Letter from the Editor Über die Zukunft in Krisenzeiten

Blaue und rote Farbwolken
© @rainbowunicornstudio

Menschen rund um den Globus haben in den vergangenen Monaten durch die Corona-Pandemie gelitten. Doch COVID-19 ist nicht die einzige Krise, mit der wir konfrontiert sind. Die Klimakrise und politische Krisen kommen für viele noch hinzu. Wie beeinflussen diese Krisen unseren Blick auf die Zukunft? Führen sie dazu, dass Menschen resignieren oder dazu, dass sie aktiv werden? Mithilfe welcher Strategien bleiben Communities widerstandsfähig und stärken ihren Zusammenhalt? 

Von Julia Kloiber

Seit mehr als einem Jahr leiden Menschen rund um den Globus unter der Corona-Pandemie. Die Pandemie hat die soziale Spaltung unserer Gesellschaften offengelegt und zu grundlegenden Veränderungen in der Art, wie wir leben und arbeiten, geführt. Ihre Unmittelbarkeit hat unser Verständnis für die anderen Krisen geschärft, mit denen wir konfrontiert sind: Ungleichheit, Autoritarismus und Klimawandel. 
 
Inmitten dieser Krisen mögen die Zukunftsaussichten düster erscheinen, aber wir sehen auch, wie Kreativität und Widerstandsfähigkeit entstehen. Wie neue Wege, Dinge zu tun, erdacht und erprobt werden. Die Solidarität wächst.
  
In dieser Ausgabe des Ding-Magazins haben wir Aktivist*innen, Künstler*innen und Schriftsteller*innen aus der ganzen Welt eingeladen, ihre Gedanken über die Zukunft in Zeiten von Krisen zu teilen. In sieben Essays reflektieren sie über dieses Jahr: Über die Not, die sie erlebt haben, und darüber, was sie hoffnungsvoll macht. Sie sprechen über ihre Communities und teilen Strategien für Resilienz und Zusammenhalt.
 
Joel Kwong und Eric Siu nehmen uns mit zur Protestbewegung in Hongkong, die sich von Hierarchien und Anführer*innen gelöst hat und fluide und formlos wie Wasser geworden ist. In ihrem Essay „Future Perfect Continuous“ schreibt Olia Sosnovskaya über ihr Heimatland Belarus. Ein Land, das im Sommer 2020 die größten Proteste seiner Geschichte erlebt hat. Sie schreibt darüber, wie Menschen die Zukunft erproben, indem sie die Gegenwart durchleben. Pirate Care aus Kroatien rückt Initiativen und Werkzeuge für soziale Gerechtigkeit und Pflege in den Fokus, die Praktiken der Reparatur, Pflege und Instandhaltung inspirieren. Praktiken, die letztendlich auch den Aufbau von offenen, ethischen und fairen Strukturen für alle ermöglichen könnten.
 
Selbst wenn unsere Instinkte uns Gegenteiliges glauben lassen: Es gab nie einen besseren Moment, über die Zukunft nachzudenken, als heute. Dinge, die unmöglich scheinen, könnten möglich sein – aber nur, wenn wir uns trauen, sie uns vorzustellen und zu artikulieren. Die sieben Essays dieser Ausgabe sind eine Einladung dazu.
 
Dieses Magazin ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut und Superrr Lab. Es wurde co-kuratiert von Martina Puchberger, Irini Papadimitriou, Michelle Thorne, Jon Rogers und Elisa Lindinger. Gestaltung: Rainbow Unicorn. Lektorin: Katherine Waters.

Digitale Poster-Publikation des Magazins: