bauhaus reuse, Ernst-Reuter-Platz, Berlin, Deutschland

Bauhaus Reuse © bauhaus reuse (BHR)

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Trends, welche den Aufstieg der Moderne begleiteten, verweist das Festival auf aktuelle Herausforderungen der Stadtentwicklung und auf Problemfelder im Stadtraum.

Der Berliner Ernst-Reuter-Platz ist in dieser Hinsicht ein geradezu beispielhaftes Projekt der Nachkriegszeit und ein überaus spannender Ort. Seine Aufgabe war es, einen klaren Kontrast zur nationalsozialistischen Vergangenheit zu bilden. Im Rahmen seiner offenen und großräumigen Anordnung konzentriert sich hier das Erbe des Modernismus der Nachkriegszeit. Der Platz ist von einem vierspurigen Kreisverkehr eingeschlossen; zunächst war der Platz, an dem wir heute die verschiedenen Spuren seiner Entwicklung ablesen können, für einen autofahrerfreundlichen Verkehr konzipiert worden. Heute finden sich am Ernst-Reuter-Platz zwei stark frequentierte Universitäten, sodass hier universitärer Trubel herrscht. Zugleich wird man hier mit der Mannigfaltigkeit der Bevölkerung und der heutigen städtischen Landschaft konfrontiert.

 
Vor dem Hintergrund der Vermischung verschiedener Stile aus verschiedenen Zeiten stellt der Pavillon bauhaus reuse einen intervenierendes Diskursmedium zwischen dem heterogenen Erbe des Platzes und konkreten Fragen für die Städte von heute und morgen dar.

 

Nationalgalerie Prag, Tschechien

Messepalast Messepalast | © NG Prague


Prag ist als einstiges Zentrum der modernistischen Avantgarde ein geradezu idealer Ort zur Diskussion über die Beziehung zwischen Bauhaus und Funktionalismus sowie für den Austausch von Gedanken über die Moderne mittels persönlicher Kontakte, Printmedien und direkter wie indirekter Netzwerke. Dieses Netz war früher sehr dicht und durchzog ganz Mitteleuropa, denn von hier kamen viele der Studenten und Lehrer des Bauhauses, so wie etwa Karel Teige, László Moholy-Nagy und Lucia Moholy. Zeitgleich hatten Architekten in Prag und anderen Städten Mitteleuropas unabhängig voneinander eigene architektonische und künstlerische funktionalistische Ideen.

In den jungen mitteleuropäischen Republiken der 1920er Jahre trug der Funktionalismus, welcher bei öffentlichen wie privaten Bauten breite Verwendung fand, einen Drang zur Emanzipation in sich.
  Der Messepalast (Veletržní palác) der Prager Nationalgalerie war eines der bedeutendsten Bauvorhaben der noch jungen Tschechoslowakischen Republik und das größte funktionalistische Gebäude seiner Zeit. Er wurde für das Abhalten von Messen konzipiert und 1928 fertiggestellt. Seit den 1990er Jahren wird er als Galerie genutzt. Mit Hinblick auf seine Geschichte stellt der Messepalast ein perfektes Umfeld für die Kontextualisierung der Moderne, ihrer Geschichte und ihrem emanzipatorischem Potential dar.

PLATO Ostrava, Tschechien

PLATO Ostrava PLATO Ostrava | © Martin Polák, PLATO
Als Ort für die Eröffnung des Festivals re:bauhaus wurde die Galerie für zeitgenössische Kunst PLATO in Ostrava gewählt – und das nicht ohne Grund: Die Halle mit einer Fläche von 5000 m² wurde ursprünglich vom Baumarkt BAUHAUS genutzt. Die Entscheidung für PLATO fiel allerdings noch aus weiteren Gründen: so wegen dem Blick auf aktuelle Entwicklungen wie der „Rückkehr zum Handwerk“, einer ausgezeichneten Zusammenarbeit und Performativität. In der Galerie Plato konzentriert sich das Festival auf einige inspirierende Aspekte der Anfangszeit des Bauhauses und schafft so auch Raum zur Reflexion der derzeitigen Praxis auf dem Gebiet der künstlerischen Erziehung.

Ostrava ist die größte Stadt der Region, in der drei Nationalitäten aufeinandertreffen – Tschechen, Slowaken und Polen – und bildet so einen perfekten Ort, um den Dialog zwischen der Moderne und Mitteleuropa zu suchen und zu außerdem zu erforschen, wie die verschiedenen politischen Ereignisse und Entwicklungen im Europa der Zwischenkriegszeit zusammenhingen. Das Ballungsgebiet war für Jahrhunderte als Oberschlesisches Kohlerevier bekannt und weist Ähnlichkeiten zum Ruhrgebiet auf.

Nach dem Ende des Kalten Krieges durchlief Ostrava und die Region ein weitreichender Strukturwandel. Wenngleich die hiesige Industrie noch aktiv ist, hat die Region heute eher postindustriellen Charakter und es finden sich hier zahlreiche Industriedenkmäler. Im Dreieck Ostrava – Kraków – Katowice beginnt sich derzeit ein kultureller und sozialer Austausch zu entwickeln –während die infrastrukturelle Verknüpfung noch immer nicht ausreichend entwickelt ist.