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Sydney - Lentil As Anything
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Die bunten Wände des Restaurants „Lentil As Anything“ laden zum Verweilen ein.
Die bunten Wände des Restaurants „Lentil As Anything“ laden zum Verweilen ein. | © Nina Trögeler

Das angesagte Viertel Newtown in Sydney könnte vielfältiger nicht sein. Egal ob Studenten, Arbeiter, Künstler oder Obdachlose: Jeder trägt seinen Teil zu dem urbanen Flair des Stadtteils bei. Ein Ort, an dem sie alle zusammenkommen, ist das Restaurant ‚Lentil As Anything‘. Der Name ist angelehnt an die australische Rock-Band ‚Mental As Anything‘. Neben dem Restaurantbetrieb gibt es wohltätige soziale Projekte, die den Menschen und der Umwelt zu Gute kommen. 

Von Nina Trögeler

Die Wände des Restaurants sind bunt. Genauso bunt wie seine Gäste und das Team, das aus vielen freiwilligen Helfern und einer Hand voll Mitarbeitern besteht. Seit der Eröffnung vor vier Jahren werden hier täglich hungrige Menschen satt, die sich ein warmes Essen aus eigener Tasche nicht leisten können.

Alles begann im Jahre 2000 als der Gründer Shanaka Fernando sein erstes gemeinnütziges Restaurant in Melbourne eröffnete. Die Idee: Jeder zahlt so viel wie ihm das Essen wert ist und was sein Geldbeutel hergibt. Das fand schnell Anklang. Mittlerweile gibt es in Australien insgesamt vier Lokale an den Standorten Melbourne und Sydney.

Das srilankische Curry: Der unter den Stammgästen sehr beliebte Klassiker Das srilankische Curry: Der unter den Stammgästen sehr beliebte Klassiker | © Nina Trögeler

Soziökonomische Barrieren durchbrechen

„Was muss getan werden, damit alle Menschen zusammenkommen und gemeinsam essen können? Geld ist offensichtlich eine Hürde für die Menschen. Also hatte ich die Idee, dass wir ihnen diese Hürde nehmen, indem wir den Leuten gestatten den Betrag beizusteuern, den sie können.“, sagt Shanaka Fernando in einem Interview mit dem PICKLE Magazine. Das „Zahl-was-du-kannst“ System bei Lentil As Anything durchbricht die sozioökonomische Barriere. Niemand wird aufgrund seiner mangelnden finanziellen Möglichkeiten von der Gesellschaft ausgeschlossen. „Zahl-was-du-kannst“ bedeutet, dass der Gast frei entscheidet, wie viel Geld ihm die Mahlzeit wert ist. Als Orientierungshilfe liegen auf den Tischen Informationsflyer mit Preisempfehlungen aus. Eine Spende von zehn Australischen Dollar deckt die Kosten für das eigene Essen sowie einen Teil der Betriebskosten ab und eine Spende von 15 Dollar alle anfallenden Kosten für eine Portion. Jeder Betrag, der darüber hinausgeht, ermöglicht jemandem mit geringem oder gar keinem Einkommen eine warme Mahlzeit. Die Spendenbox steht am Ausgang, sodass jeder frei von Wertung entscheiden kann, wie viel Geld er beisteuern möchte.
 
Die Spenden werden in der Magic Box gesammelt. Die Spenden werden in der Magic Box gesammelt. | © Nina Trögeler

Zeit als Zahlungsmittel

Anstatt Geld in die Spendenbox zu werfen, kann man seine Zeit spenden und im Tagesgeschäft des Restaurants mithelfen. Jährlich unterstützen mehr als 500 Freiwillige das gemeinnützige Restaurant. Ihre Motive sind sehr unterschiedlich. Die einen machen es aus der Not heraus, da sie für ihr Essen nicht mit finanziellen Mitteln aufkommen können. Die anderen, um ihre Sprachkenntnisse und gastronomischen Fähigkeiten zu verbessern oder um soziale Kontakte zu knüpfen. Egal welche persönliche Motivation dahinter steckt, Lentil As Anything ist eine Anlaufstelle für jeden Bürger. „Jeder kann ein Teil davon sein. Es dreht sich alles um Integration“, sagt mir die Community Managerin Nicole Khoury im persönlichen Gespräch. Isolierung gäbe es hier nicht. Die Tische sind zu langen Tafeln zusammengestellt, sodass Fremde zu Freunden werden. Das gesamte Menü besteht aus veganen Speisen. Der Grund dafür ist, dass diese Ernährung die allumfassendste ist. Egal welche religiösen Werte man vertritt oder welche speziellen Ernährungsgewohnheiten man hat, veganes Essen ist für jeden zugänglich.

