Online-Korrespondenzen EU DIGITAL FUTURES

Unfold, Elena Falomo
© Elena Falomo
Spätestens seit der Corona-Krise ist einer breiten Öffentlichkeit klar geworden, dass fast alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens früher oder später ins Digitale übersetzt werden. Die Bedingungen, unter denen diese Transformation stattfinden wird, sind jedoch noch zu verhandeln.
 
Welche Werte sollen unser digitalisiertes Leben leiten? Wie sieht eine demokratische Digitalisierung aus? Wie kann sich die Zivilgesellschaft ihrer zentralen Rolle im digitalen Transformationsprozess bewusst werden und sie ausüben?
 
Um einen Austausch über Grenzen und Disziplinen hinweg zu fördern, veranstaltete das Goethe‑Institut im Mai und Juni 2021 zusammen mit dem Grassroots-Think Tank Polis180 einen fünfwöchigen digitalen Dialog zur europäischen Digitalpolitik unter dem Motto „EU Digital Futures“.
 
Fünf Tandems mit jeweils einem*r Vertreter*in aus den Bereichen Datenwissenschaft und Kunst widmeten sich in einem freien Format einem wöchentlich wechselnden Schwerpunktthema. Durch die künstlerische Perspektive beleuchten wir weitere Facetten dieser oft technisch und ökonomisch orientierten Debatten und bauen spielerische und sinnliche Brücken zu diesen komplexen Themen für einen gemeinsamen Austausch mit allen Bürger*innen.
 
In den fünf digitalen Korrespondenzen traten die interdisziplinären Tandems in einen Dialog zu folgenden Fragen:
 
Thema 1: Europäische Werte und Digitalisierung – wofür stehen wir?
 
Team
Marco Antelmi, bildender Künstler und „Technik-Theoretiker“ / Italien
 
Bennet Etsiwah, Doktorand am Weizenbaum-Institut / Deutschland
 
Erste Ergebnisse
Meta Refresh EU Values
 
Marco Antelmi und Bennet Etsiwah kreierten eine Website, die alle sieben Sekunden die Werte der Europäischen Union erneuert und damit ein Nachdenken über die Bedeutung von Werten, deren Dauer und deren Wandel als soziale Konstrukte auslösen soll.
 
 
Thema 2: Daten sind überall – was sind die Schlüsselfaktoren für einen demokratischen Umgang mit Daten und wie können wir einen aufgeklärten Diskurs in der Zivilgesellschaft ermöglichen?
 
Team
Tiz Creel, Künstlerin, Teilnehmerin am KI-Residenzprogramm / Großbritannien

Martin Skrodzki, Forscher der Computer Graphics and Visualization group an der TU Delft / Niederlande

Erste Ergebnisse
Random Questions: The Test
 
Tiz Creel und Martin Skrodzki arbeiteten zusammen an einem Experiment, das von dem in den 2000er‑Jahren sehr beliebten Format des Persönlichkeitsquiz inspiriert war. Absicht des Experiments war es, persönliche biometrische Daten basierend auf scheinbar zufälligen Fragen abzuleiten. Tiz Creel und Martin Skrodzki formulierten hierfür vier Fragen, um Informationen zu gewinnen, ohne dass die Teilnehmer*innen etwas davon wussten …
 
 
Thema 3: Künstliche Intelligenz – Was sind die Voraussetzungen für ein Vertrauen in KI-Systeme und welche Entscheidungen überlässt man diesen Systemen überhaupt?
 
Team 
Tom O’Dea, Künstler und künstlerisch-praktischer Forscher / Irland
 
Mathias Riechert, Strategic PM & Data Science Coordination at Allianz Digital Health / Deutschland
 
Erste Ergebnisse
Can AI be trusted?
 
Tom O’Dea und Mathias Riechert nutzten die Plattform Kialo, um ihre Debatte über Künstliche Intelligenz in einer Art interaktiven Baumdiagramm mit Pro- und Contra-Argumenten abzubilden. Das Diagramm verrät, dass man auf der einen Seite KI vertrauen kann, zum Beispiel „wenn die KI-Modelle transparent, erklärbar und interpretierbar sind sowie mit unvoreingenommenen Daten trainiert werden“. Doch andererseits „treffen die meisten KI-Techniken Entscheidungen auf der Basis von Faktoren, die außerhalb des Systems nicht kommuniziert werden können“.
 
