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Der grenzenlose Shop: Menschen durch Zero Waste verbinden

 The Hive bietet ein breites Sortiment von Lebensmitteln über Kosmetik bis zu Haushaltsprodukten.
The Hive bietet ein breites Sortiment von Lebensmitteln über Kosmetik bis zu Haushaltsprodukten. | © Stacy Liu

„Ich war für einige Zeit die einzige Kundin“, sagt Claire Sancelot über die Eröffnung von Malaysias erstem Zero Waste Konzeptladen The Hive Bulk Food im Jahr 2016. Als leidenschaftliche Vertreterin von Zero Waste (ein Konzept, das sich auf eine nachhaltige Lebensweise durch die '6Rs‘ fokussiert: Refuse, Reduce, Reuse, Repurpose, Recycle, Rot) öffnete Claire ihren Shop in Kuala Lumpur, in dem sie eine bescheidene Auswahl an verpackungsfreien, nachhaltig hergestellten getrockneten Nahrungsmitteln und Gütern verkauft. Seitdem ist das Sortiment von The Hive auf über 300 Nahrungsmittel gestiegen und der Shop wurde ein einzigartiger Ort für Kunden, um mehr über verschiedene Kulturen und Gemeinschaften zu erfahren.

Von Stacy Liu

Die studierte Betriebswirtin Claire wuchs in Frankreich auf und lernte die Wichtigkeit des Wiederverwendens und Recycelns von ihren Eltern. Den Anstoß, eine Zero Waste Lebensweise anzunehmen, bekam sie erst mit der Geburt ihrer Zwillinge; der hohe Anstieg an Müll bewegte sie und ihren Mann zu dem Wandel. „Ich fing im Jahr 2010 an, nach dem Zero Waste Prinzip zu leben. Es war eine vor allem spaßige und befreiende Erfahrung“, sagt sie.
 
Zu der Zeit lebte Claire in Hong Kong und startete den ‚Zero Waste Hong Kong‘ Blog, um ihre Erfahrungen mit der Zero Waste Lebensweise in der Stadt zu dokumentieren. In die Öffentlichkeit zu gehen ermöglichte es ihr, ein Bewusstsein für die Vorteile einer nachhaltigen Lebensweise zu schaffen und die Menschen zu ermutigen, einen Aspekt – wenn nicht die ganze Philosophie -  des Zero Waste Konzepts umzusetzen.

 Die getrockneten Lebensmittel werden in selbst mitgebrachte Behälter gefüllt.© Stacy Liu
Im Jahr 2015 zogen Claire und ihre Familie nach Kuala Lumpur um. Ihr eifriger Versuch, neue nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten für essentielle Waren zu finden, lies sie bald entdecken, dass die Zero Waste Bewegung in Malaysia nicht existierte. „Sie war non-existent“, erinnert sich Claire, und wie jede andere sich entwickelnde Nation, steht auch Malaysia eigenen Herausforderungen des Müllmanagements gegenüber.
 
Laut eines im The Star veröffentlichten Artikels aus dem Jahr 2016 zeigte eine Studie der Public Cleansing Corporation (SWCorp Malaysia), einer staatlichen Agentur, die sich mit festem Müll auseinandersetzt, dass Malaysier ungefähr 38.000 Tonnen Müll pro Tag produzieren, davon 15.000 Tonnen Essensabfälle. Die Forschung zeigte weiterhin, dass 3.000 Tonnen von diesen Essensabfällen – bestehend aus essbaren Lebensmitteln, die von Händlern und Konsumenten entsorgt werden, und abgelaufenen Lebensmitteln – durch das sorgfältige Planen von Mahlzeiten hätten vermieden werden können.

