Episoden


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Neue Diaspora: Episode Haiti


Wie schaffen Migration und soziale Kontrolle komplexe Machtstrukturen zwischen den Ländern der südlichen Halbkugel? Dies ist die Leitfrage des vom Goethe-Institut unterstützten Projekts Neue Diasporas. Ziel des Projekts ist, aus den Stimmen der Protagonisten der Migration selbst Erkenntnis zu schaffen und einen Raum zum Zuhören anzubieten, in dem Erfahrungen der Migranten selbst auf gleicher Höhe mit unterschiedlichen anderen Wissensgebieten behandelt werden.

Die erste Ausgabe der Neuen Diaspora konzentrierte sich auf die Einwanderung von Haiti nach Brasilien. „Haiti ist die erste und einzige Nation, die aus einer Revolution von Sklaven hervorging und uns dabei helfen kann, ein Narrativ unserer Widerstandsgeschichte zu erschaffen“, gibt sich Daniel Lima, bildender Künstler und Urheber des Projekts, nachdenklich.
Episode Haiti (2016)

Die erste Ausgabe der Neuen Diaspora konzentrierte sich auf die Einwanderung von Haiti nach Brasilien. „Haiti ist die erste und einzige Nation, die aus einer Revolution von Sklaven hervorging und uns dabei helfen kann, ein Narrativ unserer Widerstandsgeschichte zu erschaffen“, gibt sich Daniel Lima, bildender Künstler und Urheber des Projekts, nachdenklich.

Indem Haiti als eine Art Versuchslabor und Symbol transkontinentalen Sklavenkampfes angesehen wurde, bestand die Episode aus verschiedenen Veranstaltungen, darunter ein Videoschnitt Workshop für haitianische Einwanderer, bei dem Rohmaterial bearbeitet wurde, das Lima und der Forscher Felipe Teixeira in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince gesammelt haben. Beide waren 2015 vor Ort, um die Militarisierung des Landes und die soziale Kontrolle zu erforschen, die durch die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH) ausgeübt wird.

Im Goethe-Institut fand eine öffentlich performative Debatte in verschiedenen Formaten statt: audiovisuelle Präsentationen, Arbeitsgruppen, kurze Vorträge und kulinarische Erlebnisse. Neben Daniel Lima waren bei der Veranstaltung auch die Künstlerin MC Roberta Estrela D’Alva, der Dirigent Eugênio Lima, der Forscher Felipe Teixeira, die simbabwische bildende Künstlerin Lucia Nhamo und der haitianische Fotojournalist Pierre Michel Jean sowie haitianische Musiker anwesend.

Episode Senegal (2017)

Dem Bemühen um ein verstärktes Nachdenken über die in den vergangenen Jahrzehnten entstandenen Migrationen zwischen Ländern der Südhalbkugel folgend, versuchte das Projekt Neue Diasporas in seiner jüngsten Ausgabe 2017 einen vertiefenden Blick auf den Senegal.
Die senegalesische Einwanderung nach Brasilien ist neu. Obwohl es im Senegal, anders als in vielen afrikanischen Ländern, keine Binnenkonflikte gibt, ist es eines der ärmsten Länder der Welt (nach dem Human Development Index unter den letzten 25), was viele Senegalesen dazu bewegt, ihr Land auf der Suche nach einem besseren Leben zu verlassen. Brasilien ist mit zunehmender Wahrnehmung im Ausland ab den 2000er Jahren zu einem attraktiven Einwanderungsziel für Senegalesen geworden. Sie machen heute nach den Haitianern die zweitgrößte ethnische Gruppe unter den Asylbewerbern in Brasilien aus.

Das Projekt Neue Diásporas: Episode Senegal beinhaltete eine Forschungsreise des Künstlers Daniel Lima (Frente 3 de Fevereiro) und der Produzentin Raquel Borges nach Dakar sowie eine Videowerkstatt mit einer Gruppe Senegalesen. Zum Abschluss gab es ein offenes Event mit Musik, landestypischer Gastronomie, audiovisuellen Präsentationen und Performances.
Sowohl an den Vorstellungen als auch an den Diskussionen beteiligten sich auch Protagonisten der Migration selbst. Cartografia nou pao obey














Roberta Estrela d'Alva

Schauspielerin, Aktivistin

Brasilien

Mitglied der Theatergruppe Núcleo Bartolomeu de Depoimentos, die das Hip-Hop Theater in Brasilien gründete. Estrela D'Alva gewann mehrere Preise im Slam, unter anderem beim legendären Green Mill.


