Foto: Kai Wiedenhöfer

    Über Literatur

    Wohin entwickelt sich die iranische Blogosphäre?

    Es ist etwas mehr als zehn Jahre her, dass das Fieber der Blogosphäre viele Iraner gepackt hat. Es dauerte nicht lange, bis Bloggen als Hoffnung für die Verbreitung der Meinungsfreiheit und Demokratie galt. Die iranischen Blogger begegneten zum einen der internationalen Begeisterung, Bewunderung und Ermutigung, zum anderen waren sie den Beschuldigungen der Sicherheitsorgane und der Internetzensur ausgesetzt. Was für einen Stellenwert hat das Bloggen heute in Iran?

    Heutzutage ist das Internet ein untrennbarer Teil im Alltag vieler Menschen, selbst in Iran, wo manche das Internet ironisch ,ölbetriebenes Netz‘ nennen und damit auf die langsame Verbindung anspielen. Iranische Familien, die überall auf der ganzen Welt zerstreut sind, finden ihre Verwandten auf Facebook und in Gruppen auf Viber wieder und bekommen so mit, wie es dem anderen geht. Viele lesen die Nachrichten auf Twitter und finden ihren Partner oder ihre Partnerin in Chatrooms. In dieser kurzlebigen virtuellen Sphäre ist das Bloggen in Iran vierzehn Jahre alt geworden. Vierzehn Jahre scheinen in der virtuellen Welt wie ein Jahrhundert.

    Die persische Blogosphäre gehörte zu den ersten Internet-Phänomenen Irans und zog nicht nur viele Iraner an, sondern auch die internationale Aufmerksamkeit auf sich. Dennoch werden seit einer Weile kritische Stimmen über die schwindende Qualität der Inhalte laut, man redet sogar vom Untergang der Blogosphäre. Meist wird die Ursache dafür der Verbreitung anderer sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter zugeschrieben.

    Unfruchtbare Blogosphäre?

    Die persische Webseite der Deutschen Welle veröffentlichte im Mai 2014 eine Nachricht mit der Überschrift „The BOBs und die leeren Hände der persischen Blogosphäre“. Seit 2005 und in Zusammenarbeit mit Reporter ohne Grenzen veranstaltet die Deutsche Welle The BOBs, einen internationalen Blogger-Wettbewerb. Es ist das erste Mal seit zehn Jahren, dass die persische Blogosphäre keinen Preis bekommen hat. Arash Abadpour Juror für den persischen Bereich des Wettbewerbs wies im Gespräch mit der Deutschen Welle auf die Abnahme der Kreativität in den persischen Weblogs hin. Er sieht die Gründe dafür in der systematischen Internetzensur, den politischen und sozialen Zuständen sowie in der Politikverdrossenheit.

    Dabei war Persisch laut Blog Census des National Institute for Technology in Liberal Education 2004 die vierthäufigste Sprache der weltweiten Blogosphäre. Es ist schwierig, die Zahl der persischen Weblogs einzuschätzen, dennoch gilt 70.000 als allgemein akzeptierte Zahl aktiver, von Iranern geschriebener Weblogs im Jahr 2009. Diese Zahl ist zwar bemerkenswert, aber ein anderer wichtiger Punkt ist, dass jeden Tag neue Weblogs entstehen und andererseits viele inaktiv werden. Daher ist die Zunahme der Weblogs sehr relativ und kann kein Maßstab sein, um die Qualität der Blogosphäre und der produzierten Inhalte zu bewerten.

    Der Erfolg der persischen Weblogs in der Vergangenheit, ihr Einfluss auf die iranische Medienlandschaft und ihre Beliebtheit unter den Internetnutzern lassen sich nicht leugnen. Bevor man sich aber mit ihrem heutigen Stellenwert beschäftigt, stellt sich die Frage, warum das Bloggen überhaupt unter Iranern plötzlich so beliebt wurde. Um diese Frage zu beantworten, muss man sich mit den verschiedenen Dimensionen dieses Phänomens, seinen Entwicklungen in den letzten Jahren und den politischen und sozialen Verhältnissen des Landes beschäftigen. Man kann die Frage auch so formulieren: Was unterscheidet das Bloggen in Iran vom Bloggen in anderen Ländern?

