zulässt. Jedenfalls … auch wenn dieser ganze Gedanke der Kolonisierung Teil eines Marketingkonzeptes ist, müssen wir uns problemorientiert damit auseinandersetzen. Wer kann an dieser Reise teilnehmen und wer ist davon ausgeschlossen?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Auch wenn sie die internationale Zusammenarbeit begrüßt haben, war die US-Raumfahrtpolitik  immer vom Gedanken der Herrschaft oder Dominanz geprägt. 

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Ich denke, bei dem Konzept der „Pionierarbeit“ in Kolonisierungsprozessen geht es vor allem darum, das Image einer Weltmacht aufzubauen.
    Das erinnert mich natürlich an die koloniale Vergangenheit, denn die Begeisterung, mit der die Europäer die Seefahrt nach Übersee im 15. und 16. Jahrhundert betrieben, weist auffallende Ähnlichkeiten zum derzeitigen Plan der Mondkolonisierung auf. In der Vergangenheit spielte Europa die Hauptrolle; heute übernehmen die USA die Führung. Dieser Bezug zur Vergangenheit geht mir nicht aus dem Sinn.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Das stimmt natürlich. Dennoch glaube ich, dass es in der Weltraumforschung nie anders gewesen ist. Der ursprüngliche Wettstreit in der Raumfahrt zwischen den USA und der UdSSR wurde tatsächlich als Wettlauf ins All bezeichnet, weil es dabei vor allem auch um internationales Prestige ging.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    @Tomas: Ja!
    In unserem Chat möchte ich einige der Konfliktpunkte, die sich aus diesem Thema ergeben, ausführlicher erörtern, aber auch darauf eingehen, welche Möglichkeiten sich damit für unsere Zukunft eröffnen.
    Wir kennen den historischen Stellenwert von Prestige, doch die Frage ist, ob wir es derzeit mit einem Diskurswechsel zu tun haben. Die Artemis-Mission trägt ihren Namen auch wegen der Beteiligung von Frauen an diesem Vorhaben.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Im Raumfahrtsektor beobachte ich starke Impulse in Richtung Gleichstellung, und ich sehe diese Titelwahl als wichtigen Fortschritt.

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Denkt Ihr, dass an dieser Stelle ein Denkprozess über „otherness“, also das Andersartige, einsetzt?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Eignet sich der Aspekt der Andersartigkeit nicht besser dafür, über außerirdische Lebensformen nachzudenken, auf die wir bisher noch nicht gestoßen sind?
    Ich kenne mich nicht gut damit aus und kann mir nur schwer eine eigene Meinung dazu bilden.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Du hast einen interessanten Punkt angesprochen: den „wissenschaftlichen Fortschritt“. Wie viele schreckliche Dinge geschehen im Dienste des wissenschaftlichen Fortschritts? Können wir diese Verbindung  auflösen?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Ja, meiner Meinung nach können wir das. In diesem besonderen Fall weisen die derzeit geplanten und bereits verfolgten Maßnahmen in eine gute Richtung – hin zu einer nachhaltigen und ehrgeizigeren Erforschung des Weltraums. Aktuell kann ich nichts Gravierendes und Schädliches ausmachen, das die Faszination der Menschen für die Weltraumforschung mindern könnte.

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Ich stimme dir voll und ganz zu. Es gab Zeiten, da musste die Wissenschaft als Vorwand für den Rassismus herhalten. Doch in diesem Fall stelle ich mir eher die Frage: Müssen wir den Begriff „Mondkolonisierung“ problematisieren oder müssen wir über alternative Wege nachdenken, einer solchen Mission durchzuführen?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Das sind zwei unterschiedliche Fragen – bei der einen geht es um die Bezeichnung, bei der anderen um die Vorgehensweise. Die Bezeichnung ist möglicherweise nicht ideal, um die Unterstützung aller Beteiligten zu sichern. Die vorgeschlagenen Maßnahmen selbst sind meines Erachtens akzeptabel.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ihr beide seid zu schnell für mich. Hahaha.
    Ich denke noch über eine Antwort nach.

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Hahaha.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    : ) : )

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Kein Problem, Aldeide. :)

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    In der Zwischenzeit möchte ich einen weiteren Gedanken in die Runde werfen, mit dem wir uns beschäftigen können oder auch nicht.
    Hinter bestimmten Raumfahrtmissionen steckt mit Sicherheit ein starkes politisches Motiv. Nicht nur auf Seiten der USA; das chinesische Mondprogramm ist ebenfalls in vollem Gange. Im Falle der USA lässt sich meines Erachtens eine Verbindung zwischen der geplanten Mondlandung im Jahre 2024 und der aktuellen politischen Lage im Land herstellen.

