Videointerview Museen im Wandel

Hendrick Fourmile, Angehöriger der Gimuy Walubara Yidindji, hält bei der Zeremonie zur Rückgabe der sterblichen Überreste eines indigenen Australiers im Museum Fünf Kontinente eine traditionelle Räucherzeremonie ab.
Hendrick Fourmile, Angehöriger der Gimuy Walubara Yidindji, hält bei der Zeremonie zur Rückgabe der sterblichen Überreste eines indigenen Australiers im Museum Fünf Kontinente eine traditionelle Räucherzeremonie ab. | Foto (Detail): Matthias Balk © picture alliance

Sind ethnologische Museen im Globalen Norden einfach nur Ansammlungen kolonialer Beute, wie manche Kritiker seit dem späten zwanzigsten Jahrhundert behauptet haben? Als Reaktion auf diesen Vorwurf demonstrieren Museumskurator*innen zunehmend ein anderes Gesicht der Museumsarbeit: enge, kreative Kooperation und Dialog mit Vertreter*innen der Herkunftsgesellschaften. Ein Gespräch mit Professor Nicholas Thomas, Direktor des Museums für Archäologie und Anthropologie an der Universität Cambridge, über eine Neudefinition der Rolle und Praxis ethnografischer Museen.

Von Eliphas Nyamogo

Im Rahmen einer Lucian Scherman Lecture im Museum Fünf Kontinente erläuterte Professor Thomas am 21. März 2019 im Detail zum einen die neue Rolle, die ethnografische Museen heutzutage spielen sollten. Zum anderen zeigte er die möglichen Auswirkungen der Zusammenarbeit zwischen Museen und anderen Forschungsinstitutionen im Westen und denen in den ehemaligen Kolonien auf, was die Schaffung eines stärkeren Bewusstseins für die jeweiligen Sammlungen und den Umgang mit Fragen von Eigentümerschaft und Zugang betrifft.

Professor Thomas ist einer der führenden Forscher, die den vielfachen Wechselbeziehungen zwischen Objekt, Mensch und Kultur in ihrer vollen Breite nachspüren. Inmitten der zahlreichen divergierenden Ansichten zu kulturellen Objekten, die sich in ethnografischen Museen im Westen befinden, und mit Bezug auf den Savoy-Sarr-Bericht betont er die Bedeutung konstruktiver Zusammenarbeit und des Dialogs mit Gemeinschaften, die zu Recht Anspruch auf die Objekte erheben: „Zusammenarbeit mit den Menschen, deren Vorfahren Gegenstände geschaffen haben, denen wir heute mit Staunen, Respekt und Aufmerksamkeit gegenüberstehen.“

Er beschreibt das zentrale Thema seines obigen Vortrags wie folgt:

„Seit dem späten zwanzigsten Jahrhundert sahen sich ethnografische Museen herausgefordert – manche Kritiker betrachteten sie nur als Lager für koloniale Beute. Kuratoren reagierten darauf, indem sie ihre Praxis neu definierten und versuchten, kollaborativer und inklusiver zu arbeiten, im Dialog mit den Kulturen, die sie repräsentieren. Dieser Vortrag argumentiert, dass das Museum nicht nur als Gebäude, Bezirk, Ausstellungsort oder Institution gedacht werden sollte, sondern als lebendiges Netzwerk, das neue Reisen und Austausche anregt und zwar grundsätzlich umstritten, aber auch auf sehr wirkungsmächtige Art kreativ ist.“

In einem Interview mit dem Goethe-Institut ging Professor Thomas auch auf Fragen wie die Bedeutung von Provenienzforschung, Restitution, den Savoy-Sarr-Bericht sowie die Rolle der Museen in der Förderung von Bildung, Entwicklung und globalem Zusammenhalt ein.

Das gesamte Interview ist hier zu sehen:
 

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