    Ein Fenster zur Freiheit

    Im September 2001 veröffentlichte der junge Journalist Hossein Derakhshan in seinem Weblog eine Anleitung darüber, wie man in persischer Sprache bloggen kann. Innerhalb von zwei Monaten stieg die Zahl der persischen Weblogs auf mehr als 200. Mit der Zeit wurde das neue Phänomen ,Weblagestan‘ genannt und sprach sich herum.

    Iran war nach Israel das erste Land im Mittleren Osten, das in den 1990er Jahren Zugang zum Internet bekommen hat. Die Zahl der Internetnutzer wuchs am Ende der 1990er rasant. Viele junge Iraner, die eine hohe Bildung hatten, waren in der Lage, die neue Technologie zu nutzen. Gleichzeitig kamen neue kostenlose Softwares auf den Markt, die das Bloggen für Schreibwillige erleichterten. Somit waren die Bedingungen hergestellt.

    Was dabei das Wachstum des Bloggens besonders beflügelte, war die politische Situation Irans. Das Bloggen begann zur selben Zeit, als der Machtkampf innerhalb des politischen Systems zwischen den Konservativen und den Reformern tobte. Nach einer kurzen Zeit der relativen Pressefreiheit am Ende der 1990er Jahre rauschte eine heftige Welle der Zensur und Repression über die politische Sphäre des Landes. Die Zeitungen der Reformer wurden verboten und regimekritische Journalisten wurden von den Sicherheitsorganen unterdrückt.

    Unter solchen Bedingungen war das Internet der einzige freie und unzensierte Raum, der Autoren die Veröffentlichung ihrer kritischen Meinungen über die Politik und Gesellschaft Irans ermöglichte. Diese haben schnell begriffen, dass sich ihnen nach Jahren durch den Zugang zum Internet ein Fenster geöffnet hat. Nun konnten sie ihre Texte dem Publikum zur Verfügung stellen, ohne die Hürde der Zensur überwinden zu müssen. Diese Freiheit in der virtuellen Welt bedeutete allerdings nicht, gegen die Gefahren der politischen Realität blind zu werden. Daher schrieben viele Blogger unter einem Pseudonym. Die meisten bekannten Journalisten, Schriftsteller und politischen Aktivisten veröffentlichten aber weiterhin ihre Texte mit ihrem echten Namen.

    Die wechselseitige Verbindung, die durch die Option, den Blog zu ,kommentieren‘, zwischen dem Autor und dem Publikum entsteht, ist eine weitere Besonderheit, die das Schreiben im Netz ausmacht. Viele Autoren und Journalisten nutzten diesen Raum für Meinungsaustausch und Dialoge. Zahlreiche Blog-Diskussionen sind entstanden, welche manchmal die Blogger und Leser wochenlang beschäftigten und die Lebendigkeit und Anziehungskraft der Weblogs erhöhten. Die Spannweite der Diskussionen war groß und beinhaltete Themen wie Menschenrechte, das Recht auf Leben und Ablehnung der Todesstrafe, Diskriminierung der Frauen, politische Korruption, Umwelt, Musik und Literatur.

    Blogosphäre als Spiegel der Gesellschaft

    Da die Arbeit der staatlichen Medien in Iran einseitig ist und Meinungen, die der herrschenden Ideologie widersprechen, keinen Platz in diesen Medien haben, reflektieren die persischen Weblogs mehr politische und soziale Themen als andere. So gesehen haben die Menschen auf diese Weise ein Medium nach ihren eigenen Wünschen geformt; ein Medium, das ihre Stimme ist und sich mit ihren Forderungen auseinandersetzt.

