Theater- und Filmprojekt Sprach-Fluss

Windhoek, Lomé, Accra, Kampala,
Nairobi ... an diesen Standorten des Goethe-Instituts treffen sich von September 2008 bis April 2009 insgesamt über 100 afrikanische Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren aus 16 Ländern mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, um unter der Leitung von Theaterpädagogen der Universität Hildesheim eine Woche lang gemeinsam szenisch zu arbeiten. Ein Kamerateam begleitet diese Theaterworkshops mit je 20 Schülerinnen und Schülern aus Partnerschulen von Mali bis Madagaskar.


Abschlussveranstaltung in Berlin

Im Mai 2009 nehmen dann ausgewählte Schüler der fünf Theaterwerkstätten an einem panafrikanischen Workshop in Johannesburg/Südafrika teil, um sich auf ihre Reise nach Hildesheim vorzubereiten, wo sie in einem Begegnungsworkshop gemeinsam mit deutschen Jugendlichen eine szenische Präsentation erarbeiten, die auf der Abschlussveranstaltung des Großprojekts des Goethe-Instituts „Sprachen ohne Grenzen“ in Berlin gezeigt wird.

Das von der Theaterpädagogin und DaF-Lehrerin Dr. Edda Holl (Johannesburg) konzipierte und initiierte Vorhaben wurde mit der Medienkünstlerin Anke Schäfer (Köln/Maastricht) zu einem Theater-Medien-Projekt ausgearbeitet und wird durch Prof. Dr. Geesche Wartemann und Dr. Ole Hruschka (beide Universität Hildesheim) wissenschaftlich begleitet. Körper- und Stimmtraining sowie die Theaterübungen werden auf Deutsch angeleitet, wobei zu deutschen und afrikanischen Märchenstoffen erzählt, gemalt, gesungen, improvisiert, getextet wird – und zwar auf so vielen Sprachen wie möglich.

In Afrika, wo über 1.500 verschiedene untereinander nicht verständliche Sprachen gesprochen werden, gehört Mehrsprachigkeit zur kulturellen Identität der meisten Jugendlichen. Deutschunterricht wird dort oftmals noch mit Frontalunterricht, Grammatiklernen und Vokabelpauken assoziiert. In den SPRACH-FLUSS-Workshops soll die Erfahrung gemacht werden, dass Sprachenlernen weit mehr sein kann als das: nämlich lustvolles Lernen in der Kommunikation mit anderen zum Zweck des Kommunizierens. Bei der szenischen Arbeit erleben die Jugendlichen andere Sprachen nicht als Grenzen der Kommunikation, sondern vielmehr als Bereicherung der gemeinsamen ästhetischen Praxis. Theater als Schule des „Sehens und des Hörens“ bietet ein ideales „Trainingsumfeld“ für die Aneignung von Kommunikationsstrategien über Landes- und Sprachgrenzen hinweg. Im Schutz einer Figur oder des Theaterchores, in den „Als-ob-Situationen“ und in deutlich motivierten szenischen Improvisationen, die bewusst meist auf geringe Redemittel sowie auf Aspekte des nonverbalen Ausdrucks setzen, gelingt die Verständigung in einer Fremdsprache stets viel besser.


Lehrer als Multiplikatoren

Die Lehrer erleben diese Theaterarbeit als Multiplikatoren und haben die Möglichkeit, sich mit deutschen Kollegen über Theater als Unterrichtsprinzip in mehrsprachigen Klassensituationen auszutauschen. Momente und Prozesse der Workshops werden mittels der Kamera protokolliert und verdichtet und zu einem eigenständigen SPRACH-FLUSS-Film montiert. Zudem entsteht eine DVD-Edition, die verschiedene Übungen und theatrale Ansätze für den Einsatz im Sprachunterricht vorstellt. Diese Materialien aus dem SPRACH-FLUSS-Projekt werden an die afrikanischen Schulen „zurückgespielt“, wo sie im (Deutsch-) Unterricht weitere Verbreitung und Anwendung finden sollen. Durch die Filme werden also auch die Lehrer und Schüler, die nicht bei den Theaterworkshops dabei sein konnten, in den SPRACH-FLUSS und damit in das Netzwerk „Schulen: Partner der Zukunft“ eingebunden.

Download Symbol Flyer Sprach-Fluss (PDF, 2 MB)
Kontakt
Dr. Edda Holl
Theaterpädagogin und DaF-Lehrerin
Initiatorin und Projektleiterin von SPRACH-FLUSS
Mail Symbolkaihh@mweb.co.za

Robert Fallenstein
Leiter der Spracharbeit und Verantwortlicher für PASCH-Projekte des Goethe-Instituts in Subsahara-Afrika
Mail SymbolLSR@johannesburg.goethe.org

Anke Schäfer
Videokünstlerin, Regisseurin
Konzeption und Ausführung des Videoprojekts
Mail Symbolsmokkel.info@gmx.net
Links zum Thema

Mehrsprachigkeit – Sprachen ohne Grenzen

Goethe-Institut
Welche Wirkung hat Mehrsprachigkeit auf das politische, soziale, geistige und kulturelle Leben? Welchen Wert für Wirtschaft und Wissenschaft?

Gesamtprogramm

der Abschluss-
veranstaltung „Sprachen ohne Grenzen“, 17.–19.09.2009
Download SymbolRahmenprogramm (PDF, 100 KB)

„Schulen: Partner der Zukunft“

Diese Initiative will bei jungen Menschen Interesse und Begeisterung für das zeitgenössische Deutschland wecken.