Video-Performance & Gespräch Song of the Daughters of the Waters / von Laís Machado

Song of the Daughters of the Waters © Laís Machado
Wie ist bis heute die Erfahrung der europäischen kolonialen Expansion in der zeitgenössischen afrikanischen Diaspora in Brasilien spürbar? Dieser Fragen geht Laís Machado in ihrer queerfeministisch-antirassistischen künstlerischen Praxis nach und stellt dabei ihren eigenen Körper in den Mittelpunkt. Ihre Arbeit reflektiert Formen von Kolonialität wie Geschlecht, ‚Rasse‘, und Körpernormen, die unsere Gegenwart durchdringen. Welche Kontinuitäten des Kolonialen lassen sich vom historischen Kolonialismus und transatlantischen Sklavenhandel bis in unsere verwobene heutige Weltgesellschaft nachzeichnen, und wo finden sich trotz allem Praktiken des Widerstands? Im Rahmen des Festivals präsentiert sie gemeinsam mit dem Künstler Diego Araúja die eigens für diesen Anlass entwickelte Video-Performance Song of the Daughters of the Waters.

Song of the Daughters of the Waters ist ein Ritual, eine Zauberformel. Ein Essay über ein System, das das Ende der Welt generiert – das cis-weiß-normative, hetero-patriarchale, kapitalistische System. Ein System, das den eigenen Kollaps in sich trägt. Diese Erfahrung wurde in unzähligen historischen Augenblicken von meinen Ahnen durchlebt, die ich in dieser Arbeit beschwöre, damit sie mit ihren Technologien zur Neuerfindung ihrer selbst, ihrer Neigungen und ihrer Territorien zu meiner Arbeit beitragen können.

Das Video, von dem alle Phasen im Kontext sozialer Isolation entstanden sind, erzeugt eine sinnliche Erfahrung, die als Schwangerschaft im Schoß eines Vogels – unserer Urmütter –bezeichnet werden könnte. Die Arbeit ist ein Experiment im Bereich der Videokunst und Teil meines poetischen Projekts Erù Iyá, das durch den Einsatz verschiedener Medien die unterschiedlichen Dimensionen von Wasser und dessen Verbindung zur Konstruktion und Destruktion des Femininen untersucht.

Erù Iyá hängt mit der Arbeit Elegy of the Daughters of the Waters - Machinery of the End of the World aus dem gleichen Projekt zusammen. Neben der Beschäftigung mit einem Um-weltverbrechen, das im August 2019 im Nordosten Brasiliens verübt wurde, reflektiert diese Arbeit die tiefe Verbindung der afrodiasporischen Menschen Brasiliens mit dem, was wir „die Natur“ nennen würden. Dieses Verhältnis geht so tief, dass es unmöglich ist, zu unterscheiden, wo ein Körper anfängt (was wir Menschheit nennen) und wo der andere aufhört (was wir als Natur bezeichnen).“
(von Laís Machado)

Vor dem Screening moderiert Aldri Anunciação unter dem Titel Afro-Perspective – Afro-Reference ein Gespräch zwischen Laís Machado und Diego Araúja. Sie diskutieren die eigene künstlerische Arbeit, die Schwierigkeiten, denen schwarze Künstler*innen in Brasilien ausgesetzt sind und stellen ihre Plattform ÀRÀKÁ vor, die schwarzen Künstler*innen einen transdisziplinären Raum für Forschung, künstlerische Praxis und Austausch bietet.

Der Film ist auf Portugiesisch, mit englischen Untertiteln. Das Gespräch ist auf Portugiesisch mit Simultanübersetzung ins Englische.

Videoperformance
Die künstlerische Video-Performance enthält Szenen expliziter Nacktheit, die als unangemessen empfunden werden können.

Mitwirkende