We...Wei...What? #5 Trump gegen Biden – Trends und Meinungen in Chinas sozialen Medien

Trump gegen Biden - Trends und Meinungen in Chinas sozialen Medien Foto (Ausschnitt): Trump gegen Biden © Goethe-Institut China

“Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Junge!”, wurde in den chinesischen sozialen Medien gewitzelt, als Donald Trump im November 2016 die Wahl gewann.

Damals beobachtete ich die Reaktionen chinesischer Internetnutzer auf die Nachricht von Trumps Wahlsieg für What’s On Weibo und stellte fest, dass viele das Ergebnis positiv aufnahmen. Was sie schätzten, war Trumps „Kampf gegen die politische Korrektheit“ und seine neue und pragmatische Herangehensweise. „Ein neuer Besen fegt besser“, war immer wieder zu lesen. Es herrschte eine Stimmung positiver Erregung über diesen neuen Präsidenten, diesen „komischen Geschäftsmann“,  der die politische Weltbühne aufmischte.

Es gab auch Stimmen, die meinten, Trump sei kein idealer Kandidat, aber Hillary Clinton sei noch viel schlimmer. Wegen ihrer Lieblingsthemen Menschenrechte, Frauenbewegung und Internetfreiheit wurde sie als DIE „Anti-China“-Kandidatin gesehen, weshalb viele sich freuten, dass Trump die Wahl gewann und nicht sie.

Im Jahr 2020 aber ist die Stimmung gegenüber Trump – und den USA im Allgemeinen – eine ganz andere. Die ganze Welt verfolgt mit großem Interesse die Entwicklungen rund um die US-amerikanischen Wahlen – schauen wir also einmal, welche Ansichten zur Trump-Biden-Entscheidung sich in Chinas sozialen Medien herauskristallisieren.   © CGTN

Die Meinungen zu Trump verschieben sich

Während die Haltung gegenüber Trump kurz nach seiner Wahl 2016 in den sozialen Medien und sogar in den offiziellen Medien tendenziell positiv war, änderte sich dies nach dem umstrittenen Telefongespräch mit der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen und dem Interview auf Fox News 2016, bei dem Trump die Ein-China-Politik in Frage stellte. Danach nannten viele Weibo-Nutzer Trump einen Idioten, der „Null Ahnung von Diplomatie“ habe.

2017 wurde Trumps damals 5-jährige Enkeltochter Arabella, die etwas Chinesisch gelernt hatte, scheinbar Teil einer amerikanischen Charme-Offensive in China. Ein Video mit dem Mädchen, Tochter von Ivanka Trump und Jared Kushner, wurde Präsident Xi Jinping und seiner Gattin, der First Lady Peng Liyuan, bei einem informellen Tee in der Verbotenen Stadt gezeigt. Darin sang Arabella, die ein chinesisches Kleidchen trug, Lieder auf Chinesisch und sagte ein paar Gedichte auf.

Das Video wurde in den sozialen Medien Millionen Mal angeklickt und vielfach von den Internetnutzern und auch offiziellen Medien wie Xinhua, People’s Daily und CCTV geteilt. Viele sahen das Video und Arabellas Bereitschaft, Chinesisch zu lernen, als ein Zeichen der sich verbessernden Freundschaft zwischen den USA und China und nannten es das beste Geschenk, was Trump bei seinem Besuch hätte mitbringen können. Arabellas Video Arabellas Video | Screenshot von What's On Weibo Aber in den vergangenen zwei Jahren drehten die Meinungen zu Trump zusammen mit den sich verschlechternden US-China-(Handels-)Beziehungen ins Negative.

Als das US-Justizministerium 2019 offiziell Anklage gegen den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei wegen des Diebstahls von Handelsgeheimnissen erhob und die Auslieferung der Finanzchefin Meng Wanzhou verlangte (welche die Tochter des Konzernchefs ist), gab es nur eine Interpretation, die auch von chinesischen Medien ständig wiederholt wurde: dass die USA mit ihrem Rechtssystem eine Schlacht führe, die eigentlich politisch motiviert sei; dass es gar nicht um die Firma Huawei gehe, sondern um Chinas Aufstieg zur einer konkurrierenden Technologiemacht.

Derselbe Gedanke wurde in diesem Jahr sowohl von staatlichen Repräsentanten, Medien und auch Internetnutzern verbreitet, nachdem Trump verkündet hatte, die chinesischen Apps Tiktok und WeChat zu verbieten. Viele meinten, dass es dabei nicht um die nationale Sicherheit gehe, sondern um den Kampf um die Technologieführerschaft.

Auch die Beschuldigungen, die Donald Trump China nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie entgegenschleuderte, indem er mehrmals vom „China-Virus“ sprach, brachten ihm weitere Sympathieverluste ein. 

Als im Oktober 2020 bekannt wurde, dass Präsident Trump und seine Frau Melania positiv auf Corona getestet worden waren, war das eine der meist verbreiteten und kommentierten Nachrichten in den chinesischen sozialen Medien. Da die Nachricht während der Goldenen Woche zu den Oktoberfeiertagen rauskam, sagten manche im Scherz, das sei „Trumps Art und Weise, China zum Nationaltag zu gratulieren“. Weil Trump aber zuvor die Gefahr durch Covid-19 kleingeredet und immer versucht hatte die Schuld auf China zu schieben, war die generelle Meinung zu seiner Ansteckung, dass es eben „aus dem Wald so herausschallt wie man hineinruft“.   © CGTN In Chinas sozialen Medien wird Trump oft als Chuan Jianguo (川建国) bezeichnet, was etwa übersetzt werden kann als: ''Trump, der China zu neuem Ruhm verhilft.'' Aber es gibt viele weitere Memes und Witze über den Präsidenten im chinesischen Internet. Indem sie Trump Chuan Jianguo nennen, machen sich die Leute über seine Sprache und seine Handlungen lustig, sie spielen darauf an, dass seine Regierung das Land vor die Hunde bringt, und dass er damit den Aufstieg Chinas beschleunigt. So wird Trump auch sarkastisch als Amerikas Geschenk an China bezeichnet.