 
Thema 4: Kampf gegen Fehlinformationen, Online-Betrug und Datenschutzverletzungen – wie können unsere Grundrechte bei der Nutzung digitaler Dienste am besten geschützt werden?
 
Team
Elena Falomo, Designerin, Künstlerin und Ingenieurin / Italien
 
Matthias C. Kettemann, Forschungsprogrammleiter „Regelungsstrukturen und Regelbildung in digitalen Kommunikationsräumen“ am Hans-Bredow-Institut / Deutschland
 
Erste Ergebnisse
Fight for the Net – Card Game
 
Elena Falomo und Matthias Kettemann haben begonnen, an einem Kartenspiel zu arbeiten. Mit fightforthe.net wollen sie Spieler*innen jeden Alters die verschiedenen Akteur*innen der Online‑Fehlinformation, Desinformation, Hoaxes und Verschwörungstheorien entdecken lassen.
  • Kampf gegen Fehlinformationen, Online-Betrug und Datenschutzverletzungen © Elena Falomo, 2021
  • Kampf gegen Fehlinformationen, Online-Betrug und Datenschutzverletzungen © Elena Falomo, 2021
  • Kampf gegen Fehlinformationen, Online-Betrug und Datenschutzverletzungen © Elena Falomo, 2021
  • Kampf gegen Fehlinformationen, Online-Betrug und Datenschutzverletzungen © Elena Falomo, 2021
Thema 5: KI und Inklusion – für wen und von wem werden KI-Anwendungen entwickelt?
 
Team
Hannah Pelikan, Doktorandin an der Linköping Universität / Schweden
 
Tereza Hendl, Postdoktorandin und Projekt-Co-Leiterin im Projekt „META – mHealth: Ethische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte im Technologiezeitalter“ an der Universität Augsburg / Deutschland
 
Yifan He, Künstlerin / Großbritannien
 
Erste Ergebnisse
Gather Town map: AI for whom and by whom

Hannah Pelikan, Tereza Hendl und Yifan He erstellten mit der Plattform Gather Town eine große Karte, die verschiedene Perspektiven zum Thema "KI und Inklusion" aufführt. Sie sammelten hierfür Artikel, Chats, Zitate von Aktivist*innen, Künstler*innen und Forscher*innen sowie viele andere Materialien, um damit eine kritische Reflexionen über ungleiche soziale Strukturen anzuregen, in die KI und digitale Tools eingebettet sind ...
KI und Inklusion © Yifan He, 2021

Präsentationen

Zum Abschluss konnten sich alle Teilnehmenden im Rahmen einer Veranstaltung bei der Konferenz zur Zukunft Europas am 30. Juni 2021 noch einmal untereinander und mit den Bürger*innen Europas über ihre Forderungen und Fragen austauschen. Am 7. Juni 2021 teilte das erste Tandem im Rahmen der „Langen Nacht der Ideen“ seine Erkenntnisse mit den Zuhörer*innen:
 
EU DIGITAL FUTURES bei der LANGEN NACHT DER IDEEN

7. Juni 2021, 19:00–20:00 Uhr MESZ
 
Bei der „Langen Nacht der Ideen“ wird unser erstes Tandem – bestehend aus dem profilierten Medienforscher Matthias Kettemann und der Designerin und Ingenieurin Elena Falomo – die Erkenntnisse und offenen Fragen aus ihrem Austausch mit dem Publikum teilen. Anhand von Elenas künstlerischen Arbeiten mit dem Kollektiv „News World Order“, das spekulative Medienplattformen gegen Fake News oder eine interaktive Soundinstallation zur Manipulation von Nachrichtenstimmen zwischen „Trumpiness“ und „Truthfulness“ entwickelt hat, wollen wir mit Ihnen die Frage diskutieren:
Wie können unsere Grundrechte bei der Nutzung digitaler Dienste am besten geschützt werden?
 
Teilnehmende:
Elena Falomo, Designerin, Ingenieurin und Künstlerin
Matthias Kettemann, Leibniz Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut
 
Moderation:
Violeta Mezeklieva
 
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.