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    Jugend

    Über Fikrun

    Fikrun wa Fann war eine von 1963 bis 2016 vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift, die den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den islamisch geprägten Ländern gefördert und mitgestaltet hat. Mit dem Erscheinen der letzten Ausgabe „Flucht und Vertreibung“ (Heft 105) im Herbst 2016 wurde auch die Pflege und Aktualisierung dieses Online-Portals eingestellt.

    Jugendliche können nicht mehr träumen

    Copyright: picture-alliance/dpaIn Ägypten ist mittlerweile die Hälfte der Bevölkerung jünger als 20 Jahre. Das Bildungssystem und die Wirtschaft des Landes bieten der Jugend kaum Zukunftschancen. Auch im Libanon entscheidet bis heute vor allem die Herkunft über die Aussicht auf Erfolg.

    "Eure Generation ist mir unergründlich. Als ich jung war, war die Liebe für unser Vaterland wie eine Religion." Zaki el Dessouki, ein älterer Herr aus dem Kairoer Establishment, der schon bessere Zeiten erlebt hat, versteht seine junge Geliebte nicht. Sie will mit ihm auswandern, am liebsten nach Frankreich, Hauptsache weg.

    Diese Szene wird beinahe nebensächlich erzählt in dem Roman Umaret Yacoubian – Das Haus Yacoubian des Schriftstellers Alaa Al Aswany, der nach seinem Erscheinen im Jahr 2002 für heftige Diskussionen in Ägypten sorgte. Doch für die Beziehung zwischen den Generationen in Ägypten, ja in der gesamten arabischen Welt, ist sie eine Schlüsselszene. Sie zeigt die Perspektivlosigkeit der Jugend im eigenen Land, das Unverständnis und Desinteresse der Alten, und sie lässt sich in einer Vielzahl von Varianten nacherzählen.

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    Tahany Adly, Kairo
    Etwa anhand der 16-jährigen Tahany aus dem ärmlichen Kairoer Stadtteil Imbaba: Sie träumt davon, in den USA zu leben. Am liebsten möchte sie Lehrerin werden, doch in das Bildungssystem ihrer Heimat hat Tahany kein Vertrauen.

    Oder anhand von Youssef Chahine: Der berühmte Filmemacher hat sich nie gescheut, seine Finger in die Wunden der ägyptischen Gesellschaft zu legen. Dennoch ist er ein Patriot, als junger Mann in Hollywood war er nie so glücklich wie zuhause am Nil. Chahine kehrte in die Heimat zurück.

    Heute schaut der 80-Jährige auf die langen Schlangen vor den westlichen Konsulaten und sagt resigniert: Alle wollen emigrieren. Früher habe ich meinen Studenten gesagt, tut das nicht. Weil ich altmodisch war und die Schönheit der Heimat gesehen habe. Nun sage ich ihnen: Geht! Sie haben keine Chance hier. Ägypten ist viel zu korrupt.

    Klientelismus, gesellschaftliche Starre und ein marodes Bildungssystem machen es jungen Leuten in weiten Teilen der arabischen Welt unmöglich, ihre Träume zu verwirklichen. Wer Geld hat und Macht, für den ist es natürlich leichter. Ayman, 16 Jahre alt, aus dem ägyptischen Kerdesa sagt: In zehn Jahren möchte ich Arzt oder Polizist sein, so dass ich in einer mächtigen Stellung bin.

    Download SymbolMoritz Behrendt: Jugendliche können nicht mehr träumen (pdf, 25 KB)

    Copyright: Goethe-Institut, Fikrun wa Fann

    Januar 2007

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