Eine Studie, die 2015 im Science Magazine veröffentlicht wurde, berichtete außerdem, dass Malaysia weltweit der achtgrößte Produzent von schlecht verwaltetem Plastikmüll ist und jährlich eine Million Tonnen schlecht verwalteten Müll produziert. Das Plastikproblem des Landes hat sich verschlimmert, seit China den Import und die Verarbeitung von Plastikmüll im Januar 2018 verboten hat. Mit zusätzlichen Plastikrecyclingfabriken, die den Müll von anderen Nationen annehmen und verarbeiten, kann das Land kaum mithalten.
 
Der Zero Waste Lebensstil erkennt die globalen Probleme, denen wir in Bezug auf Müllmanagement gegenüberstehen, an und ermutigt Menschen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
 Das Geschäft in Bangsar ist einer der zwei Standorte von The Hive© Stacy Liu
„Nach dem Zero Waste Prinzip in KL zu leben ist leichter als in Hongkong, einfach weil es diese tollen Wet Markets gibt“, sagt Claire. Als sie ankam, fehlte eine lokale Community, um praktische Informationen über Zero Waste zu teilen. Claire startete die ‚Zero Waste Kuala Lumpur‘ Facebook Seite als Lösung zu diesem Problem und nutzte sie, um Informationen zu sammeln und zu teilen, den Lebensstil zu verbreiten und eine Gruppe von gleichgesinnten Menschen zu schaffen, denen ein umweltbewusstes Leben in Kuala Lumpur am Herzen liegt.
 
Um ihr Anliegen noch weiter voranzubringen – und als schöne Gelegenheit, einen Zero Waste Laden zu betreiben – eröffnete Claire 2016 The Hive. Sie fing klein an und verkaufte nur ein paar Lifestyle Produkte und nachhaltig hergestellte getrocknete Lebensmittel nach Gewicht; es dauerte nicht lange bis sie einen größeren Raum brauchte. „Schnell kamen die Leute mit ihren Behältern und sahen, dass es Sinn macht“, lächelt sie. Produkte nach Gewicht zu verkaufen ermöglicht es den Kunden, nur die Menge zu kaufen, die sie brauchen, und gibt ihnen so die persönliche Genugtuung zu wissen, dass sie nachhaltig einkaufen und weniger verschwenden.
 
 Die Lebensmittel werden nach Bedarf abgewogen und nachhaltig verpackt.© Stacy Liu

Heute hat The Hive ein beeindruckendes Inventar an Mengenwaren (unter anderem Nüsse, Gewürze, Samen, Körner, getrocknete Früchte, Reis, Müsli, Aufstrich, Öl, Tee und Kaffee), Zero Waste Reinigungsmitteln, Pflegeprodukten und Lifestyle Produkten. Marie-Magali Falcoz, Marketingberaterin bei The Hive, sagt, dass anfangs die größte Herausforderung die Beschaffung von Produkten war. Lokale Lieferanten zu überzeugen, Lebensmittel in großen Mengen ohne Plastikverpackung zu liefern, war oft schwierig, wurde aber einfacher, als die Bewegung angenommen wurde. Heute besteht ihre tägliche Herausforderung in dem sorgfältigen Umgang mit den Lebensmitteln, der Lagerung und der Inventur.
 
Warum Malaysias Zero Waste Community weiter aufblüht, erklärt sich Claire durch den Klimawandel. Durch mehr Verkaufsstellen und dem zunehmenden Austausch über globale und lokale Umweltthemen steigt das Bewusstsein der Menschen für ihre eigenen Handlungen. The Hive hilft dabei durch die Teilnahme an Umweltkampagnen und –veranstaltungen und gibt gelegentlich Workshops zum Thema nachhaltiges Leben. Der Shop unterstützt die Öffentlichkeit außerdem in ihren Recyclingversuchen, indem sie bestimmte Gegenstände (zum Beispiel elektronischen Müll und Lesebrillen) dort zum Recyceln abgeben können.
 
