Video-Performance & Gespräch Decolonize Architecture / von Pascale Obolo

Decolonize Architecture Now © Pascale Obolo
Der Film ist auf Französisch, die Transkription finden Sie hier:  In ihrem filmisch-performativen Projekt Decolonize Architecture Now folgt die Filmemacherin Pascale Obolo den Spuren deutscher Kolonialherrschaft in Kamerun und befragt deren Rolle in der heutigen Erinnerungskultur. Im Rahmen des Festivals präsentiert sie Decolonized Bismarck’s Fountain/Living Archive Part I, den neusten Film des Projekts, entstanden zwischen 2016 und 2019, in Zusammenarbeit mit André Takou Saa. Ausgangspunkt der Arbeit ist das Schloss von Puttkamer, Zeugnis der deutschen Kolonialherrschaft in Buea, und ein Denkmal im Schlosspark, das Otto von Bismarck ehrt. Pascale Obolos Arbeit stellt eine Intervention zu herrschenden Erinnerungsdiskursen dar und erkundet neue Möglichkeiten der Dekolonisierung des öffentlichen Raums.
 
„Der Film inszeniert eine Performance in der Stadt Buea in Kamerun. Der Gegenstand des Films wird nicht als feste historische Wahrheit betrachtet, sondern als gesellschaftspolitische und kulturelle Praxis, in der architektonische Überreste, Objekte, Erinnerungen und Tondokumente neu gewendet und interpretiert werden. Er wird durch eine fiktionale und nicht-lineare Erzählung strukturiert und hinterfragt die Präsenz des kolonialen Körpers in einem öffentlichen Raum, der vom Gespenst Bismarcks heimgesucht wird. Das Medium Körper dekolonisiert/rekolonisiert den öffentlichen Raum in einer Performance, die ein flüchtiges Denkmal entstehen lässt, um die kamerunischen Widerstandskämpfer zu ehren. Gebäude und Denkmäler haben, ebenso wie Körper, ihre eigene Geschichte und Erinnerung. Im Kontext kolonialer Architektur erlangt diese Aussage ihre volle Bedeutung. Welche Rolle spielt der Körper für die Konstruktion des Individuums? Was steht auf dem Spiel, wenn Körper durch Kunstwerke dekonstruiert werden, wie der koloniale Körper bei Frantz Fanon? In Fanons Werk träumt der Schwarze davon, weiß zu sein, aber wovon träumt der Kolonisator? Die Arbeit begreift und nutzt so Geschichte als unabgeschlossene Fiktion, in der sich die visuelle Ästhetik frei entfalten kann, um durch die Erfindung von Gegen-Fiktionen Geschichten sichtbar zu machen, die aus unserem Gedächtnis gelöscht wurden.“
(von Pascale Obolo)

Der Film ist Teil des Projekts Decolonize Architecture Now.
 
Im Anschluss an den Film sprechen Pascale Obolo und Assumpta Mugiraneza über ihre Arbeit und reflektieren gemeinsam mit der Moderatorin Katharina Hey über den Umgang mit dem kolonialen Erbe in Kamerun, Ruanda und Deutschland.

Das Gespräch findet auf Französisch mit Simultanübersetzung ins Englische statt.
 

Mitwirkende