Kunstprojekt Echos des Südatlantiks

Kunstprojekt: Rethinking the aesthetics of the colony
Kunstprojekt: Rethinking the aesthetics of the colony | Foto: Hirosuke Kitamura © Studio Musa M. Mattiuzzi
  • 23. April 2018 — 31. Dezember 2021

  • Postkoloniale Weltordnung, Kultur der Erinnerung, Postkoloniale Kunstproduktion, Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit

  • Berlin (Deutschland); Dakar (Senegal); Salvador (Brasilien)

Welche kulturellen Wechselbeziehungen bestehen heute zwischen Afrika und Südamerika, nach Jahrhunderten der europäischen Hegemonie und Kolonialisierung? Wie könnte die kulturelle Zukunft des Südatlantiks aussehen? Mehr als zwanzig Künstler*innen und Intellektuelle aus Afrika, Südamerika und Europa entwickelten unter dem Titel „Echos des Südatlantiks“ gemeinsam Projekte in den Bereichen Performance, Film, Musik und bildende Kunst und loten darin die Potenziale der Süd‑Süd‑Beziehungen aus. 

Die künstlerischen Erkundungen nehmen Aspekte kultureller Verbindungslinien zwischen Afrika, Südamerika und Europa in den Blick. Als inhaltliche Klammer war auf jedem der drei Kontinente eine Konferenz geplant: Im April 2018 fand eine Konferenz mit der Universität UFBA in Salvador de Bahia und im Juli 2019 eine mit dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt. Anstatt einer angedachten dritten Konferenz in Dakar im Rahmen der Biennale Dak’Art 2020 bildet aufgrund der Covid-19-Pandemie ab 24. April 2021 die digitale Ausstellung Carnival in the Making den Abschluss des dreijährigen Projekts.
 
Der Titel, zu Deutsch „Karneval im Entstehen“, unterstreicht dabei das Prozess- und Fragmenthafte der präsentierten Werke, die gemeinsam ein vielschichtiges, karnevaleskes Kulturtreiben ankündigen. Viele Projekte wurden durch die Pandemie unterbrochen und haben im Projektverlauf neue, improvisierte Wege eingeschlagen. Die entstandene multimediale Ausstellung umfasst filmische Beiträge, Essays, Fotografien und Performances von mehr als zwanzig Künstler*innen und Intellektuellen von allen drei Kontinenten, darunter Musa Mattiuzzi, Gabi Ngcobo und António Ole.

Bis ins 15. Jahrhundert war der Atlantik eine wahrnehmbare Grenze zwischen Afrika und Europa einerseits und Amerika auf der anderen Seite. Der Überwindung dieser Grenze folgte die wohlbekannte Geschichte der „Entdeckungen“: Kolonisierung, Versklavung, Ausbeutung, Migration und Wohlstand in Europa. Die sich durch den Austausch zwischen den drei Kontinenten entwickelnde Dynamik mündete in einer kulturellen Verbindung, die alle drei Kontinente fundamental veränderte. Inzwischen haben sich politische, kulturelle und ökonomische Konstellationen verändert, und Europa verliert seine relative Bedeutung. Zugleich nehmen das gegenseitige Interesse und der Austausch zwischen Afrika und Südamerika zu.

Wie steht es um das Atlantische Dreieck im 21. Jahrhundert, fragte im Rahmen des Projekts die Tagung Echos des Südatlantiks – Über die Zukunft süd-transatlantischer Beziehungen 2019 in Berlin. Bei der Auftaktkonferenz 2018 in Salvador da Bahia (Brasilien) ging es vor allem um neue Historiografien, um Migration und Vertreibung sowie um die Zivilgesellschaften der Zukunft. 

Video: Keynote „A Rise in Humanity“ von Felwine Sarr 2019 auf der Konferenz in Berlin: 



Verantwortlich im Goethe-Institut: 
Julian Fuchs und Anja Riedeberger – Projektkoordinator*innen im Goethe-Institut São Paulo (Brasilien) 

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