Decolonise Your Tattoo Wie viel kulturelle Aneignung steckt in Tätowierungen?

Wie viel kulturelle Aneignung steckt in Tätowierungen?
Foto (Detail): © picture alliance/Westend61

Wer chattet?

Anna Felicity Friedman (interdisziplinäre Forscherin für Tattoos), Atreyee Majumda (geschichtliche Anthropologin) und José Mendonca (Schriftsteller) chatten mit Euch darüber, was Tattoos mit kolonialem Denken zu tun haben – und wie wir damit umgehen können.

Konzept und weitere Autor*innen: Regine Hader, Dr. Elisa Jochum
 
Auf WhatsApp und Telegram endet #DecoloniseYourLife am 7.12.2019. Hier könnt Ihr weiterhin alle Chats verfolgen und mitdiskutieren.
  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    A Chinese tattoo © picture alliance / blickwinkel

    Neulich kam eine Arbeitskollegin in mein Büro und erwähnte wegen meiner vielen Tattoos (ich habe unter anderem beide Arme tätowiert), dass sie eines Tages ein Tattoo mit chinesischen Schriftzeichen haben möchte (meine Kollegin ist nicht chinesischer Herkunft). Dies ist eines der häufigsten Beispiele für Tattoos, die möglicherweise als kulturelle Aneignung angesehen werden können. Wie können wir uns in einer zunehmend globalisierten Welt mit Tattoos auseinandersetzen – sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer jeweiligen Herkunftskulturen? Kann jede*rim Rahmen einer globalen Welle der Kulturen frei über Bilder verfügen und sie sich in die Haut tätowieren?

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Ich denke, wir befassen uns mit Tattoos wie mit Wellen im Meer. Alle Wellen sollten dem Strom folgen. Der Meeresboden, auf dem der Schutt liegt, ist unsere kulturellen Überbleibsel.
     
    Tattoos wurden einfach zu einer Art Graffiti auf der Haut. Die Haut wird als Medium verwendet, wie das gesprochene Wort. Die Menschen folgen der neuen Welle, die einst uralt war, und sie erscheint jetzt wieder als etwas Neues und Populäres. Alte Dinge wie die Tattoo-Kultur kehren zurück ...

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Seit über 5.000 Jahren (und möglicherweise noch viel länger) haben die Menschen sich Tätowierungen stechen lassen. Sie scheinen im Laufe der Zeit in verschiedenen Teilen der Welt unabhängig voneinander entstanden zu sein. Die Menschen haben sie zur Heilung, zum Schutz, zur Identitätskennzeichnung, zur Markierung von Übergangsritualen, um einen sozialen Status anzuzeigen, als Erinnerung, zur Dekoration und aus vielen anderen Gründen verwendet.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Maori face-tattoo © picture alliance/Heritage Images

    Also, was ist, wenn Tattoos eine tiefe kulturelle Bedeutung haben? Und sie sich jemand stechen lässt, dem diese kulturellen Zusammenhänge fehlen? Mir kommen zum Beispiel Maori-Tattoos in den Sinn. In letzter Zeit gab es eine heftige Debatte über die Aneignung kultureller Bildern der Maori. 
    https://www.independent.co.uk/life-style/cultural-appropriation-maori-face-tattoo-white-woman-new-zealand-sally-anderson-a8367486.html

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Also, was ist, wenn Tattoos eine tiefe kulturelle Bedeutung haben? 

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Diese Geschichte erinnert an zwei kulturelle Symbole: TATTOO und TABOO. In der heutigen Gesellschaft werden Tabus durch das Tätowieren überwunden. Tattoos werden zu sozialen Netzwerken ohne jegliche Kontrollelemente.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Tabus bezüglich der Verwendung von Bildern aus anderen Kulturen? Ich schätze, aus meiner Perspektive werden die Menschen immer sensibler für die Ursprünge der Bilder, die sie für immer in ihren Körper einschreiben ... (was ich für eine gute Sache halte – ich fühle mich immer unwohl dabei, wenn Menschen Bilder sehen, die sie für „cool“ halten und sie einfach auf ihren Körpern reproduzieren, ohne die Bedeutung zu verstehen...)