    Auch wenn die Priorisierung der politischen Themen in den Texten nachvollziehbar ist, sind auch persönliche Texte von Bedeutung, denn es sind nicht nur Journalisten und politische Aktivisten, die bloggen. Viele einfache Bürger nutzen diese Technologie, um ihre Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte auszudrücken. Vor vielen Jahren, als das Wort ,Weblog‘ noch nahezu unbekannt war, wurde der Begriff ,Internet-Tagebuch‘ als eine der ersten Definitionen dafür verwendet. Dieser Begriff verdeutlicht die erste und einfachste Anwendung dieser modernen Technologie: das Schreiben dessen, was im Alltag den Autor beschäftigt und ihm auf dem Herzen liegt. Somit ergeben die alltäglichen Texte gewöhnlicher Personen ein differenziertes und komplexes Bild der Gesellschaft. Die Rede ist von einer Gesellschaft, wo der Staat sich in die privatesten Bereiche des Lebens einmischt. Von der Art der Kleidung und den sozialen Beziehungen der Bürger bis hin zu Musik und Literatur will der Staat alles kontrollieren. Vor diesem Hintergrund war für viele Blogger schon die bloße Möglichkeit, ihre Gefühle und ihre eigene Sicht auf das Leben zu äußern, ein großer Schritt. Ein Schritt auf dem Weg, sich selbst kennenzulernen, sich selbst zu finden und unabhängig von dem, was der Staat, die Gesellschaft oder auch die Familie von ihnen will, sie selbst zu sein.

    Bloggerinnen und das Brechen mit Traditionen

    Die Frage „Wer bin ich und was will ich?“ hat besonders unter den Frauen eine große Bedeutung. Die iranischen Frauen stehen weit mehr als Männer unter der Beobachtung einer traditionellen Gesellschaft mit strengen moralischen Maßstäben. Sie werden nicht nur in den Gesetzen des Landes diskriminiert, sondern müssen auch jeden Tag gegen die Geschlechterklischees kämpfen. Insbesondere Frauen, die ihre Identität nicht in den traditionellen Rollen der Ehefrau und Mutter sehen und nach einer unabhängigen Identität streben, erfahren Ungleichheit und Diskriminierung.

    Unter solchen Umständen haben Frauen in der Blogosphäre einen Raum gefunden, um über unausgesprochene Dinge und soziale Tabus zu sprechen. Sie fordern mit ihren Texten das traditionelle und staatlich gewünschte Idealbild der Frau heraus. Während gemäß den früheren Rollenklischees die Ehe die einzig vorstellbare Lebensweise für Frauen war, schreiben nun viele ganz offen über ihre vielfältigen Liebes- und Sexualbeziehungen. Während Scheidung früher ein Stigma war, schreiben geschiedene Frauen nun über ihr neues und freies Leben und äußern sich zufrieden darüber, dass sie sich selbst wiedergefunden haben.

    Die iranischen Bloggerinnen im Ausland haben eine wichtige Rolle bei der Verbindung und beim Informations- und Meinungsaustausch mit den Iranern und Iranerinnen im Inland. Indem sie durch die Migration unterschiedliche Erfahrungen gesammelt und sich von den engen Grenzen der Tradition befreit haben, schreiben sie aus einem anderen Blickwinkel. Diese Texte sind oft sehr einfach und alltäglich, aber wirkungsvoll. Manche schreiben über ihre Trennungserfahrungen oder die Schwierigkeit, eine neue Beziehung zu beginnen. Andere schreiben über die Erfahrung, Mutter zu werden oder über sexuelle Diskriminierung an ihrer Arbeitsstelle. Da ihre privaten Auseinandersetzungen und Gefühle sich nicht so sehr von denen der in Iran lebenden Frauen unterscheiden, finden sie auch in Iran ihr Publikum. Diese Art von Vernetzungen zeigen besonders gut, wie Grenzen und Distanzen in der virtuellen Welt verblassen.

    Allerdings bedeuten die Tabubrüche in den Weblogs nicht, dass die Meinung der Mehrheit in der Gesellschaft sich geändert hat. Es ist ein kleiner Schritt, der nur für einen Teil der Gesellschaft von Bedeutung ist, aber es ist immerhin ein Schritt. Themen, die früher nur in kleinen privaten Frauenrunden mitgeteilt wurden, werden nun potentiell vor einer weltweiten Öffentlichkeit ausgedrückt.

