Ein mehrsprachiges Theaterprojekt für Kinder

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Die Idee zu diesem multikulturellen Theaterprojekt für Kinder basiert auf dem zweisprachigen Buch „Der Hamburger Wasserträger“ von Michael Moellers. Das Buch ist sprachlich so einfach gehalten und reich bebildert, dass diese typische Stadtgeschichte lebendig wird.

Da das Buch schon auf Deutsch und Englisch vorlag, bot es sich an, es auch in weitere Sprachen zu übersetzen. Nach und nach wuchs so die Idee, Kinder aus verschiedenen Städten und Kulturen für ein gemeinsames Theaterprojekt zu begeistern. Lehrer, Eltern, Künstler und vor allem Kinder aus drei Metropolen begannen, die Details jeweils vor Ort zu planen. Eine Generalprobe, bei der alles noch einmal aufeinander abgestimmt werden konnte, gab es nicht. Die Kinder lernten sich erst vor Ort bei der Aufführung kennen. Aber Kinder sind spontan, und so konnte alles toll gelingen!

Die Planung im Einzelnen

Der Grundgedanke war, Kinder als Botschafter der Mehrsprachigkeit auftreten zu lassen. Nicht nur über sprachliche, auch über räumliche und Alters-Grenzen hinweg fand hier Verständigung statt. So hat die Hujdur Media GmbH aus Hamburg zusammen mit der SpielScheune Neu Allermöhe eine komplexe Struktur entwickelt, auf deren Basis die Kooperation zwischen Kindern aus drei Städten in Deutschland und vielen Kulturen entstand. Sie lieferte die Ideen und Materialien, die hier im Einzelnen vorgestellt werden. Diese Ideen dienen als Anregung zum Nachmachen, Weiterentwickeln und Neu-Ausdenken.

Bevor es an Detailüberlegungen geht, die zum Beispiel die pantomimische Umsetzung, die Kostümierung oder das Bühnenbild betreffen, muss ein exakter Ablaufplan erstellt werden, der alle Zielgruppen, Kinder, Schulen, Eltern und andere Akteure mit bedenkt. Dieser Ablaufplan muss ständig an die aktuellen Bedürfnisse angepasst werden.

Übersetzung der Texte

Am Anfang aller Planung steht die Koordination der Übersetzung. Das Buch, das bereits in Deutsch und Englisch vorliegt, muss also in weitere Sprachen übersetzt werden. Organisiert und koordiniert wurde die Übersetzung in diesem Projekt von Yusuf Hujdur von der Hujdur Media GmbH, natürlich mit Genehmigung des Autors Michael Moellers. Und so entstanden für die große szenische Lesung Textpassagen zum Wasserträger auf bosnisch, französisch, spanisch und türkisch. Die Auswahl dieser Sprachen hing damit zusammen, welche Kinder für die Leseaufgabe zur Verfügung standen. Natürlich müssen die Sprachen, in die das jeweilige Werk übersetzt werden soll, je nach Bedarf und sprachlichen Möglichkeiten ausgewählt werden. Am Ende sollen die übersetzten Texte dann von Kindern in ihrer jeweiligen Muttersprache vorgelesen werden. In einem genauen Plan muss dafür festgelegt werden:
  • Welches Kind übernimmt welche Passage?
  • Welche Passagen werden in welcher Sprache gelesen?
  • Wie erfolgt die Auswahl und Einteilung der Passagen?
Details zum Ablaufplan (PDF, 38 KB)

Szenische Umsetzung in Pantomime

Für die szenische Umsetzung, die pantomimisch und ganz ohne Sprache passieren soll, muss Folgendes genau überlegt werden:

Wie kann Handlung ohne Sprache verständlich gemacht werden?

Unter Umständen kann es hilfreich sein, einen Schauspieler oder Theaterpädagogen hinzu zu ziehen, der den Kindern klare Anweisungen gibt, wie man die jeweilige Szene pantomimisch umsetzt. Für einen reibungslosen Ablauf bei der Aufführung müssen die Kinder genug Zeit zum Proben haben. Zudem sind genaue Ablaufpläne erforderlich, die Seitenzahlen und Einsätze festlegen. Außerdem müssen folgende Schritte bei der Inszenierung beachtet werden:
  • Welche Rollen werden besetzt?
  • Welche Handlungen werden wie umgesetzt?
  • Wie ist die genaue Szeneneinteilung?
  • Wann haben die Pantomimen-Darsteller ihren Einsatz?