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Ich denke, Tattoos zeigen eine besondere Beziehung zum Körper, die sich kulturell unterscheidet. Viele indigene Gemeinschaften sind sehr mit Tattoos vertraut.

    Zum Beispiel tätowieren einige indigene Gemeinschaften ihre Körper schon in jungen Jahren. Man kann viele fetischistische Indien-Fotos von indigenen Frauen in ihrem traditionellen Gewand finden, die auf den Fotografien ihre Tattoos zeigen, viele auf der Stirn, einige auf den Unterarmen und so weiter.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    @Anna: Das ist ein Produkt unserer Zeit. Eine Zeit, in der versucht wird, der Zivilisation des Buches zu entkommen, ein neu definierter Diskurs, um etwas Verlorenes wieder anzunehmen: menschliche Identität, Gleichberechtigung. Tattoos schaffen durch ihre lange Geschichte eine Verbindung – ein Gefühl der Verbindung zu ihren Ursprüngen und somit zu etwas Universellem.

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Ich sehe "cool“ auch als eine Signatur des Spätkapitalismus. Das "Coole" als eine Art, von gemeinschaftlichen, ethnischen oder anderen Zeichen der Zugehörigkeit unbeeinflusst zu bleiben. Man kann auf diese Zeichen der Zugehörigkeit zugreifen, indem man "cool" ist und gleichzeitig von ihnen nicht  belastet wird. Ein Beispiel sind Backpacker*innen, die auf die Kultur aller Menschen zugreifen, ohne sich irgendeiner zu verpflichten.

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Diese Situation wir vom Spätkapitalismus und der flexiblen Akkumulation ermöglicht.

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Ich spreche vom Spätkapitalismus, der eine ausgeprägte Ästhetik von Freiheit, Stromlinienform und Individuation hat, ganz anders als in den Zeiten der 1960er und 1970er Jahre – der Zeit des Hochkapitalismus in Ländern wie den USA. Ich denke an lattetrinkenden, veganismusübenden Yoga-Enthusiasten oder Biker*innen, die diese spätkapitalistische Ästhetik artikulieren.
     
    Ihre Artikulation beinhaltet nicht nur kulturelle Aneignung, sondern auch eine lose Zugehörigkeit zu verschiedenen Traditionen. Die Zugehörigkeit zum Nicht-Westen erfordert ein ernsthaftes Engagement. Das spätkapitalistische westliche und manchmal nicht-westliche Subjekt wird von verschiedenen Traditionen und traditionellen Praktiken angezogen und ist an keine gebunden. Nicht gebunden zu sein ist das Wesen des spätkapitalistischen Subjekts. Im Falle von Tattoos geht es um eine ästhetische Faszination, zum Beispiel für einen chinesischen oder einen Maori-Charakter, ohne wirkliches Engagement für diese traditionellen Komplexe.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Tattoos sind auch eine Provokation – durchaus auch eine Demonstration der Freiheit –  Teil eines modernen, urbanen Lebensstils.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Einige indigene Gemeinschaften teilen gerne ihre kulturellen Elemente (z.B. Japan), andere nicht (wie das Maori-Beispiel oben). Einige Formen indiger Bilder sind sakraler als andere. Ist es eine verantwortungsbewusste Freiheit, eine verantwortungsvolle Provokation, die Bilder, die Du auf deinem Körper trägst, nicht sorgfältig zu erforschen, um festzustellen, ob sie Menschen aus der Kultur, aus der sie stammen, verletzen könnten?

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    So sehen wir z.B. Menschen europäischen/ US-amerikanischen Ursprungs mit aufwendigen japanischen Tattoos, was in Ordnung zu sein scheint und nicht unbedingt „exotisierend“ ist. (Disclaimer: Ich trage selbst einige japanische Tattoos.)
     