Fedo Bacourt

Erzieher

Haiti

Ausgebildet in Erziehungswissenschaften und Pädagogik an der Internationalen Universität Haiti und Koordinator der Sozialvereinigung für Einwanderer União Social dos Imigrantes Haitianos (USIH).


Marie Rose Laure

Schauspielerin

Jeanty Haiti

Studierte Medizin an der Technischen Universität von Santiago (Dominikanische Republik) ohne Abschluss. In Brasilien spielte sie in dem Stück Cidade Vodu. Schatzmeisterin der Sozialvereinigung União Social dos Imigrantes Haitianos (USIH). Privatisierung des Jaraguá-Parks.


Paolo Parise

Theologe

Italien/Brasilien

Doktor in Theologie der Gregoriana in Rom. Er ist Leiter des Zentrums für Migrationsstudien von São Paulo und koordiniert die Friedensmission São Paulo.


Patrick Deudonne

Filmemacher und Produzent

Haiti

Ausgebildet in Film und Internationale Beziehungen am CEDI, leitet die Produktionsfirma Diamond Films und produziert die Hip-Hop-Gruppen Haiti Rap Clan, Clan Fatal, und Surprise 69!


Joel Orelien

Musiker und Schauspieler

Haiti

Ausgebildet in Betriebswirtschaft an der Université Publique de l‘Artibonte aux Gonaives, spielte er in dem Stück Cidade Vodu – Teatro de Narradores.


Evens Predestien

Lehrer und Musiker

Haiti

Lehrer für Geschichte, Mathematik und Französisch.


Eugênio Lima

DJ, Musikalischer Leiter, Wissenschaftler, Choreograph und Schauspieler-MC

Brasilien

Gründungsmitglied der künstlerischen Kollektive Núcleo Bartolomeu de Depoimentos, Frente 3 de Fevereiro und Banda Cora. Er forscht über Hip-Hop-Kultur. Er ist Moderator der Sendung “Vitrola Livre” von Rádio UOL. Gründete Sub Club, Soul Family und Urbano Soul. Am Núcleo Bartolomeu de Depoimentos wurde er in den Kategorien beste Filmmusik, musikalische Leitung und Schauspielleistung in Acordei que Sonhava, sowie Schauspieleistung und musikalische Leitung und Filmmusik in Orfeu Mestiço – Uma Hip-Hópera Brasileira für den Prêmio Pamaco vorgeschlagen.


Louides Charles

Musiker

Haiti

Maestro von Satellite Musique, einer seit 2014 bestehenden Band von Haitianern in Brasilien, die den für Haiti typischen Rhythmus Compass spielt.


Berhman Garçon

Journalist, Filmemacher und Radiosprecher

Haiti

Master in Sozialanthropologie, forscht über die Geschichte des haitianischen Films am Institut für Philosophie und Humanwissenschaften der Universidade Estadual de Campinas (UNICAMP). Er ist Bachelor in Journalismus an der Abteilung für Entwicklungswissenschaften der Université Polyvalente D’Haïti (UPH).


Lucia Nhamo

Künstlerin

Zimbabwe

Stammt aus Zimbabwe und arbeitet in Südafrika. Beschäftigt sich in Performances, Videos und Skulpturen mit Gegennarrativen und Machtverhältnissen, insbesondere Fragen von rassischer und kultureller Identität. Als Auszeichnung für ihre Beteiligung an der Biennale von Bamako nimmt sie am Residenzprogramm von Lanchonete.org teil.


