Foto: Kai Wiedenhöfer

    Musik zwischen den Kulturen

    Über Fikrun

    Fikrun wa Fann war eine von 1963 bis 2016 vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift, die den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den islamisch geprägten Ländern gefördert und mitgestaltet hat. Mit dem Erscheinen der letzten Ausgabe „Flucht und Vertreibung“ (Heft 105) im Herbst 2016 wurde auch die Pflege und Aktualisierung dieses Online-Portals eingestellt.

    Das Ensemble Sarband
    Eine Brücke zwischen Orient und Okzident

    Sarband vereint Musiktraditionen aus dem Orient und dem Okzident aus Gegenwart und Vergangenheit, vermittelt zwischen mittelalterlicher Musik und noch heute lebendigen Traditionen.

    Sarband vereint Musiktraditionen aus dem Orient und dem Okzident aus Gegenwart und Vergangenheit, vermittelt zwischen mittelalterlicher Musik und noch heute lebendigen Traditionen. Das Ensemble ist aus einer kontinuierlichen Zusammenarbeit unterschiedlicher Musiker und Sänger zusammengewachsen.

    Seine Originalität schöpft es aus dem respektvollen interkulturellen Dialog der Musiker untereinander wie auch aus der Vielseitigkeit seiner internationalen Besetzung. Alte Instrumente, originelle Spielweisen, verschiedene Gesangstechniken und Improvisationspraktiken, wie sie im Mittelmeerraum noch lebendig sind, ergänzen sich zu einer mitreißenden und authentischen Musik. Je nach Projekt kommt es zur Zusammenarbeit mit anderen Musikern, Ensembles und Orchestern. Gegründet und geleitet wird Sarband seit 1986 von dem in Bulgarien geborenen Musikwissenschaftler und Musiker Vladimir Ivanoff. Ihm geht es vor allem um die Verwandtschaften zwischen den Musikkulturen des europäischen Mittelalters und des Orients. Ihm und allen Mitwirkenden ist wichtig, die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens von Menschen aus verschiedenen Kulturen darzustellen und sinnlich erfahrbar zu machen.

    Vladimir Ivanoff studierte Musikwissenschaft in München, Renaissancelaute und historische Aufführungspraxis an der Musikhochschule Karlsruhe und an der Scola Cantorum in Basel. Dann studierte er Oud, die arabische Laute, und Trommeln bei verschiedenen traditionellen Musikern. Später lehrte er Musikwissenschaft an der Universität in München.

    Der Name des Ensembles ist programmatisch gedacht. „Sarband“ ist ein persisches Wort, das in fast allen orientalischen Sprachen in Abwandlungen vorkommt, wie zum Beispiel im Türkischen und Arabischen, und ein verbindendes Element meint. In der Musiktheorie stellt es ein improvisiertes Stück dar, das zwischen zwei Sätzen einer Suite gespielt wird.

    1990 erschien das erste Album „Cantico“. Damit begann Sarband seine musikalische Reise zwischen den Kulturen mit einer Gegenüberstellung der Musik der italienischen Laudesi-Brüderschaften und des islamischen Sufi-Ordens.  „Cantico“ war Musik der türkischen Sufis aus dem 12. und 13. Jahrhundert und Musik aus dem Kreis von San Francesco, der zweimal im Nahen Osten war, und sehr stark von diesem sufischen Gedankengut beeinflusst war.

    Die nächste Arbeit, die im gleichen Jahr erschien, war eine CD mit dem Titel „Music of the Emperors“. Mit dem Vergleich der musikalischen Traditionen von Orient und Okzident wollte Sarband nicht nur die musikalischen Gemeinsamkeiten, sondern auch die wesentlichen Unterschiede zeigen. Denn die beiden Kulturen hatten sich ausgetauscht und befruchtet.

    „Das ist höfische Musik, einerseits vom Hof Friedrichs II. in Palermo, dem berühmten Stauferkaiser, andererseits vom Hof von Taimur in Samarkand. Dies sind zwei Herrscher, die einen Anspruch hatten auf die Weltherrschaft und deswegen auch so eine Art Weltmusik an ihren Höfen veranstaltet haben. Friedrich hatte sehr viele nahöstliche, arabische Musiker da. Er interessierte sich im Allgemeinen ja bekanntermaßen sehr stark für arabische Kultur. Und Taimur hatte sozusagen ein Orchester mit Musikern aus allen Gebieten, die er praktischerweise erobert hatte, also es geht in diesem Fall sozusagen um Weltmusik als Zeichen der Macht.“

    Sarband beschäftigt sich hauptsächlich mit den mystischen Musiken der beiden Kulturen und vor allem mit der Zeit des 19. Jahrhunderts. Denn im frühen 19. Jahrhundert gab es eine große Walzer-Mode in Europa, die auch ins Osmanische Reich überschwappte.

    „Dort gab es dann Komponisten, denen gefielen die Walzer, aber in der nahöstlichen Tradition. Zu ihnen gehört beispielsweise Dede Efendi, der europäische Walzer in seiner Komposition aufgenommen hat und dann diese Walzer-Elemente zu mystischen, zu religiösen Walzern werden ließ. Sarband hat in diesem Projekt versucht,  Beethoven-Orchesterwalzer mit den religiösen Sema-Walzern von Dede Efendi zu verbinden.“

    Das aktuelle  Projekt von Sarband heißt „Eine Arabische Passion: Johann Sebastian Bachs Passionsmusiken in heutiger und arabischer Metamorphose“. Mit einer arabisch-europäischen Besetzung hat das Ensemble Melodien ins Arabische verwandelt. Die Bach-Melodien wurden nicht verändert. Die Libanesin Fadia El-Haj singt die Alt-Arien auf Arabisch. Die Texte wurden ins Arabische übersetzt. Das Ergebnis ist eine Mischung aus alten Musikinstrumentalisten, arabischen klassischen und Jazz-Musikern, die eine ebenso vielfältige Mischung aus unterschiedlichen Musiktraditionen spielen.
    Suleman Taufiq
    stammt aus Syrien und lebt seit Ende der sechziger Jahre in Deutschland. Er ist freier Schriftsteller und stellt im Westdeutschen Rundfunk den Hörern in Deutschland regelmäßig orientalische Musik vor.

    Übersetzung aus dem Arabischen: Suleman Taufiq
    Copyright: Goethe-Institut e. V., Fikrun wa Fann
    November 2011

    Ihre Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie uns!
    Mail Symbolkulturzeitschriften@goethe.de

    Links zum Thema

    Fikrun wa Fann als E-Paper

    Fikrun wa Fann als E-Paper

    Lesen Sie das Fikrun Heft 96 „Musik“ auf Ihrem Smartphone, Blackberry oder eReader!
    Zum Download ...

    Bestellen

    Antragsformular

    Institutionelle Empfänger oder Personen in islamisch geprägten Ländern, die im journalistischen oder kulturellen Bereich aktiv sind, können ein kostenloses Abonnement beziehen.
    Zum Antragsformular ...

    Qantara.de – Dialog mit der islamischen Welt

    Politik, Kultur, Gesellschaft: Informationen und Diskussionen auf Deutsch, Arabisch und Englisch

    Zenith Online

    Orient im Netz: kritisch, originell und ausgewogen