    Ich denke, unter bestimmten Umständen, zum Beispiel, wenn eine Kultur im Allgemeinen ein "schenkender" Typus ist, wenn sie mit dem Teilen ihrer Kunst einverstanden sind, wenn Tattoos nicht an irgendeine Art von Status- oder religiöser Markierung oder tiefgründiger Tradition gebunden sind, ist es eher in Ordnung, Tattoos aus einer Kultur zu verwenden, die nicht die eigene ist (aber, wenn ich heute andere Tattoo-Entscheidungen treffen könnte, würde ich viele der Tattoos, die ich jetzt habe, nicht machen lassen). Ich denke auch, dass die tatsächliche Reise an einen Ort und die Interaktion mit der lokalen Kultur auf nicht-touristische Weise auch einer Person eine Berechtigung geben kann, sich Tattoos stechen zu lassen, die nicht zu ihrer eigenen Kultur gehören, ohne in die Falle des „Exotisierens“ zu geraten.

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Mit Bezug auf @Josés Kommentar weiter oben: Diese besondere Demonstration der Freiheit hat mit den Bedingungen des Spätkapitalismus zu tun.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Ja, in der Tat. Angesichts der Tatsache, dass die Tattoo-Kultur sehr kommerziell wurde.

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Ich bin auch neugierig, was es mit dem Misstrauen der Mittelschicht gegenüber Tattoos auf sich hat.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Ich denke, dass das Konzept der bürgerlichen Tattoo-Aversion deutlich abnimmt überall auf der Welt, da Tattoos begehrt werden und eine Art Promi-Status anzeigen.
    Tattoos werden immer noch an bestimmten Orten der Welt missbilligt, vor allem dort, wo Gangster weit verbreitete Tattoos als Uniform verwenden – vor allem in Japan und einer Reihe von mittel- und südamerikanischen Ländern. Meine jüngsten Reisen in den Nahen Osten haben auch gezeigt, dass, obwohl sich die Dinge ändern, konservativere Muslime Tattoos im Allgemeinen als „haram“ oder verboten ansehen. Das heißt, weltweit sehen wir Tattoos aktuell auf einer viel größeren Vielfalt von Menschen als vielleicht jemals zuvor.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    In Afrika verwenden wir immer noch die Praxis der Skarifikation, weil man sie auf unserer schwarzen Haut besser sehen kannst. Ich nenne Euch ein Beispiel. In der Provinz Malange, hier in Angola, gibt es eine Gemeinde in der die Menschen ihre Gesichter skarifizieren lassen. Das ist wie ein Identitätsnachweis, die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinde oder diesem Dorf. Aber traditionelle Heiler führen Skarifikationen am Bauch von Kindern oder auf den Schultern junger Menschen und sogar an Erwachsenen durch, um diese Menschen vor einer Art von Zauberei zu schützen. In gewisser Weise ist diese Art des Tätowierens das kulturelle Erbe einer Gemeinschaft. Meiner Meinung nach sollten die Regierungen daher Studien über diese Praktiken fördern und die Öffentlichkeit für sie als eine Form des kulturellen/religiösen Erbes sensibilisieren, die nicht für kommerzialisierte Tattoos verwendet werden sollte.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    @Atreyee: Ich kenne auch einige Leute hier in Angola, die zur Mittelschicht gehören und Tattoos haben.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Natürlich wurden heute viele beliebte Tattoos im Wesentlichen aus verschiedenen Subkulturen übernommen ... also eine andere Form einer kolonialen Denkweise. Vor allem in den 1990er Jahren, als High Fashion immer mehr nach Punk und Grunge und solchen Subkulturen griff, fingen wir an zu sehen, wie Tattoos zu einem Accessoire wurden. Etwas, um den Körper zu verschönern (in einer transgressiv gefärbten Art und Weise), anstatt als Zeichen eines Außenseiters oder eines maginalen Statuses. Die heute bei Sportstars und Musikern so weit verbreitete schwarze und graue Tätowierung begann weitgehend in den Barrios Südkaliforniens, verbunden mit dem Straßenleben – wieder war ihr ursprünglicher Reiz der des Provokanten. Heute sind sie in ihr Gegenteil verkehrt. 

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Vielleicht nicht eine koloniale Denkweise. Schau Dir das gesprochene Wort oder Graffiti an: Ich sehe es als Zeichen einer neuen Welt. Die Menschen wollen in den Dimensionen der Menschheit und nicht in den Dimensionen der einzelnen Kulturen agieren. Tattoos können als Protest gegen Rassismus dienen – ein Protest, der in die Haut eingeimpft wird.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Es geht nicht nur um Rassismus, sondern auch um wirtschaftliche Unterschiede. Das Tattoo als Protest gegen eine alte, wirtschaftlich und sozial gegliederte Gesellschaft, die in ihrer Wirtschaft immer noch Sklaven benutzt ...