    Unterdrückung und Einschüchterung der Blogger

    In den ersten Jahren des Bloggens nannten viele die Gespräche und Diskussionen in den Weblogs optimistisch und hoffnungsvoll ,Demokratie üben‘ und sahen das neue Phänomen als einen Schritt zur Meinungsfreiheit. Nach langjähriger Erfahrung mit der Zensur konnten die Iraner ihre Gedanken und Meinungen auf einmal in einem freien Raum äußern. Diese Freiheit hielt aber nicht lange an. Iran gilt als das erste Land weltweit, das einen Blogger aufgrund seiner Blogeinträge verhaftet hat. Dies geschah 2003, und es war der Journalist Sina Motalebi, der einige Monate später das Land verlassen hat. Seitdem wurden viele Blogger verhaftet oder mussten wegen Drohungen und Repressionen im Ausland Asyl suchen. Manche haben ihr Leben in iranischen Gefängnissen verloren.

    Das Internet bedeutet für den iranischen Staat die Schwächung seiner medialen Monopolstellung und den Verlust der Kontrolle über den Informationsfluss. Daher sehen die Staatsmänner das freie Internet als Bedrohung für die Interessen und die Zukunft des politischen Systems in Iran. Während kritische Medien, NGOs und Internetaktivisten bemüht sind, differenzierte und marginalisierte Sichtweisen zum Ausdruck zu bringen, um damit soziale und kulturelle Veränderungen herbeizuführen, setzt der Staat seit Jahren sehr viel daran, den freien Informationsfluss zu stoppen und diese zivilgesellschaftlichen Entwicklungen zu verhindern.

    Der iranische Staat hat über die Jahre umfassende Maßnahmen eingeleitet und ein komplexes System der Zensur geschaffen, um die Meinungsfreiheit im Netz zu unterdrücken. Teil der systematischen Zensur sind unter anderem strenge Vorschriften für Internetcafés und Firmen, die Internetzugang anbieten; ferner das Sperren und Löschen von unliebsamen Webseiten und Blogs oder Cyber-Angriffe auf diese, Kriminalisierung und Dämonisierung des Internets, Drosselung der Verbindungsgeschwindigkeit sowie Unterdrückung und Einschüchterung der Internetnutzer. Obwohl viele Internetnutzer in Iran sich durch Proxys Zugang zu gesperrten Internetseiten und sozialen Netzwerken verschaffen, erschweren solche Einschränkungen die Nutzung des Internets und verursachen zudem auch einige Gefahren für die Nutzer. Nach iranischem Recht gehören die Nutzung und Verbreitung von Proxys zu Internet-Straftaten.

    Für die iranischen Blogger kann die Zensur verschiedene Formen haben: Drohung, Haft und die Sperrung ihres Weblogs. Eine andere bittere Erfahrung, die viele Blogger besonders in den ersten Jahren des Bloggens gemacht haben, war die Löschung der kompletten Inhalte ihres Weblogs. Iranische Anbieter von Weblog-Softwares löschten unter dem Druck juristischer Instanzen die Inhalte kritischer Weblogs. Das bedeutete für viele Blogger, dass sie Texte, die sie über Jahre geschrieben hatten, verloren. Manche von ihnen verglichen ihre Gefühle mit denen einer Mutter, die ihr Kind verloren hat.

    Verbreitung der sozialen Netzwerke: Sie müssen überall sein!

    Mit der Verbreitung des Internets und der sozialen Netzwerke wie Facebook, Google+ und Twitter sowie dem Einzug von Smartphones und Apps wie Viber und WhatsApp verwenden viele Internetnutzer einen großen Teil ihrer Zeit und Energie in diesen Bereichen. Mit anderen Worten, es fand durch die Zunahme des Angebots an sozialen Netzwerken eine Fragmentierung der virtuellen Sphäre statt. Während in der Vergangenheit Diskussionen und Gespräche der Internetnutzer in den Weblogs konzentriert waren, sind nun die Gespräche in verschiedenen Netzwerken zerstreut. Die Blogger haben einerseits die Möglichkeit, ihre Blogeinträge in unterschiedlichen Netzwerken zu veröffentlichen, andererseits müssen sie, um erfolgreich zu sein und ihr Publikum zu behalten, viel Zeit und Energie in diese Netzwerke investieren – Zeit und Energie, die besser für die Schaffung qualitativ hochwertiger Inhalte eingesetzt würde.

