Foto: Kai Wiedenhöfer

    Kultur und Klima

    Editorial

    © Charlotte Collins Klimawandel und Umweltverschmutzung zählen zu den drängendsten Problemen der Gegenwart, und zwar überall auf der Welt. Den daraus resultierenden Gefahren entgegenzutreten, ist jedoch schwierig und erfordert eine Entschlossenheit, die die Menschheit – noch – vermissen lässt. Die Gründe dafür sind vielfältig und sie sind nicht nur materieller, sondern auch kultureller Natur. An dieser Schnittstelle zwischen Umwelt und Kultur setzt unser vorliegendes Heft von Fikrun wa Fann / Art & Thought an. Früher galt die Regel: Klima und Umwelt prägen den Menschen und seine Kultur. Diese Theorie findet sich bei den antiken und mittelalterlichen Philosophen, Geschichtsschreibern und Geographen, auch in der islamischen Welt. Heutzutage aber scheint es, als träfe das Umkehrte zu: Der Mensch und seine Kultur beeinflussen Umwelt und Klima. Deswegen ist die Rede vom „Anthropozän“ – dem Weltzeitalter des Menschen, da der Mensch mittlerweile der größte und einflussreichste Faktor für die Veränderungen auf unserem Planeten ist. Über eine großangelegte Konferenz zum Thema Anthropozän berichtet daher im vorliegenden Heft unser Mitarbeiter Alem Grabovac.

    Dabei zeigt sich auch: Der Mensch hat immer schon die Natur beeinflusst, hat versucht, die Natur zu kultivieren. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist die islamische Gartenbaukunst. Allgemein kann man sagen: Traditionelle Kulturen haben eine größere Nähe zur Natur und gehen sorgfältiger mit ihr um. Das gilt auch für den Islam, wie Monika Zbidi in dem spannenden Beitrag zeigt, der unser Heft eröffnet. Wir brauchen einen neuen Dschihad – aber es soll ein Öko-Dschihad sein! Der Beitrag zeigt: Jede Kultur, natürlich auch der Islam, hält spezifische Traditionen und Techniken bereit, die heutzutage zum Schutz der Umwelt wieder neu entdeckt werden müssen.

    Oft scheitert der Umweltschutz aber schlicht daran, dass er ziemlich teuer ist. Dort, wo die Menschen am ärmsten sind, leidet (jedenfalls in modernen Gesellschaften) auch die Umwelt am meisten, wie die Reportage und das Interview von Taqi Akhlaqi am Beispiel Afghanistan zeigen. Persönliches Umweltverhalten, Bildung und wirtschaftliche Situation stehen also in einem engen Zusammenhang.

    Aber auch der reiche Westen hat Umweltprobleme. Eine Ursache dafür ist die Ideologie des Wirtschaftswachstums. Daher fordern viele westliche Forscher – Natur- und Kulturwissenschaftler gleichermaßen – einen tiefgehenden Mentalitätswandel, der darauf abzielt, dass die Menschen auch mit weniger materiellem Reichtum genauso glücklich – oder glücklicher – sein sollen. Davon handeln die Beiträge von Claus Leggewie, Susanne Stemmler und Thomas Macho. Sie beschreiben eindrücklich, warum und wie wir unsere Einstellungen ändern müssen. Auch viele Künstler überall auf der Welt reagieren auf diese Situation, wie etwa die von den Goethe-Instituten in Südostasien initiierte Ausstellung RiverScapes zeigt, die wir ebenfalls in diesem Heft vorstellen.

    Außerdem beschäftigt uns die Krise in Syrien und das zweideutige Verhalten Europas und der USA dabei, und wir fragen, wie es kommt, dass die islamische Poesie im Westen, vor allem in Deutschland, immer für „blumig“ gehalten wird – eine Bezeichnung, die manchmal schmeichelhaft gemeint ist, oft aber auch abwertend klingt. Besprechungen runden wie üblich unser Heft ab. Übrigens: Umweltfreundlich können Sie unser Heft online unter www.goethe.de/fikrun lesen. Dort gibt es das Heft auch als eBook-Datei zum Herunterladen für Smartphones oder Tablets.

    Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre!

    Ihre Fikrun wa Fann Redaktion


    Hinweis:
    Unsere 100. Ausgabe, die im Januar 2014 erscheint, wird zum Schwerpunktthema das Jahr 1914 haben – ein Jahr, das Europa, den Orient und die Welt für immer verwandelte.

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