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Ich stelle meine Frage einmal anders: Was ist problematisch an der „Mondkolonisierung“, der Begriff oder die Mission?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Ich denke, es ist die Mission.
    Was die verstärkten Bemühungen um mehr Vielfalt im Raumfahrtsektor angeht – dieses Konzept unterstütze ich ausdrücklich.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ich habe über die Gefahren der Kontaminierung gelesen, die mit diesem „wissenschaftlichen Fortschritt“ verbunden sein können.
    https://www.vice.com/en_us/article/gy83wx/elon-musk-bacteria-contamination-spacex-tesla-panspermia
    Allerdings erlauben Mondmissionen es wiederum anderen, Satelliten zu bauen, die Kraftwerke auf der Erde ergänzen  oder sie gar ersetzen könnten. Ebenso machen es solche Missionen möglich, Produkte herzustellen, die wir innerhalb der Erdatmosphäre und ihrer Anziehungskraft gar nicht erzeugen können.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Tatsächlich geht es dabei um eine rechtliche Frage, denn nach dem Völkerrecht sind schädliche Verunreinigungen von Himmelskörpern mit terrestrischem Material und umgekehrt verboten.
    Und das ist für die Zukunft von entscheidender Bedeutung.

    Eigentlich wollte ich auf die Komplexität hinweisen, die das Thema der Kolonisierung/Erkundung/Besiedlung von Planeten für alle, die in diesem Bereich arbeiten, bekommt, wenn es zu einem der zentralen gesellschaftlichen Themen wird. Meines Erachtens gibt es vier große, herausfordernde Themenblöcke:
    1. Rechtliche und ethische Aspekte – mit der Besiedlung von Planeten sind zahlreiche rechtliche und ethische Fragestellungen verbunden.
    2. Prestige und Politik – wie kann man aus politischem Verhalten auf Erden auf die Weltraumerkundung schließen?
    3. Wirtschaft und Handel – können wir in diesem Bereich wirtschaftliche Chancen erschließen, wie wir es innerhalb der niedrigen Erdumlaufbahn bereits tun, mithilfe einer verstärkten Verwendung kleiner Satelliten und großer Satellitenkonstellationen sowie deren Nutzung unten auf der Erde (im Transport, der Meteorologie, Landwirtschaft, usw.)?
    4. Nachhaltigkeit – wie können wir langfristig ausgelegte Maßnahmen unter ökologischen Gesichtspunkten und angesichts der verfügbaren Ressourcen nachhaltig gestalten?

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Welche Folgen sind mit einer derartigen Mission auf politischer und menschlicher Ebene verbunden? Wie können wir aufstrebende Länder an dieser Diskussion beteiligen?
    Mir ist bewusst, dass die Frage ziemlich grundsätzlich ist. Haha.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Zur zweiten Frage denke ich, dass kleine Staaten und aufstrebende Länder proaktiv handeln müssen. Sie müssen sich den „Großen“ als verlässliche Partner präsentieren. Sie können sich selbst im Bereich Weltraum engagieren … doch in der Weltraumforschung, die enorme Ressourcen voraussetzt, sind kleine Staaten auf die internationale Zusammenarbeit angewiesen.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Wenn wir über Wissenschaft sprechen, dürfen wir die grundsätzliche Bedeutung der Technologie für dieses Vorhaben nicht vergessen. Außerdem stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Technologie auf unsere Zukunft im Weltraum haben wird?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Wie wäre es für den Anfang mit einer Senkung der Kosten? :)

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Beispielsweise geht es um den Prozess der „Cyborgisierung“, also um den Einsatzvon Technik, um unsere Körper und Gehirne an das Leben im Weltall anzupassen und sie zu stärken.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Ich denke auch, dass wir es hier mit einem Problembereich zu tun haben, doch meines Erachtens sind wir noch nicht wirklich am Ziel angelangt. Das macht es noch schwerer, die Frage aus technologischer oder rechtlicher Sicht vollständig zu erfassen.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Mein künstlerischer Fokus erlaubt es mir, nach Vorschlägen zu suchen, die über diese Möglichkeiten spekulieren. Habt Ihr gesehen, wie vor einigen Monaten ein Tesla in den Weltraum gestartet ist?
    https://youtu.be/qk6qxprCuGY