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Interessanterweise ist die Skarifikation noch nie zu Popkultur-Popularität aufgestiegen, so wie Tattooing, Piercing und Earlobe Stretching. Ist dies auf Rassismus zurückzuführen oder handelt es sich technisch gesehen um eine intensivere Art der Körpermodifikation?

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Die Skarifikation begann als ein spezifisches kulturelles Ritual. Und sie ist schmerzhaft. Es ist daher nicht einfach, sie zu kopieren.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Tattoos sind teuer, sie sind zu einer Ware geworden ... wie funktioniert es in diesem Fall?

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Es funktioniert durch hohe Sichtbarkeit und Werbung im Internet. Wir haben eine kapitalistische Industrie des Tätowierens. Also muss es funktionieren, wie bei Coca-Cola. Tattoos sind zu einer Sucht geworden. Eine Hautdroge.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Also bin ich gespannt, ob du das als positive Entwicklung siehst? Ich schätze, ich sehe es als negativ an.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Ich habe keine Tattoos. Ich liebe meine natürliche Haut. Ich betrachte die kommerzielle Nutzung auch als etwas Negatives. Aber es funktioniert als eine neue Art von Ausweis für die moderne Jugend und ihre Geistesschwäche – als Ersatzidentität.

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Ich auch nicht, und ich denke, einige meiner Freund*innen sehen mich deshalb als konservativ an.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Um das zu verdeutlichen, ich denke, dass die wachsende Verbreitung und Beliebtheit des Tätowierens insgesamt wunderbar ist, aber nicht der Teil, den ich als kulturelle oder subkulturelle Aneignung empfinde.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Ich stimme dir zu, Anna. Ich sehe es eher aus wirtschaftlicher Sicht ...
    Dennoch wollte ich sagen, dass ich die Praxis des Tätowierens schätze!

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Ich denke, dass Tätowieren eine ausgezeichnete Möglichkeit sein kann, Identität zu signalisieren oder visuell Erfahrungen zu akkumulieren. Wie können die Menschen ermutigt werden, als Tattoo-Konsument*innen vielleicht vorsichtiger zu sein, um diese Funktion der positiven Akkumulation noch zu verstärken? Wenn sich Tattoos als Produkt oder Industrie bereits weltweit dauerhaft etabliert haben?

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Ich möchte nochmal auf die Idee von „Decolonise Your Tattoo“ zurückkommen. In gewisser Weise ist es eine Art Kolonisation. Aber als freie Wahl wirkt sie eher wie eine kapitalistische Welle des Konsumerismus.

  • Dr Atreyee Majumder Atreyee Majumder

    Ich habe eine ambivalente Meinung in Bezug auf die globale Welle des Tätowierens. Ich sehe sie wie jede andere Modeerscheinung, die sich auf die Ethnizität als kuriose Erinnerungsstücke aus anderen Welten stützt – Welten, die die Tattoo-Träger*innen oft nicht verstehen.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Ich möchte hinzufügen, dass insbesondere das Tätowieren hier ein interessantes Beispiel ist, da seine Bedeutung von Kultur zu Kultur so stark variieren kann – anders als andere Dinge (wie Essen), die Teil einer kapitalistischen Gesellschaft geworden sind.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Schau Dir zerfetzte Jeans an. Ich denke, Tattoos funktionieren in der gleichen Weise: als Zeichen einer weitreichenden Urbanisierung – Coca-Cola, ripped Jeans, Graffiti, Nihilismus, Tattoos.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Ähnlich wie viele Familien im Zuge der Industrialisierung in Städte gezogen sind, zeigen die heutigen Statistiken, insbesondere für Afrika, eine massive Verlagerung in Hauptstädte, nicht nur vom Land aus. Die Hauptstädte der Länder, und das sieht man hier in Luanda, werden von Millionen von Menschen überflutet. Ein Viertel der angolanischen Bevölkerung lebt heute in Luanda. Das Phänomen der Tattoos ist meist eine Praxis der urbanen Kultur, wo es sich zu einer gewinnträchtigen Sparte entwickelte. Von dort aus verbreitet sich die urbane Kultur der Tattoos in den verschiedenen Ländern.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    @Jose: Ich denke, aus dieser Liste oben sind Tattoos, wegen der sakralen und/oder spezifischen Bedeutung des Originals, am komplexesten und am stärksten mit dem Problemen der Aneignung behaftet.