    Die aktive und zeitgleiche Teilnahme in mehreren Netzwerken kann anstrengend und zeitaufwendig werden. Wenige Internetaktivisten in Iran haben es geschafft, das Gleichgewicht zwischen aktiver Teilnahme in sozialen Netzwerken und Produktion qualitativ hochwertiger Inhalte herzustellen. Es lässt sich leicht erkennen, dass in den sozialen Netzwerken weitaus mehr konsumiert wird, als dass persische Inhalte produziert werden.

    Viele bekannte Blogger, die ihren Weblog vor zehn Jahren durchschnittlich einmal in der Woche durch einen neuen Eintrag aktualisierten, beschäftigen sich nun alle paar Monate damit. Viele andere teilen ihre Texte auf Facebook und glauben, auf diesem Wege dem Publikum näherzukommen.

    Trotz aller dieser Veränderungen muss die Fähigkeit und der Erfolg der Blogger anerkannt werden. Sie haben erfolgreich ihre Stimme erhoben und die geschlossene mediale Sphäre verändert. Dennoch waren die Erwartungen der Beobachter, die in den ersten Jahren nach dem Einzug des Internets und des Bloggens in Iran die Demokratie schon vor der Tür stehen sehen wollten, zu optimistisch.

    Realismus statt Optimismus

    Einige Punkte waren bei diesen optimistischen Bewertungen nicht berücksichtigt worden. Erstens muss die Reichweite der Wirkung von Weblogs und anderen sozialen Netzwerken thematisiert werden. Die Frage ist, wer die Internetnutzer sind und wie viel Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet hat. In den ersten Jahren des Internets in Iran war diese Technologie auf große Städte begrenzt und zudem im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen der Bevölkerung sehr teuer. Einen privaten Rechner zu haben, ist ebenfalls nur für die Oberschicht und die höhere Mittelschicht möglich. Daher hatten laut Statistiken 2008 nur 35 Prozent der iranischen Bevölkerung Zugang zum Internet. Obwohl diese Zahl im Jahr 2013 bei 60 Prozent lag und weiterhin wächst, muss berücksichtigt werden, dass nicht alle Internetnutzer auch Internetaktivisten sind und nicht notwendigerweise alle sich für politische und soziale Themen interessieren.

    Ein anderer Punkt ist die Notwendigkeit, einen realistischen Blick auf das Potential des Internets als eine Technologie zu haben. Diese Technologie kann genauso, wie sie den iranischen Regimekritikern als Instrument dienen kann, auch für die Verbreitung der Ideologie des Systems eingesetzt werden. Viele Beobachter betrachten das Bloggen selbst Jahre nach der Verbreitung des Netzes in Iran als eine revolutionäre Tat und charakteristisch für demokratische Bewegungen. Eine Ansicht, die durchaus übertrieben scheint. Denn das iranische Regime ist schon vor Jahren aktiv in diesen Bereich eingestiegen und bildet in besonderen Zentren seine Unterstützergruppen wie die Basij-Milizen zu Bloggern und für die Teilnahme in der virtuellen Welt aus.

    Die geschlossene mediale Sphäre Irans einerseits und die Leichtigkeit, Inhalte im Netz zu veröffentlichen, andererseits, haben zu einer rasanten Entwicklung der virtuellen Sphäre geführt. Diese quantitative Entwicklung bedeutet dennoch nicht notwendigerweise, dass gleichzeitig die Qualität der Inhalte sich entwickelt hat und neue kreative Inhalte entstanden sind. Was in diesem Bereich eine weitaus höhere Bedeutung haben könnte, ist der bewusste Umgang mit dem Internet. Die Nutzer können nur durch eine realistische Perspektive auf diese Technologie diese sinnvoll nutzen. Das alleinige Verbreiten von Informationen und Nachrichten in den Weblogs und den anderen sozialen Netzwerken wird nicht zu politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen führen. Um Veränderungen hervorzurufen, bedarf es einer gezielten und intensiven Arbeit.
    Parisa Tonekaboni ist deutsche Journalistin mit iranischen Wurzeln und lebt in Duisburg.

    Copyright: Goethe-Institut e. V., Fikrun wa Fann
    Juni 2015

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