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Podiumsdiskussion „Sprache – Nationalsprache – Dialekt“ (Serbien)

Interviews mit Gesprächspartnern aus der deutschsprachigen Schweiz werden im deutschen Fernsehen häufig mit Untertiteln wiedergegeben, da viele Deutsche sie sonst nicht verstehen würden. In der Sprachwissenschaft spricht man vom Deutschen als einer plurizentrischen Sprache, doch man könnte das Österreichische und das Schweizerdeutsche durchaus auch als eigene Sprachen sehen. Was unterscheidet Sprache und Dialekt und wie (vielleicht sollte man fragen: warum) wird eine Sprache zur Nationalsprache?

Die Erörterung dieser Fragen vor dem Hintergrund der deutschen Sprache(n) wirft ein interessantes Licht auf den Umgang mit der Sprachenfrage in der Region, deren Sprache man früher als Serbokroatisch bezeichnet hat. Es diskutierten Prof. Ulrich Ammon (Deutschland), Prof. Rudolf de Cillia (Österreich), Prof. Georges Lüdi (Schweiz), Prof.Ivan Klajn (Serbien) und MA Daniel Grabic (Deutschland).

In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum und der Schweizerischen Botschaft.

Teilnehmende Referenten:


Prof. Dr. Ulrich Ammonist Professor für Germanistische Linguistik mit dem Schwerpunkt Soziolinguistik an der Universität Duisburg-Essen. Er war Gastprofessor unter anderem in den USA, Australien, Japan und Österreich. Zu seinen wichtigsten Publikationen (von 14 Monografien und circa 250 Aufsätzen) gehören: „Dialekt, soziale Ungleichheit und Schule“ 1972; „Die internationale Stellung der deutschen Sprache“ 1991; „Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ 1995; „Ist Deutsch noch internationale Wissenschaftssprache?“ 1998 und – zusammen mit Hans Bickel, Jakob Ebner u.a. – „Variantenwörterbuch des Deutschen. Die deutsche Sprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol“ 2004. In den letzten Jahren hat er sich verstärkt Fragen der Sprachenpolitik zugewandt, zum Beispiel in dem Band „Sprachförderung. Schlüssel auswärtiger Kulturpolitik“ 2000.

Prof. Dr. Rudolf de Cillia studierte Germanistik, Romanistik und Linguistik. Er ist Professor für Angewandte Linguistik und Sprachlehrforschung am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Seine Forschungs- und Publikationstätigkeit befasst sich mit Fremdsprachendidaktik und Sprachlehrforschung, Sprachenpolitik, sprachliche Minderheiten, Migrationsforschung, Sprache und Politik, kritischer Diskursanalyse und linguistischer Vorurteilsforschung.

Prof. Dr. Ivan Klajn (* 1937) studierte italienische Sprache und Literatur an der Philologischen Fakultät Belgrad. Seine Magisterarbeit behandelt das Thema „Worte mit fremdem Ursprung im Nachkriegsitalienisch“, in seiner Doktorarbeit beschäftigt er sich mit dem „Einfluss der englischen Sprache auf das Italienische“. Als ordentlicher Professor lehrte er zeitgenössische italienische Sprache, historische Grammatik der spanischen Sprache sowie vergleichende Grammatik romanischer Sprachen. Seit Oktober 2002 ist er emeritiert. Im Jahr 2000 wurde er zum korrespondierenden und 2003 zum ordentlichen Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Prof. Klajn ist Mitglied der Kommission für die Standardisierung der serbischen Sprache seit ihrer Gründung 1997 und seit 2000 ihr Vorsitzender. In der „Matica srpska“ ist er seit Erscheinen der ersten Nummer Chefredakteur der Zeitschrift „Sprache heute“. Seit 1974 schreibt Prof. Klajn wöchentliche Beiträge in „Borba“, in „Ilustrovana Politika“ und „Politika“, und in den letzten fünfzehn Jahren auch in „NIN“.

Prof. Dr. Georges Lüdi (* 1943) ist Direktor des Instituts für Französische Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Basel. Er studierte Romanistik und Linguistik in Zürich, Madrid und Montpellier. 1971 promovierte er an der Universität Zürich und 1976 habilitierte er sich in französischer und spanischer Sprachwissenschaft. Seit 1982 ist er Inhaber der Professur für französische Sprachwissenschaft an der Universität Basel. 1994/95 Dekan der Philosophisch-historischen Fakultät. 1996-2002 Präsident der Planungskommission der Universität Basel. Seit 1985 Präsident der Stiftung für das FEW Seit 1994 Mitglied des Wissenschaftspolitischen Rates für die Sozialwissenschaften der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften. 1998 Vorsitzender der Expertengruppe für ein Gesamtsprachenkonzept für die Volksschule der EDK Seit 1997 wissenschaftlicher Berater des Europarates in sprachpolitischen Fragen.

Daniel Grabic (* 1979) wuchs in Mönchengladbach auf, wo er 1999 seine Schullaufbahn mit dem Abitur abschloss. 2005 erlangte er den Titel 'Magister Artium' mit dem Abschluss seines Studiums im „Internationalen Informationsmanagement“ am Institut für Angewandte Sprach- und Informationswissenschaften der Universität Hildesheim. Im Rahmen seines Studiums beschäftigte er sich unter anderem mit sprachpolitischen Aspekten bezüglich der Ursprünge, der Entwicklung und dem Ende der „serbokroatischen Sprachgemeinschaft“. Seit Oktober 2005 arbeitet er bei Prof. Dr. Stefan Troebst als Promotionsstudent am Zentrum für Höhere Studien der Universität Leipzig an seiner Dissertation. Daniel Grabic untersucht in seiner Arbeit den Identitätsdiskurs der pro-montenegrinischen Elite anhand einer quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse der montenegrinischen Zeitschrift „Monitor' in einem Zeitraum von 1990 bis 2007.


Programm:

17:00 Uhr Begrüßung

17:15 Uhr Prof. Ulrich Ammon, Universität Düsseldorf: „Deutsch als Sprache mit mehreren Zentren – die sprachlichen Beziehungen zwischen Deutschland, Österreich und der (deutschsprachigen) Schweiz.“

17:40 Uhr Prof. Rudolf de Cillia, Universität Wien: „Sprache/n – Staatssprache – Dialekte in Österreich“

18:00 Uhr Prof. Georges Lüdi, Universität Basel: „Sprachenlandschaft Schweiz“

18:30 Uhr Kaffeepause

18:45 Uhr MA Daniel Grabic, Universität Leipzig: „Montenegrinisch als Teil des Identitätsdiskurses in Montenegro heute“

19:15 Uhr Prof. Ivan Klajn, Serbische Akademie der Wissenschaften Belgrad: „Purismus und Antipurismus in der serbischen Sprache“

19:45 Uhr offenes Gespräch mit dem Publikum

Moderation: Jutta Gehrig

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