Das auf Nationalstaatlichkeit beruhende Konzept überdenken Öffnet die Archive!

Kolonialgeschichte: Stefanie Schulte Strathaus im Interview
Stefanie Schulte Strathaus im Interview | © Goethe-Institut

Wie kann ein Archiv ein lebendiger Ort bleiben und wie können sowohl Kunstschaffende als auch das Kinopublikum einen Einfluss darauf haben? Das Arsenal Berlin trotzt allen Konventionen und definiert den Umgang mit Archivmaterial neu.

Von Teresa Althen

Viele Filmarchive verstehen sich nach wie vor als Orte, an denen sensibles Filmmaterial konserviert wird, und erlauben nur sehr seltenen Zugriff darauf – besonders, wenn es dabei verändert oder bearbeitet werden könnte. Anders das Arsenal Berlin – Institut für Film und Videokunst e. V.: In einem Archiv von über 10.000 Filmen aus aller Welt hauchen Projekte mit Kunst- und Filmschaffenden den verstaubten Materialien neues Leben und neue Bedeutung ein.

Für Co-Direktorin Stefanie Schulte Strathaus ist es höchste Zeit, das auf Nationalstaatlichkeit beruhende Konzept der Archive grundsätzlich zu überdenken. Bisher ist die Arbeit der Filmarchive davon geprägt, Originale zu sichern und ihnen als Kulturerbe einen Platz in der Gegenwart zu geben. Die große Zahl von Filmen aus kolonialen Archiven und von Dokumenten antikolonialer Befreiungskämpfe erfordern ein neues Denken über die Zukunft des Archivs und eine veränderte archivarische Praxis. Schulte Strathaus ruft dazu auf, neue Wege zu gehen, denn „ein Film ist erst ein Film, wenn er gezeigt wird. Und ein Archiv kann nur leben, wenn es seine Türen öffnet.“ So arbeitet das Arsenal Berlin eng mit Kunst- und Filmschaffenden zusammen, um die Filme des Archivs – über​ Sichtung und Forschung im Rahmen von zeitgenössischen Projekten – aus den Regalen, ins Leben und in die Gegenwart zu bringen: Nur dort kann man dekoloniales Denken fördern und veraltete Strukturen aufbrechen.

Ein Gespräch darüber, dass das Archiv neu verstanden werden muss, und darüber, dass man Neues kreieren muss, um Altes wiederzuentdecken.
 
(DE-)KOLONIALE FILMARCHIVE

Filmmaterial, das in kolonialen Kontexten entstanden ist, wird größtenteils in europäischen Archiven verwahrt. Nur ein Bruchteil dieses Materials entstand aus der Perspektive der Kolonisierten selbst. Wem gehört dieses Material? Wie und wem sollte es zugänglich gemacht werden? Warum werden einige dieser Archive dem Verfall überlassen und was kann man dagegen tun? Erfahrungsberichte und Visionen von Expert*innen.