Bias und Übersetzung
Workshop für Übersetzer*innen

23.-24. April | Online
jeweils 10-15.30 Uhr MEZ


Das Goethe-Institut lädt Übersetzer*innen, Studierende der Übersetzungswissenschaften sowie Übersetzungswissenschaftler*innen zu einem zweitägigen Workshop zum Thema Bias und Übersetzung ein.

Der Workshop richtet sich v.a. an Teilnehmer*innen aus Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, dem Vereinigten Königreich, Irland und den Niederlanden, die aus dem Deutschen übersetzen, aber auch Teilnehmende aus anderen Ländern sind willkommen. 

Auge, Sprechblasen und Mund. © Goethe-Institut. Illustration: EL BOUM Das Goethe-Institut lädt Übersetzer*innen, Studierende der Übersetzungswissenschaften sowie Übersetzungswissenschaftler*innen zu einem zweitägigen Workshop zum Thema Bias und Übersetzung ein.

Der Workshop richtet sich v.a. an Teilnehmer*innen aus Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, dem Vereinigten Königreich, Irland und den Niederlanden, die aus dem Deutschen übersetzen, aber auch Teilnehmende aus anderen Ländern sind willkommen. 

Sprache ist nie neutral, die Wörter, die wir wählen, um Dinge oder Meinungen auszudrücken, stammen aus unseren Erfahrungen, Haltungen und Ansichten. Dasselbe gilt auch für Übersetzungen. Dies wird in manchen Bereichen besonders deutlich: wenn wir über Themen wie Geschlecht, Herkunft und Identität schreiben oder Texte dazu übersetzen, ist eine besonders sensible Herangehensweise erforderlich, um Bias nicht zu reproduzieren.


Ziel des Workshops ist, Übersetzungen von solchen Begriffen aus dem Deutschen in andere Sprachen zu diskutieren und Lösungen in den verschiedenen Sprachen der Teilnehmer*innen für einen bias-bewussten Gebrauch von Sprache und Übersetzung zu finden.  


Der Workshop

Wann?
23.04.-24.04., Online via Zoom

Was?
Am ersten Tag, Freitag 23.4. liegt der Fokus auf der Diskussion von Bias sowie auf unserer Position als Nutzer*innen und Übersetzer*innen von Sprache. Wir werden uns die Ursprünge von Bias in der Sprache ansehen - die von Menschen gemacht sind, und von maschineller Übersetzung noch verstärkt werden können. Wie können wir diese Werkzeuge benutzen und wo müssen wir vorsichtig sein?

Die Expert*innen Madeleijn van den Nieuwenhuizen, Danielle Saunders, Emilia Roig, Imke Brodersen und Illi Anna Heger werden Einführungs-Vorträge geben.

Programm 23.4. (alle Vorträge auf Englisch)
10.00 (MEZ) Vorstellung des Projekts
10.15 – 11.00 Madeleijn van den Nieuwenhuizen: Sprache und Macht
11.00 – 11.45 Danielle Saunders: Gender in der maschinellen Übersetzung

12 – 13 Mittagspause (zum Kennenlernen und Vernetzen)

13.00 (MEZ) Vorstellung des Programms 
13.15 – 13.45 Dr. Emilia Roig: Why Intersectionality is not a luxury
13.45 – 14.15 Imke Brodersen: Beeinflussen Übersetzungsmaschinen die Gender-Wahrnehmung?
14.15 – 14.45 Illi Anna Heger: Wie xier-Pronomen eine Benennungslücke im Deutschen füllen

14.45 –15.30 Abschlussdiskussion und Vorbereitung des Workshop-Tags.

Nach den Vorträgen ist jeweils Zeit für Diskussion.
 
Der Fokus des zweiten Tags liegt auf Gruppenarbeit mit Texten und Begriffen in Bezug auf die Begriffsfelder Geschlecht, Herkunft und Identität. Die Gruppenarbeiten werden gemeinsam evaluiert und die Ergebnisse des Workshops diskutiert.

Die Sprachen des Workshops sind Englisch und Deutsch.

Moderation des gesamten Workshops: Maia Kahlke Lorentzen

Wir benutzen Zoom für den Workshop. Die Anmeldung für den Workshop war bis 18.04.2021 möglich.

 

Praktisches

Wir bieten an beiden Tagen die Möglichkeit zum gemeinsamen Mittagessen an, bei dem sich die Teilnehmenden in lockerer Runde vernetzen und austauschen können. 

Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos. 

Für weitere Informationen, Vorschläge oder Fragen kontaktieren Sie uns bitte per E-Mail.
 

Redner*innen


Madeleijn van den Nieuwenhuizen ist Rechtshistorikerin und Medienkritikerin in den Niederlanden. Sie erhielt ihren Master an der Columbia University in politischer Geschichte und ist derzeit Fulbright-Doktorandin an der City University of New York. Im Jahr 2016 gründete sie den medienkritischen Instagram-Account @Zeikschrift, der Stereotypisierung, Fehlinformationen und ausgrenzende Sprache in niederländischen Medien untersucht. Er hat mittlerweile über 80.000 Follower*innen. Madeleijn interessiert sich für Ungleichheit, Sprache und Macht sowie Medienethik. Sie schreibt Kommentare für die Zeitungen NRC und Parool, Essays für VOGUE Niederlande und hat ihren eigenen Newsletter Vrijschrift. Die Zeitschrift Opzij setzte sie in die Top 10 der einflussreichsten Frauen in den Medien in den Niederlanden. Sie lebt normalerweise in New York, verweilt aber seit einem Jahr wegen der Covid-19-Pandemie in Europa.

Danielle Saunders ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei SDL (einem Unternehmen für intelligente Sprachen und Content) und arbeitet an maschineller Übersetzung. Im Rahmen ihrer Promotion hat sie sich mit der Frage beschäftigt, wie maschinelle Übersetzung für die Übersetzung neuer Themen adaptiert werden kann, z. B. beim Übergang von der Nachrichtenübersetzung zur wissenschaftlichen Übersetzung. Dadurch begann sie sich für die Art und Weise zu interessieren, wie gut oder schlecht maschinelle Übersetzung mit Gender zurechtkommt, und sich mit der Frage zu beschäftigen, ob ähnliche Adaptions- oder "Unlearning"-Ansätze dies verbessern könnten.

Dr. Emilia Roig (sie/ihr) ist Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice (CIJ) und Autorin des Buches „WHY WE MATTER. Das Ende der Unterdrückung“. Sie ist Dozentin im Social Justice Study Abroad Program der DePaul University of Chicago und lehrt zu Intersektionalitätstheorie, Postkoloniale Studien, kritische Rassismusforschung und internationalem und europäischem Recht. Von 2007 bis 2010 arbeitete sie intensiv im Bereich der Menschenrechte bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Tansania und Uganda, bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kambodscha und bei Amnesty International in Deutschland. Sie hat in Politikwissenschaft promoviert, hat einen Master of Public Policy und einen MBA in Völkerrecht. Sie ist Jurymitglied des Deutschen Sachbuchpreises 2020 und war in der Jury des 25. Frauen Awards der Edition F in 2019. Sie wurde 2020 als Ashoka Fellow ernannt.

Imke Brodersen ist eine deutsche Literaturübersetzerin. Seit 1991 hat sie rund 200 Romane, Sachbücher und Ratgeber aus dem Englischen und Spanischen ins Deutsche übersetzt, im Sachbuchbereich bevorzugt mit medizinisch-psychologischem Hintergrund. Aus der pragmatischen Auslotung aktueller technischer Möglichkeiten erwuchs 2019 ihr Vortrag „Die Lernkurve von DeepL“ für die BDÜ-Fachkonferenz in Bonn und die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Geist in Maschinen. Übersetzung in Zeiten künstlicher Intelligenz“ am Übersetzertag des Literarischen Colloquiums Berlin. Im Rahmen ihrer Mitarbeit in der Blogredaktion des Übersetzerverbands DVÜD beobachtet sie den Sprachwandel beim Gendern und greift regelmäßig Entwicklungen bei maschineller Übersetzung auf, auch deren Auswirkungen in Bezug auf Vergütung und Copyright.

Illi Anna Heger veröffentlicht Comics und anderen Formen von grafischem Storytelling. Heger ist nichtbinär  trans, ursprünglich aus Berlin und lebt in München. Seit 2009 entwickelt Heger Pronomen ohne Geschlecht. Diese xier-Pronomen sollen eine Benennungslücke in der deutschen Sprache füllen. Das Erlernen verschiedener Sprachen hat sehr dabei geholfen die Strukturen der eigenen Muttersprache zu entheddern. Xier, xies und alle weiteren Formen wurden kontinuierlich verbessert und werden mittlerweile auch in Büchern, Artikeln oder Untertiteln verwendet.