Kostüme

Für die Herstellung von Kostümen und Requisiten finden sich im Buch gute Anregungen. In diesem Projekt wurden die Kostüme vom Hamburger Modedesigner Till Hagemann gefertigt. Es ist aber natürlich auch möglich, die Kostüme von den Kindern und Eltern selbst herstellen zu lassen. Manchmal bietet sich auch in Schulen die Möglichkeit, den Fachunterricht zu solchen Zwecken zu nutzen.

Bühnenbild und Requisiten

Zum Anfertigen der Bühnenbilder sollten Vorlagenskizzen erstellt werden, damit die fertigen Bühnenbilder schließlich so aussagekräftig werden, dass man versteht, worum es in der jeweiligen Szene geht, denn nicht alle Teile der Handlungen der pantomimischen Darsteller sind gleich leicht verständlich. Bühnenbilder können im Kunst-oder Werkunterricht gemalt und gebaut werden. Sie sind dann groß und vermutlich schwer, so dass auch beim Transport zum Aufführungsort genau geplant werden muss. Wenn die Platten in den vorgeschlagenen Maßen angefertigt werden und die Aufführung nicht direkt an der Schule stattfindet, ist ein vermutlich ein Lieferwagen erforderlich.
Download Symbol Bühnenbilder (PDF, 4,3 MB)

Ein genauer Ablauf für die Präsentation während der Aufführung muss erstellt werden, um festzulegen:
  • Welches Kind / welche Lernergruppe ist für welches Bühnenbild verantwortlich?
  • Wann müssen die Bühnenbilder auf die Bühne getragen oder ausgetauscht werden?
Bei den Requisiten handelt es sich vor allem um Gebrauchsgegenstände (Tische, Stühle, Geschirr), daher sind sie leicht zu beschaffen und können zum Beispiel von den Eltern mitgebracht werden. Außerdem muss im Ablaufplan vermerkt werden:
  • Welche Requisiten sind für die einzelnen Szenen notwendig und wann müssen sie auf die Bühne gebracht werden?
  • Wer übernimmt diese Aufgabe?

Musikalische Begleitung

Eine musikalische Begleitung rundet das szenische Spiel ab. Besonders schön ist es, wenn es gelingt, alle beteiligten Kinder und auch die Zuschauer zum gemeinsamen Singen zu animieren. Beim Hamburger-Wasserträger-Projekt wurde eigens ein schon bekanntes Lied durch passenden Text erweitert. Alle Kinder bekamen die Noten und Texte vorab zugeschickt, um ein bisschen damit zu üben. Um die Inszenierung musikalisch zu begleiten, engagiert man idealerweise einen Gitarrenspieler oder Pianisten. Preiswerter ist es natürlich, wenn eine Schüler-Musikgruppe oder ein musikalischer Vater oder eine Mutter diese Aufgabe übernimmt. In unserer Aufführung begleitete Reinhold Merta den gesamten Auftritt mit der Gitarre.

Musikalische Begleitung kann eingesetzt werden:
  • Zur Einstimmung
  • Zwischendurch
  • Als Ausklang
Für die Aufführung in der Akademie der Künste in Berlin wurden für das „Plitsch-Platsch-Lied“, das seit 2006 besteht, neue Strophen geschrieben; natürlich ist es auch möglich, gemeinsam mit den Kindern eine neue Melodie oder einen neuen Text zu erarbeiten. Außerdem kann auch das Publikum mit einbezogen werden und zum Beispiel spontan dazu aufgefordert werden, mitzusingen.
Download Symbol ♫ Plitsch-Platsch-Lied (PDF, 1,4 MB)

Aufführung

Nach vielen Tagen des Vorbereitens, Organisieren und Gestaltens wird das Theaterstück schließlich inszeniert. Damit alles klappt wie geplant, müssen szenisches Lesen, Pantomime und der Wechsel der Bühnenbilder gut aufeinander abgestimmt werden. Denn zum vorgelesenen Text muss zu passendem Zeitpunkt das richtige Bühnenbild erscheinen und die entsprechende pantomimische Darstellung erfolgen.

Dokumentation

Natürlich kann die Aufführung filmisch oder mit Fotos festgehalten und publiziert werden. Allerdings müssen dafür rechtliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. So darf zum Beispiel kein Kind ohne schriftliche Einverständniserklärung der Eltern im Internet abgebildet werden. Man muss also bedenken, dass rechtzeitig Einverständniserklärungen eingeholt werden müssen. Oft liegen in Schulen dafür fertige Formblätter vor.