 Allseits beliebt: die getrockneten Orangen und Zitronen zum Teekochen und Backen© Stacy Liu

The Hive agiert als Sozialunternehmen und versucht die lokale Wirtschaft durch Partnerschaften mit lokalen Farmern, Produzenten, Unternehmerinnen und Gemeinschaften von Geflüchteten zu unterstützen. Deswegen kann es eine Herausforderung sein, ein konsistentes Sortiment zu behalten, doch lokales Einkaufen hält das Geld in der lokalen Community und reduziert die CO2-Bilanz durch verkürzte Lieferwege. „Wir versuchen eine Kreislaufwirtschaft und die Rückführung an die ganze Community zu fördern“, sagt Claire, die fest an den Ausbau der lokalen Wirtschaft für eine nachhaltige Zukunft glaubt. So macht The Hive wenig bis gar keinen Profit von dem Verkauf der Produkte.
 
Während The Hive Menschen mit dem gleichen Ziel zusammenbringt, ist der Laden laut Marie „ein Ort des Zusammentreffens für verschiedene Menschen und Kulturen geworden“. Über die Gemeinsamkeit des Zero Waste Lebensstils hinaus bietet The Hive Menschen die Chance, durch Lebensmittel über verschiedene Kulturen zu lernen: „Manchmal bieten wir Produkte an, die für manche ungewohnt sind, und das bietet die Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern“.
 
Marie nennt Muskatnuss als Beispiel: „Ein Kunde hat mich einmal gefragt, was Muskatnuss ist, und ich war erst überrascht, dass er es nicht wusste. Er fand es ungewöhnlich und scharf riechend, aber für uns Franzosen ist es eine gewöhnliche Zutat, die wir benutzen für Crème brûlée, Tartes, Saucen …“
 
Oft gibt es bestimmte Lebensmittel, die nur in speziellen Supermärkten oder Spezialitätenshops zu finden sind, sodass sie nur selten von Leuten gefunden werden, die dieses Lebensmittel nicht kennen. „Um ehrlich zu sein, wenn ich in Malaysia auf einen Wet Market gehe, kenne ich nicht alle Gewürze und Gemüsesorten oder weiß nicht, wie man sie zubereitet; also gehe ich nicht hin“, führt Marie weiter aus, „Aber weil wir eine so diverse Kundschaft haben, versuchen wir viele verschiedene Zutaten einzubringen“.
 
Von unbekannten Lebensmitteln umgeben zu sein, kann eine einschüchternde Erfahrung sein, aber in einem zugänglichen  Laden wie The Hive – der die Leute zuerst durch das Zero Waste Konzept anzieht – ist es wahrscheinlicher, dass Kunden offener sind, wenn sie etwas Neuem begegnen. „Das ist etwas Interessantes und ziemlich Einzigartiges an The Hive“, sagt Marie.
 
Was Malaysias Zero Waste Bewegung betrifft ist Claire zufrieden, auch wenn wir noch viel mehr machen müssen: „Seit ich nach KL gekommen bin, ist die Bewegung stark gewachsen! Es ist ein steigender Trend, jetzt wo immer mehr Leute betroffen sind.“ Sie erkennt, dass mehr lokale Berühmtheiten sich in der ‚Grünen Szene‘ engagieren und sich für den Zweck einsetzen. „KL ist definitiv an der Spitze [der Zero Waste Bewegung] und Penang führt auch die grüne Revolution an.“ The Hive hat vor kurzem seine zweite Filiale eröffnet und hat mittlerweile sogar ein paar Konkurrenten.
 
Für 2019 plant The Hive, seinen Einsatz für die Zero Waste Bewegung durch Workshops und die Teilnahme an Gesprächen und Kampagnen weiterzuführen. Marie sagt, das Ziel sei, The Hive als Sozialunternehmen weiter auszubauen und gleichzeitig seinen starken Gemeinschaftsgeist zu bewahren.
 
„Für Malaysia ist die Hoffnung, dass mehr und mehr Menschen sich um ihren Müll Gedanken machen und dem ‚Refuse – Reduce – Reuse‘ [Konzept] folgend leben“, sagt Claire. Mit mehr Bewusstsein können wir uns für eine bessere Zukunft zusammenschließen.
 

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