Pierre Michel Jean

Fotojournalist

Haiti

Lebt und arbeitet in Port au Prince, Haiti. Während seines Studiums der Publizistik entdeckte er die Fotografie, sein späteres Studienfach. Er beteiligte sich an zahlreichen Kursen mit Fotografen wie Dave Damoison, Gaël Turine, Chéry Dieu Nalio oder Paolo Woods. 2013 wurde er ausgewählt, um Haiti auf den Frankophonie-Spielen in Nizza, Frankreich, zu vertreten. Seine Fotos waren auf Gruppenausstellungen in Haiti und im Ausland zu sehen.


Massar Sarr

Mediengestalter

Senegal / Brasilien

Massar Sarr ist Senegalese und lebt seit 2009 in Brasilien. Er ist Sekretär des Senegalesischen Vereins von São Paulo sowie der religiösen Vereinigung Muride Cheick Ahmadou Bamba. Er war Berater der Bezirksverwaltung von Sé für Einwandererfragen.


Fatou Sy

Mediengestalterin

Senegal / Brasilien

Fatou Sy ist Senegalesin aus Dakar und lebt seit drei Jahren in Brasilien. Ausgebildet in Französisch und Informatik arbeitet sie heute in São Paulo im Handel.


Saliou Sene

Musiker

Senegal / Brasilien

Saliou ist ein senegalesischer Musiker, geboren in Mbour, einer kleinen Stadt nahe Dakar. Er gehört der Ethnie der Laobé an und widmete sich schon früh dem Kunsthandwerk, vor allem dem Bau von Djembés. Seit fünf Jahren in São Paulo, tritt er mit seiner Band auf, baut Instrumente und gibt Perkussionsunterricht. Er gehört der Islamischen Sufi-Bruderschaft von São Paulo an.


Will Robson

DJ und Musikproduzent

Senegal / Brasilien

Will Robson ist DJ und Musikproduzent. Seit 1994 in der Musikszene tätig, schreibt er auch Soundtracks für Film und Theater. Er studiert die Musik und Kultur Afrikas und ist Mitglied des Kollektivs Frente 3 de Fevereiro.


Baye Fall African Rythms

Musikgruppe

Senegal / Brasilien

Eine Gruppe junger Perkussionisten aus Senegal, die sich 2015 in São Paulo zusammengefunden hat. Sie gehören dem Baye-Fall-Zweig der Murīdīya innerhalb der Islamischen Sufi-Bruderschaft an.


Abou Sidibé

Musiker

Guinea Conakry / Brasilien

Neben seiner Tätigkeit als Musiker ist er Geschichtenerzähler, Schriftsteller und Tänzer, geboren in Boké in Guinea Conakry. Seit 2012 in São Bernardo do Campo ansässig ist er Koordinator des Ballets Fareta Sidibé. Zur Kora erzählt er Geschichte aus der Kultur und den Traditionen Guineas.


Kunta Kinté

Musiker, Produzent und Dokumentarfilmer

Senegal

Künstlername von Ali Gueye aus Dakar. Ausgebildet in englischer Sprache und als Ingenieur im Transportwesen entschied er sich schließlich für eine Karriere als Künstler. 2011 wurde er mit einer Künstlerresidenz und Auftritten in Brasilien, Afrika und Frankreich durch das Projekt DIGIBAP der Alliance Française ausgezeichnet. Zur Zeit produziert er seine erste Platte.


Fatima Diouf

Sängerin

Senegal/Brasilien

Fatima Diouf ist eine senegalesische Sängerin der Griot-Kultur - Geschichtenerzähler, die Legenden und Bräuche ihres Volkes lebendig erhalten. Sie ist Sängerin der von senegalesischen Einwanderern in São Paulo gebildeten Band Senegal Sunugal. Daneben entwirft und vertreibt sie afrikanische Kleidung.


Astou Coulibaly

Köchin

Senegal/Brasilien

Senegalesin aus Dakar, seit 2011 in Brasilien ansässig und in der Produktion von typischen Gerichten der senegalesischen Küche tätig. Für das Event produzierte sie Dambé, eine Mischung aus Bohnen und scharfem Fleisch, sowie den typischen, mit Gewürzen angereicherten senegalesischen Kaffee Touba.

Realisation: Goethe-Institut São Paulo, Invisíveis Produções, Fundação Heinrich Böll
Produzentin: Raquel Borges
Unterstützung: Lanchonete.org