Filme über Stillstand
Sommerkino

Eine Collage aus Standbildern © Goethe-Institut e.V.

Diesen Sommer präsentierten wir unserem US-Publikum eine ganz besondere Filmreihe: Sechs deutsche Filme, die sich alle mit dem Stillstehen von Zeit, erzwungenen oder freiwilligen Pausen und der plötzlichen Unterbrechung des Lebens während der beginnenden Pandemie beschäftigen.

Karin Oehlenschläger

Stillstand im deutschen Film – die kreative Pause im Leben hat Filmemacher*innen schon immer fasziniert. Was passiert, wenn die Figuren „aus der Zeit fallen“, wie in Mein Ende. Dein Anfang? Wenn die Zeit einfach stehen bleibt? In Ulrich Köhlers In my Room, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Stillstand als Lösung, wenn man nicht mehr weiß, wie es weiter gehen soll – wie bei den Hauptdarstellern in Bungalow, Mein langsames Leben und Oh Boy. Warum wir alle über Stillstand nachdenken, thematisiert zum Auftakt der Fernsehfilm Die Welt steht still, der die Anfänge der Pandemie in Deutschland beschreibt. Hier konntet ihr die Filme jeweils eine Woche lang anschauen, gebührenfrei, mit englischen Untertiteln. 

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Filme in der Reihe

Pressefoto für „Die Welt steht still“ Foto: © ZDF 2002 Verfügbar vom 25.–31. Juli 2022
Die Welt steht still 
Regie: Anno Saul 
Deutschland 2021
90 Minuten

Als 2020 die Bilder aus Bergamo um die Welt gehen, ist auch allen Nichtmedizinern klar, was das Wort Pandemie bedeutet. Vier Tage später gelten auch in Deutschland Ausgangsbeschränkungen. Das Leben der Konstanzer Intensivmedizinerin Dr. Carolin Mellau und ihrer Familie steht Kopf. Carolin wird Mitglied des Krisenstabs und ist rund um die Uhr im Einsatz, um die Klinik in Rekordzeit auf den drohenden Ernstfall vorzubereiten. 

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Standbild von „In My Room“ Foto: © Grasshopper Films Verfügbar vom 1.–7.  August 2022
In My Room
Regie: Ulrich Köhler
Deutschland 2018
120 Minuten

Der 41-jährige Armin arbeitet als Freiberufler – allerdings bekommt er nicht sehr oft Aufträge. Deshalb hat Armin meist viel Zeit, aber wenig Geld. Die Situation gefällt ihm zwar nicht, aber eine andere Lebensweise kann er sich auch nicht vorstellen. Als Armin eines Morgen aufwacht, hat die Welt sich verändert: Es sieht zwar alles wie immer aus – aber sämtliche Menschen sind verschwunden. Nun muss Armin ganz auf sich gestellt in einer nahezu totenstillen und vollkommen menschenleeren Umgebung zurechtkommen. 

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Standbild von „Bungalow“ Foto: © Grasshopper Films Verfügbar vom 8.–14. August 2022
Bungalow
Regie: Ulrich Köhler
Deutschland 2002
85 Minuten

Im Mittelpunkt des ersten Spielfilms von Ulrich Köhler steht der 19-jährige Paul. Paul ist beim Bund, Rekrut, und auf dem Rückweg von einem Manöver begeht er Fahnenflucht. Er entfernt sich unerlaubt von seiner Truppe und versteckt sich im Bungalow seiner Eltern – im Niemandsland der hessischen Provinz. Während seine Eltern im Urlaub sind, wird Paul während seines Aufenthalts im Bungalow immer apathischer. Während einiger Sommertage entzieht er sich den Pflichten des Alltags und verliebt sich in die Freundin seines Bruders, was das Leben aller in seinem Umfeld durcheinanderbringt.  

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Standbild von „Mein Ende. Dein Anfang.“ Foto: © Global Screen Verfügbar vom August 15.–21. 2022
Mein Ende. Dein Anfang.
Regie: Mariko Minoguchi
Deutschland 2019
111 Minuten

Hatten Sie schon mal ein Déjà-vu? Sind Sie schon einmal einem Menschen begegnet, den Sie meinten, bereits zu kennen? Für Nora und Aron ist es Liebe auf den ersten Blick, als sie sich an einem verregneten Tag in der U-Bahn begegnen. Ihr Aufeinandertreffen war reiner Zufall, sagt Nora. Alles ist vorbestimmt, sagt Aron. Doch dann wird Aron plötzlich aus dem Leben gerissen. Für Nora bleibt die Zeit stehen. Sie betäubt ihren Schmerz, verbringt bald darauf die Nacht mit Natan, der wie durch Zufall immer wieder in ihrem Leben auftaucht. Er gibt Nora Halt. Sie hat das seltsame Gefühl, ihn bereits zu kennen, ahnt aber nicht, was sie wirklich verbindet … 

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Standbild von „Mein langsames Leben“ Foto: © Filmgalerie 451 Verfügbar vom 22.–28. August 2022
Mein langsames Leben
Regie: Angela Schanelec
Deutschland 2000
85 Minuten

Berlin, im Sommer. Valerie ist gerade in eine neue WG in Tiergarten gezogen. Jetzt sitzt sie mit ihrer besten Freundin Sophie in einem Café. Es ist eine Art Abschiedstreffen, denn Sophie wird demnächst für ein halbes Jahr beruflich nach Rom gehen. Über einen Zeitraum von sechs Monaten folgt der Film der stillen, ihre Umwelt genau beobachtenden Valerie durch ihr alltägliches, „langsames“ Leben. Sie verliebt sich in den Bruder ihrer Mitbewohnerin Marie, wird Zeugin von Maries Beziehungskrise, als diese zum Ärger ihres Freundes erneut schwanger wird, und muss lernen, mit der Krankheit und dem Tod ihres Vaters umzugehen. 

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Standbild von „Oh Boy“ Foto: © Music Box Films Verfügbar vom 29. August–4. September 2022
Oh Boy
Regie: Jan-Ole Gerster
Deutschland 2012
85 Minuten

Niko ist Ende Zwanzig, wohnt in Berlin, hat sein Jura-Studium schon vor zwei Jahren geschmissen und lässt sich seither mehr oder weniger ziellos durchs Leben treiben. Sein wohlhabender Vater, der von dem Studienabbruch nichts weiß, überweist ihm noch immer eine monatliche Unterstützung – bis jetzt. Denn eines Tages muss Niko feststellen, dass sein Konto leer ist: Der Geldautomat schluckt seine EC-Karte. Das aber ist erst der Anfang eines Tages, der für Niko alles andere als gut läuft. Er hat eine Reihe teils skurriler und aberwitziger, teils ernüchternder Begegnungen mit Nachbarn, Freunden, einer alten Klassenkameradin und natürlich mit seinem Vater. Dabei wird für Niko immer deutlicher, dass er seinem Leben dringend eine neue Perspektive geben muss. 

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