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Das war mit Sicherheit eine großartige PR-Strategie, doch leider sind mir keine weiteren Einzelheiten bekannt.
    Ich möchte Euch an dieser Stelle folgende Frage stellen: Gibt es für Euch beide weitere Aspekte der Weltraumforschung, die Ihr problematisch findet? Zum Beispiel die aktuelle Diskussion, ob die Erkundung des Weltraums durch Roboter oder besser durch Menschen erfolgen soll...
    Es lässt sich schwer sagen, ob es sich um ein Nullsummenspiel handelt, aber die Beschäftigung damit lohnt sich, um die Vorteile/Nachteile der beiden Ansätze herauszufinden.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Für mich gibt es da keine Probleme. Die Frage ist, wer an dieser „Erkundung“ beteiligt wird. Sind auch Schwarze oder indigene Menschen repräsentiert?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Ganz offensichtlich sind viele afrikanische Staaten damit beschäftigt, ihre Weltraumpräsenz deutlich auszubauen. Die regionale – afrikanische – Weltraumagentur nimmt Form an (mit Sitz in Ägypten) ... Und einige Länder entsenden bereits erste Satelliten...

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    In dieser Hinsicht kann ich mich sehr gut mit der Praxis des Afrofuturismus und des Indigenen Futurismus in der Kunst identifizieren. Zum Beispiel treffen im Afrofuturismus „Race“ und Technologie aufeinander, um die Zukunft zu visualisieren. Künstler*innen stellen Cyborgs, Roboter und Außerirdische dar, um alternative Identitäten zu diskutieren, während sie sich gleichermaßen bewohnbare Räume im Kosmos vorstellen – wie es das Bild Keeping the Culture des herausragenden Künstlers Kerry James Marshall tut. Ein anderes Werk, auf das ich verweisen möchte, ist Autonomous InterGalactic Space Program des Künstlers Rigo 23, welches im Queens Museum in New York im Rahmen der Ausstellung Mundos Alternos: Art and Science Fiction in the Americas zu sehen war. 
    https://youtu.be/41frLHapLJg

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Ich sehe kein generelles Problem in der Weltraumerforschung. Für mich ist der springende Punkt, dass eben nur ein Teil der Welt diese Errungenschaft feiern wird. Vergessen wir nicht, dass die meisten Staaten nicht in Weltraummissionen investieren oder darüber diskutieren. Ich frage mich die ganze Zeit, wie wir mehr Menschen Zugang zu diesem Thema verschaffen können. Und auch, wie wir uns dem Thema unter ökologischen Gesichtspunkten nähern können.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    @Aldeide: Da ich mich mit solchen Statistiken nicht beschäftige, kann ich dir keine Antwort darauf geben.

    @Tiago: Dein letzter Kommentar ist spannend! Tatsächlich gewinnen ökologische Konzepte in der Raumfahrt-Community an Bedeutung – dabei geht es vor allem um Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn und die Frage, wie wir eine (beispielsweise sozio-ökonomisch nützliche) nachhaltige Nutzung des Weltraums sicherstellen können.

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Letzten Endes geht es, zumindest für mich, bei der geplanten Marsmission im Jahre 2030 eigentlich um die Probleme, mit denen wir derzeit auf der Erde konfrontiert sind.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    @Aldeide, könntest Du das bitte näher erläutern? Hast Du bestimmte Probleme im Sinn, die im Zusammenhang mit Weltraumaktivitäten auftreten könnten?

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ja, wir haben diese Ansätze gewissermaßen bereits angesprochen: Es geht um den Umweltschutz, aber auch um die Frage der Repräsentation. Mir ist aufgefallen, wie die NASA Frauen in ihre Marketingkampagne für die Reise zum Mond einbindet. Sagt uns dies etwas über den Zustand unserer Gesellschaft? Für mich gibt es mehr Fragen als Antworten, und das ist ein wichtiger Punkt, denn wir wissen nicht, was wirklich geschehen wird. Es ist so ähnlich wie bei der Frage: Was werden wir am Südpol finden?

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Diese Überlegungen zur Herkunft und zur Geopolitik bringen uns zu einer weiteren Frage: Wie würde eine Zivilisation auf dem Mond aussehen?

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Hmmmm... Das hängt von den tatsächlichen Bewohner/innen (Bürger/innen welcher Staaten) und vom Zeitfaktor ab – was dazu führt, dass Identitätsfragen im Falle einer langfristigen Besiedlung über mehrere Generationen hinweg immer mehr Gewicht erhalten könnten...

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ich möchte das Werk eines Künstlers mit Euch teilen, das eine mögliche Antwort auf Eure Frage anbietet, wie eine Zivilisation auf dem Mond aussehen könnte. Seht Euch das Kunstwerk in der Ecke links oben an, das Teil der Reihe Artificial 3000 des Künstlers Ricardo E. Zulueta ist:
    http://www.ricardozulueta.com/artificial.html

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Vielen Dank für den Verweis auf dieses Kunstwerk, @Aldeide . Raumanzüge sind ein gutes Symbol dafür, wie mühsam die Lebenserhaltung im Weltraum ist – beispielsweise auf dem Mars – mit einer sehr dünnen Atmosphäre, ohne Magnetfeld und unter ungünstigen landwirtschaftlichen Bedingungen...

