Video-Performance Colonastics / von Joana Tischkau

Colonastics © Joana Tischkau
In genau diesem Augenblick werden Sofas und Küchentische zur Seite geschoben, um Platz für Yogamatten und Hantelbänke zu schaffen. Schlafzimmer verwandeln sich in Trainingsparcours und Teppiche in Gewichthebestationen. Im Mittelpunkt dieser neu erfundenen Lebenswelten in Zeiten der Quarantäne steht der Gedanke, dass man aus dieser Situation als stärkere, fittere und bessere Version des eigenen Selbst hervorgehen kann; der moderne Mythos des unbegrenzten und dauerhaften Fortschritts. Ganz gleich, ob das Training im sicheren Raum des neu geschaffenen Home Gyms oder im Studio stattfindet – eines haben die Trend-Sportarten wie Yoga, Zumba, Poledancing und Breakletics gemeinsam: Ihr Vokabular, wenn auch bis zur Unkenntlichkeit simplifiziert, entspringt einem imaginären esoterischen und exotischen Raum und kopiert die Körperlichkeit, der als das „Anders“ konstruierten.
Joana Tischkau fordert in ihrem Workout Colonastics ebenfalls dazu auf, Platz für eine schweißtreibende Trainingseinheit zu schaffen, mit der Körper, Seele und Geist von den Spuren der Kolonialisierung befreit werden. Los geht es mit einem Körpertraining, das sich aus der reinen Verkörperung des Weißseins entwickelte. Ausgehend vom Ideal des weißen Mannes, bringt Colonastics die kolonialen und neokolonialen Praktiken der Fitnessindustrie ans Licht. Denn möglicherweise kann man am Ende alles haben: Die Rationalität des heterosexuellen weißen Mannes und die Körperlichkeit und Leiblichkeit der Schwarzen Frau.
(von Joana Tischkau)
 
Colonastics ist eine Produktion von Joana Tischkau.
Konzept & Choreografie: Joana Tischkau
Künstlerische Mitarbeit & Dramaturgie: Elisabeth Hampe
Sounddesign: Frieder Blume
Kamera & Schnitt: Malu Blume
Grafik Design & Animation: Justus Gelberg
Produktionsmanagement: Lisa Gehring


Performance auf Englisch.
 

Mitwirkende