Das Speiseangebot wechselt täglich und das Essen wird frisch zubereitet. Die Köche haben die Möglichkeit sich frei zu entfalten und kochen das, was sie möchten. Das sri-lankische Curry ist der Klassiker und unter den Stammgästen sehr beliebt. Da bei Lentil As Anything in Newtown täglich rund 500 bis 600 Speisen über den Tresen gehen, werden viele Lebensmittel benötigt. Dabei wird großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Diese spielt neben der sozialen Integration eine tragende Rolle im Alltag des Restaurantbetriebs.

Food without borders‘ für Nachhaltigkeit

Ein Projekt, welches von Lentil As Anything ins Leben gerufen wurde, ist Food without borders. Das Ziel ist es noch haltbares Essen vor der Mülldeponie zu bewahren. Jedes Jahr werden allein in Australien rund 3,1 Tonnen2 haltbares Essen in den Müll geworfen. Diese enorme Lebensmittelverschwendung zieht einen hohen Kostenfaktor sowie vermeidbare Umweltbelastungen mit sich. In Zusammenarbeit mit SecondBite und Food Bank werden Nahrungsmittel, die die lokalen Geschäfte nicht mehr verkaufen dürfen, gerettet und in den Lentil As Anything Küchen verwertet. Beides sind nationale Organisationen, die gegen den Hunger in Australien und die Lebensmittelverschwendung ankämpfen. Sie nehmen unter anderem Spenden von Bauern und Großhändlern entgegen. Diese werden entweder direkt an die Bürger verteilt oder zur Verwertung in den Restaurantküchen weitergeleitet. Die Annahmekriterien für die Essensspenden sind hoch, um die Qualitäts- und Hygienestandards zu sichern.

Ein weiteres Projekt ist der The Inconvenience Store in Melbourne. In diesem Supermarkt werden ausschließlich gespendete vegane Lebensmittel verkauft, die ansonsten in der Tonne landen würden. Mit einem Einkauf hilft man aktiv gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen, man entlastet die Umwelt und stärkt die Gemeinde. Das Team besteht auch hier aus freiwilligen Helfern und der Kunde entscheidet selbst wie viel er für den Einkauf zahlen möchte.

Mehr als nur Essen

Die Integration findet nicht ausschließlich durch Essen statt. In der oberen Etage des Restaurants in Newtown befindet sich das Open Space. Dort werden gemeinschaftliche Aktivitäten auf „Zahl-was-du-kannst “- Basis angeboten. Das Programm reicht von Salsa-Unterricht über Yoga-Kurse bis hin zu gemeinsamer Meditation. Es werden keinerlei Kenntnisse vorausgesetzt und jeder ist eingeladen teilzunehmen. Zudem können Künstler ihre Werke im Laden ausstellen und Musiker die Ohren der Gäste mit ihrer Live-Musik verwöhnen.

Für manche mag es bloß ein Restaurant mit einer interessanten Bezahlungsmethode sein. Für die meisten ist es jedoch viel mehr als das. Lentil As Anything steht für Gemeinschaft, Wohltätigkeit und Nachhaltigkeit. Die Stammgästin Cassy Judychair sagt: „Lentil As Anything spiegelt den Querschnitt der Gesellschaft wieder. Hier treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander, von denen manche durch schwere Zeiten in ihrem Leben gehen. Lentil As Anything verbindet Menschen.“  
Das Programm im Open Space: Salsa, Yoga und Meditation für jeden Das Programm im Open Space: Salsa, Yoga und Meditation für jeden | © Nina Trögeler

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