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Nun, neben ihrer historischen Komplexität wurden Tattoos auch zu Tintenbotschaften einer unbekannten, aufstrebenden Welt. Aber eine restliche historische Bedeutung wird immer in kleinen traditionellen Gruppen auf der ganzen Welt bleiben.

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Ich persönlich möchte die Menschen bitten, die Herkunft der Bilder, die sie tätowieren lassen wollen, genauer zu untersuchen.  Können sie sich etwas Neues einfallen, anstatt die Bilder anderer Menschen zu recyceln? Wenn sie ein Bild wirklich wiederverwenden wollen, können sie dann eine solide Begründung vorbringen?

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    @José: Meinst Du das auf eine poststrukturalistische Weise? Sowohl in Bezug auf die Idee, Tattoos und Bilder als streng auf  ihre Herkunft bezogen zu sehen, als auch im Hinlick auf die Idee von Tattoos als popkultureller Suche nach Identität – als Konstruktion mit definitiver Bedeutung?

  • José Luís Mendonça José Luís Mendonça

    Die Zukunft ist unbekannt. Aber die Wiederaneignung alter Tätowierungen bringt mehr mit sich als nur popkulturelle Implikationen. Es ist der Tod der Bildung, Moral und Ethik ...

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Chatte mit!  Was haltet Ihr von der Dekolonisierung von Tattoos? Welche Fragen können wir beantworten? Was können wir aus der obigen Diskussion noch herausarbeiten? Habt Ihr Tattoos, die ihr bereut, weil Ihr das Gefühl habt, dass Ihr Euch ihnen aus einer "exotisierenden" oder touristischen Perspektive genähert haben könntet? Oder ist "Exotisierung" beim Tätowieren manchmal in Ordnung? Können wir uns jemals von der ursprünglichen Bedeutung einer Tätowierung trennen, wenn sie sakralen Ursprungs ist? Wie können wir in eine Zukunft gelangen, in der die Wahl der Tattoo-Bilder sorgfältiger geprüft wird (oder spielt das eigentlich keine Rolle)?

  • Reader Leser*in über WhatsApp

    Was denkt ihr darüber, wenn jemand aus traditionellen Stilen etwas Neues entwickelt, also sich eine Art Mix-up der Tattoo Tradition stechen lässt? Passt das nicht gut in eine Welt, in der sich die Traditionen und Kulturen mischen?

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Ich denke es kommt darauf an, wo ein Bild oder Bildnis herkommt. Ich persönlich finde, es gibt einige besondere Bilder und Symbole, die für bestimmte Kulturen heilig sind, und die von Outsidern auch nicht getragen werden sollten. Interessierte sollten vorher recherchieren. Wenn die Möglichkeit besteht, dass kulturelle oder religiöse Gefühle verletzt werden, sollte man sich für ein anderes Symbol entscheiden.

  • Reader Leser*in über Telegram

    Was denkt ihr über die Tätowierungstradition unter Seeleuten?

  • Anna Felicity Friedman Anna Felicity Friedman

    Nur ein kleiner Prozentsatz der Tattoos von Seeleuten kann als kolonial angesehen werden. Wenn Matrosen Tätowierungen von Bildern aus einer anderen Kultur erhielten, wurden sie normalerweise  entweder gekauft, geschenkt oder auf irgendeine Weise gehandelt. Nur selten waren sie ein "exotisches" Souvenir. Matrosen hatten auch ihre eigenen Tätowierungstraditionen. Man könnte argumentieren, dass einige zeitgenössische Tattoo-Träger*innen sich diese Traditionen aneignen,  indem sie sich "old school" nautische/maritime Bilder einschreiben lassen, obwohl sie selbst keine Segler/innen sind.