Künstlerischer Diskurs Museum Nullius

Latitude –Museum Nullius, eine Performance von Natalia Rodríguez Ramírez, Lustgarten, Berlin, August 2019
Museum Nullius, eine Performance von Natalia Rodríguez Ramírez, Lustgarten, Berlin, August 2019 | © Natalia Rodríguez Ramírez. Foto: Nicolás Gombinsky
  • 01. August 2019 — 31. Dezember 2024

  • Restitution, Provenienzforschung, Dekolonisierung

  • Lima (Peru); Berlin (Deutschland)

Das Projekt ist Teil des experimentellen Studienprojekts DecolonizeM21, das sich den Inhalten und der Kontextualisierung des Ausstellungsmoduls 21 im Berliner Humboldt Forum widmet, welches archäologische Gegenstände aus dem heutigen Peru zeigt. Es handelt sich beim „Museum Nullius“ (leeres Museum) um eine symbolische Rückgabe von 56.199 Objekten aus der ethnografischen Sammlung des Berliner Humboldt Forums an Peru.

Die Arbeitsgruppe von DecolonizeM21 („Intervention M 21: Am Humboldtstrom – Sammeln im 19. Jahrhundert“) besteht aus neun vorwiegend lateinamerikanischen Künstler*innen. Das experimentelle Studienprojekt ist eine Kooperation der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Instituts für Kunst im Kontext der Universität der Künste Berlin, welches durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird.

Das Teilprojekt Museum Nullius begann mit einer Performance im Lustgarten des Humboldt Forums, in welcher Kopien der zu Peru gehörenden Gegenstände zwei Wochen lang aus dem Fotoarchiv der Sammlung ausgeschnitten wurden. Aus den Reaktionen des Publikums auf diese Performance wollte die Künstlerin Natalia Rodriguez Ramirez aus Bogotá, die derzeit ihr Masterstudium an der Universität der Künste Berlin im Institut für Kunst im Kontext absolviert, die öffentliche Meinung in Berlin über die Rückgabe des kulturellen Erbes von Ländern mit kolonialer Vergangenheit erfahren. Die Hauptfrage war: Sollten sie bleiben oder zurückgeschickt werden?

In einem zweiten Schritt wurden in Peru Online-Umfragen durchgeführt, als Alternative zu den ursprünglich geplanten Workshops, die aufgrund der Covid-19-Pandemie nicht durchgeführt werden konnten. Dabei wurde die Position der Peruaner*innen zu den in Berlin befindlichen Stücken, ihren gegenwärtigen kulturellen Wert und die Notwendigkeit einer Resozialisierung im Falle ihrer Rückgabe erfragt. Bei den Umfragen wurden die Meinungen von mehr als 60 Personen in Form von Texten und Sprachnotizen gesammelt, die Themen wie Bildung, Naturschutz und Tradition berührten.

In Zusammenarbeit mit dem Theater Vichama in Villa el Salvador und mit Unterstützung des Goethe‑Instituts Lima entstand eine Fotointervention im öffentlichen Raum, die die Meinung und kulturelle Verbundenheit der Peruaner*innen mit ihrem kulturellen Erbe und über die mögliche Rückgabe der Stücke an Peru offenbart.

Nach dieser Metapher der Rückgabe, in welcher die Kunst Amerikas, Asiens, Ozeaniens und Afrikas an ihre Ursprungsorte zurückkehrt, wird das Museum zu einem leeren Museum, zu einem Museum Nullius. Die Dokumentation des Projekts sowie die Ergebnisse der Interventionen werden in Form eines Videos im Modul 21 des Humboldt Forums präsentiert.

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