„Pupu” gegen „Dengdeng”

Nachdem die zweite und letzte Fernsehdebatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten vorüber ist und der Wahltag vor der Tür steht, wird das Thema „Trump gegen Biden“ auf Weibo, WeChat und in anderen sozialen Medien wie der Frage-und-Antwort-Plattform Zhihu heftig diskutiert. In den Online-Diskussionen werden die beiden Männer mit einem Augenzwinkern verniedlichend als „Pupu“ (普普) und „Dengdeng“ (登登) bezeichnet, Abkürzungen für ihre chinesischen Namen „Chuanpu“ (川普) und „Baideng“ (拜登).

Obwohl verschiedene internationale Medien berichteten, dass Peking angeblich lieber den demokratischen Kandidaten Biden anstelle von Präsident Trump im Amt sähe, so spiegelt sich diese offizielle Haltung nicht unbedingt in den sozialen Medien der Volksrepublik China wider. Auch westliche Kommentatoren sind sich nicht einig, ob Biden der bevorzugte Kandidat der chinesischen Führung ist. Manche vertreten die Ansicht, dass Trump, der die traditionellen internationalen Bündnisse der USA geschwächt hat und sich offensichtlich nicht sehr für Menschenrechtsfragen interessiert, eigentlich gegenüber Biden bevorzugt wird, weil er Chinas Stellung in der internationalen Gemeinschaft gestärkt hat.

Auch wenn die Meinungen zu Trump sich über die Jahre verändert haben, so sind die Diskussionen auf Weibo und auf anderen Plattformen zum amerikanischen Präsidenten doch immer noch facettenreich. Viele überzeugen auch Bidens Leistungen nicht. Manche loben ihn, weil er „milde“, „gelehrt“ und „kultiviert“ rüberkommt, andere wiederum kritisieren ihn für viele „leere Worte“ und die Verwendung von „Klischees“.

Manche Internetnutzer sind nur für Biden, weil er „der Feind des Feindes“ ist.

„Trumps pragmatischer und geschäftsmäßiger Stil ist überzeugend”, schrieb ein Pekinger Blogger nach der zweiten Präsidentschaftsdebatte. „Ich finde, er war besser als Joe Biden, der nur redet und nicht handelt (...) Ich hoffe, dass Trump gewinnt.“

In einem kürzlich veröffentlichten WeChat-Blogbeitrag zur US-Wahl auf dem Account des Staatsmediums Global Times war zu lesen, dass es für China eigentlich egal sei, wer die Wahlen gewinne: „Unabhängig davon, ob es die Demokraten oder die Republikaner sein werden, beide haben eine negative Haltung, wenn es um die China-Frage geht. (...) Ganz gleich, wer in Zukunft an die Macht kommt, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie China weiterhin unterdrücken werden.

Der Autor legte außerdem nahe, dass Trump und Biden in Bezug auf ihre China-Politik einen „unterschiedlichen Stil“ haben könnten: „Wenn Trump gewinnt, werden wir mehr von dem sehen, was wir bisher gesehen haben, allerdings ohne internationale Unterstützung. Wenn Biden gewinnt, wird er eher internationale Einigkeit anstreben, um China ins Visier zu nehmen, und sich internationaler Organisationen bedienen, um Druck auf China auszuüben. Auch sind Biden wahrscheinlich Menschenrechte und demokratische Werte wichtiger als Trump.“

Es gibt viele chinesische Internetnutzer, die genau aus diesen Gründen, also wegen der „Build the Country Trump”-Schlussfolgerung, für einen Sieg Trumps sind. Ein Weibo-Blogger aus Dalian drückt es so aus: „Ich hoffe, dass Trump wiedergewählt wird. Das wäre einfach besser für China.“ 

Ein sehr beliebter Weibo-Blogger startete Anfang des Jahres eine Online-Umfrage, in der er wissen wollte, ob die Leute dafür waren, dass Trump wieder gewählt würde. 8.739 Personen nahmen teil, von denen 74 Prozent sich für Trumps Wiederwahl aussprachen. Nur 5 Prozent sagten, sie hofften, er werde nicht wieder gewählt. 21 Prozent meinten, der Wahlausgang sei ihnen egal, da es für China kaum einen Unterschied mache.

Obwohl sich viele Menschen für die amerikanischen Wahlen interessieren, vor allem wegen der Auswirkungen, die das Ergebnis auf China haben wird, genießen andere einfach das Theater der amerikanischen Politik. „Ich finde es toll, wie zuversichtlich und widerspenstig Trump ist", schreibt ein Kommentator: „Er ist legendär. Wenn Biden an die Macht kommt, werden die kommenden vier Jahre viel langweiliger werden." Bild von Trump auf Weibo Bild von Trump auf Weibo | © wenweipo.com „Ohne Trump wird die Welt weniger lustig sein”, so ein anderer.

Aber es gibt auch diejenigen, die sich nicht für immer mehr Trump-Memes, Witze und Spektakel interessieren. „Jeden Tag, wenn ich in mein Telefon schaue, dreht sich alles nur um Trump", schreibt der beliebte Weibo-Blogger Zheng Jun, der in den USA lebt: „Ich hoffe wirklich, dass ich mir nach den Wahlen keine Trump-Nachrichten mehr ansehen muss".

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