Küchengespräch Travelling Kitchen mit Food Explorer Ozoz Sokoh

Travelling Kitchen mit Food Explorer Ozoz Sokoh © EL BOUM
Gespräch mit Ozoz Sokoh (Food Explorer, Lagos), Luciana Santos dos Reis (Doktorandin und Übersetzerin, Salvador)

Als „Reisende durch die Küchen“ spürt Ozoz Sokoh den Verbindungen zwischen Esskulturen verschiedener Länder nach. Auf dem Latitude-Festival kocht sie nigerianische Akara und brasilianische Acarajé (frittierte Bohnenbällchen) und eröffnet Perspektiven auf (inter-)kulturelle Praktiken, Geschichte und Sokohs eigene Erfahrungen. Welche Einflüsse haben diese Speisen geformt? Was erzählen sie über einst koloniale Verflechtungen? Die Rezepte gibt es vorab.

Statement Ozoz Sokoh:
Als ich 2009 Acarajé entdeckte, hatte ich Heimweh und lebte im Ausland. Ich verstand sofort seine Bedeutung und Relevanz in der brasilianischen Küche als kultureller Anker, ich verstand das Festhalten an der Heimat in einem fremden Land. In Nigeria war ich dem Acarajé nur in seiner alltäglichen Form begegnet - ohne Ehrfurcht. Das fiel mir auf - Akara wird geliebt, aber Acarajé wird verehrt. Ich sehe die Rolle, die das Erinnern spielt, damit es weiterleben kann, ich sehe, wie in diesen frittierten Teigbällen die Heimat transportiert wird, Identitäten geformt, die Kultur geehrt wird. Ich sehe eine Nahrung, die nicht nur den Körper nährt, sondern auch die Seele, trotz ihrer tragischen, quälerischen Anfänge auf den Meeren der Sklaverei. Ich bin dankbar dafür, dass diese frittierte Mahlzeit für mich ein Leuchtfeuer war, das mir die Augen für alle Wege geöffnet hat, die es nach Hause gibt, ungeachtet dessen, wo wir uns aufhalten. Roberto da Matta wird in dem Buch Black Milk: Imagining Slavery in the Visual Cultures of Brazil and America zitiert mit den Worten: "Sanduíche é alimenta; Acarajé é comida", was übersetzt so viel bedeutet wie "Das Sandwich ist Futter, Acarajé hingegen ist eine Seelennahrung".  
 
Statement Luciana Reis
Mit uns schwarzen brasilianischen Frauen über Acarajé zu sprechen, ist viel mehr als nur ein Gespräch über eine Delikatesse. Es geht um die bestehenden Bindungen zwischen Brasilien und Afrika und auch um die säkularen Strategien, mit denen schwarze Frauen ihre kulturellen und religiösen Traditionen am Leben erhalten haben. Darüber hinaus ist der Verkauf von Acarajé eine von mehreren Möglichkeiten, Arbeit und Einkommen für schwarze Familien und Gemeinschaften zu schaffen. Um die Bedeutung nicht nur von Acarajé, sondern auch der Baianas (Verkäuferinnen) von Acarajé hervorzuheben, setzt sich die Nationale Vereinigung der Acarajé-Verkäuferinnen (ABAM) dafür ein, diese Handwerks- und Kulturerbe-Praxis als salvadorianisches Beispiel für ein unantastbares Erbe anzuerkennen.

Auf Englisch.

 

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