  • Tiago Sant'Ana Tiago Sant'Ana

    Noch eine letzte Frage: könntest du etwas mehr zum Kontext sagen, in dem dieses Kunstwerk entstanden ist?

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ich verfolge die Arbeit dieses kubanisch-amerikanischen Künstlers und bin immer wieder fasziniert, wie er es vermag, neue Vorstellungen des Lebens einzufangen.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    @Aldeide und @Tiago, ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, mich mit Euch beiden über die Erforschung des Weltraums auszutauschen. Da ich selbst als Weltraumforscher arbeite, habe ich vielleicht nicht die gleichen Perspektiven auf die Themen unseres heutigen Gesprächs, doch ich empfinde Eure Ideen als große Bereicherung.

    @Liebe Leser/innen: Was denkt Ihr über die „Kolonisierung” des Weltraums?

  • Reader Kommentar eines Lesers/einer Leserin

    Ich persönlich sehe in diesem Thema eine große ethische Problematik. Es erschließt sich mir nicht, warum so viel Energie, Geld und Intelligenz genutzt wird, um auf anderen Planeten erd-ähnliche Bedingungen zu schaffen, damit man dort überleben kann (ob man dort jemals richtig glücklich und erfüllt leben kann, sei mal dahin gestellt) anstatt selbiges dafür zu nutzen die Katastrophe unseres sterbenden Planeten abzuwenden, der doch eigentlich die perfekten Bedingungen für uns bietet, und eine sozial stabilere Gesellschaft zu formen. Ist das nicht verantwortungslos? Ist es nicht auch leichtsinnig, diesen bisher einzigen bekannten, so perfekten und wunderschönen Lebensraum einfach dem Untergang zu überlassen und sich zu verhalten als wäre es schon zu spät? Ich verstehe die riesige Faszination, die von der Weltraumforschung ausgeht sehr gut. Aber angesichts der Situation der Menschheit ist dies meiner Meinung nach nicht der richtige Ansatz.

  • GI Goethe-Institut

    Danke für die spannede Frage!

  • Aldeide Delgado Aldeide Delgado

    Ich denke, dass der beste Weg, das Verständnis von Raumfahrt als kolonisierendes Unterfangen zu ändern mit unserer Art darüber zu sprechen beginnt. Als Kolumbus nach Amerika kam, lebten hier bereits Menschen. Wir sollten in Zukunft offen für den Dialog und die Möglichkeiten der Begegnung mit anderen Lebensformen oder Gemeinschaften sein. Außerdem ist es wichtig, in einem interdisziplinären und vielfältigen Austausch so viele Stimmen wie möglich einzubeziehen.

  • Dr. Hrozensky Tomas Hrozensky

    Ich glaube, dass wir uns neben Parallelen oder Analogien auch der Besonderheiten der Zukunft der Raumfahrt und des allgemeinen Paradigmas bewusst sein sollten. Bereits seit einigen Jahrzehnten gibt es zwischen Staaten tatsächlich internationale Übereinkommen, die z.B. die nationale Aneignung von Himmelsobjekten oder Teilen davon verhindern. Das ist meiner Meinung nach eine wichtige rechtliche Regelung.

  • Reader Frage eines Lesers/einer Leserin

    Was passiert, wenn nach der ersten Generation weitere Leute den möglichen Exoplanet besiedeln? Wird sich die Geschichte der Erde wiederholen und es zu Kämpfe mit den "Indigenen" geben?

  • Reader Kommentar eines Lesers/einer Leserin

    Ist in diesem Zusammenhang nicht auch die (Pop-)Kultur spannend? Hinsichtlich des „Andersartigen“ ist ja beispielsweise die Prime Directive aus Star Trek recht interessant, die einen Kontakt mit fremden Kulturen nur vorsieht, wenn diese technisch weit genug fortgeschritten sind. Gleichzeitig gibt es aber auch das Narrativ der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, das ja sowohl in der Original Serie eine Rolle spielt, als auch in späteren Ablegern. Die Gleichberechtigung gestaltet sich dann jeweils entsprechend des zeitgenössischen Diskurses. Was heute als Gleichberechtigung gedacht ist, war etwa in den 1960ern so noch nicht denkbar. Und das ist natürlich ein Beispiel unter vielen.

  • GI Goethe-Institut

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