Organisatorisches

Haben Sie wirklich an alles gedacht? Anbei eine kleine Checkliste, um Ihnen die Organisation ein wenig zu erleichtern:

Checkliste
  1. Betreuung der Kinder: Genügend Betreuer vor Ort oder müssen Eltern mit „einspringen“?
  2. Verpflegung der Kinder: vor Ort oder selbst zu organisieren?
  3. Versicherung: zusätzliche Versicherungen (z.B. Haftpflichtversicherung) nötig?
  4. Werbung: Flyer, Plakate, Mailinglisten?
  5. Einladungen an Eltern verschicken: eventuell auch mehrsprachig
  6. Einverständniserklärung
  7. Technik vor Ort: Lautsprecher zum Vorlesen, CD-Player für Musik oder ähnliches
  8. Sitzgelegenheiten: für Kinder, wartende Eltern, Zuschauer etc.
  9. Ersatzleser und – spieler, falls Kinder krank werden

Aufführung in Berlin

Für die große Aufführung in Berlin kamen Kinder aus München, Berlin und Hamburg zusammen. Jede der Gruppen hatte im Vorfeld einen eigenen Aufgabenbereich bekommen. So waren die Kinder aus München per Bahn nach Berlin gereist, um dort in ihrer Muttersprache (deutsch, bosnisch, englisch, französisch, spanisch oder türkisch) den „Hamburger Wasserträger“ szenisch vorzulesen. Die Organisation für diese Gruppe übernahmen Prof. Claudia Ueffing, damals Fachberaterin für interkulturelle Pädagogik der Stadt München“, und Andreas Wünnenberg, Leiter einer Kindertageseinrichtung in München und freiberuflich Schauspieler. Es war nicht leicht, Kinder zu finden, die mitfahren durften und wollten und die auch ganz gut lesen konnten. Es musste vor allem ein genauer Plan angefertigt werden, welcher Textteil in welcher Sprache vorgelesen wird. Für das überwiegend deutschsprachige Publikum wurde beschlossen, den Anfangs- und Schlusstext auf Deutsch vorzulesen.

Für die pantomimische Umsetzung waren Schüler aus Hamburg zuständig. Sie kannten die Geschichte bereits und übten in einem zweiwöchigen Workshop mit ihrer Betreuerin Ulla Moser von der SpielScheune Neu Allermöhe und mit der Erzieherin Martina Ducqué aus Wertheim, damit sie den Inhalt des Stücks auch überzeugend pantomimisch darstellen konnten. Für die Inszenierung waren jedoch auch Kostüme nötig. Dazu nutzen die Kinder die Bilder im Buch als Anregungen. Ein professioneller Schneider, der Hamburger Modedesigner Till Hagemann, fertigte sie dann in seinem Atelier.

Damit die Zuschauer alles gut verstehen konnten, musste das Bühnenbild sorgfältig gestaltet werden. Das wurde von Kindern aus insgesamt drei Berliner Schulen übernommen, die mit Hilfe des Berliner Senats gefunden wurden. Dafür erhielten sie von einer Zeichnerin aus Hamburg Entwürfe, die sie dann im Werkunterricht auf große Spanplatten malten. Diese Bilder waren so groß, dass sie für die große Aufführung in der Freien Akademie der Künste mit einem großen Lieferwagen transportiert werden mussten – in ein normales Auto passten sie nicht.

Der große Tag der Aufführung war für alle Teilnehmer aufregend, die Kinder aus München und Hamburg reisten per Kleinbus mit Begleitung an, die Berliner Kinder mussten dafür sorgen, dass alles heil transportiert wurde. Spannend war es auch deshalb, weil es zuvor – wegen der großen räumlichen Entfernung – keine gemeinsame Probe gab. Die Geschichte des „Hamburger Wasserträgers“ wurde vorgelesen, pantomimisch, musikalisch und mit Bildelementen unterstützt. Die Kinder lieferten Großartiges und zeigten, wie spontan sie waren. Denn niemand hatte zuvor bedacht, wie unterschiedlich das Lesetempo der Kinder sein kann. Darauf mussten die Pantomimen-Darsteller spontan reagieren – an manchen Stellen sorgte das für große Erheiterung.

Dank der Bilder konnte man auch die fremdsprachigen Textstellen ganz gut verstehen! Und wenn Sprachenlernen so viel Spaß macht, dann lohnt sich auch der ganze Aufwand. Ein mehrsprachiges Projekt, das Kinder, Organisatoren und Zuschauer gleichermaßen motivierte.

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    Leonard Orban, Mitglied der Europäischen Kommission zuständig für Mehrsprachigkeit