Stimmen



Neo Muyanga

Musiker und Komponist

Südafrika


Foto: Ana Freitas

Welches sind die Hauptfragestellungen und Problematiken des Globalen Südens?

Die entscheidende Frage, die sich uns als Globaler Süden gemeinsam stellt, ist, wie wir genau anfangen, die Kraft unseres eigenen indigenen Wissens zu erkennen - der Praxis der ländlichen und städtischen Armen in Wissenschaft, Gesundheit, den Künsten (unter anderem) als Hinweis auf den erfolgreichen Aufbau und die Aufrechterhaltung gegenseitiger Unterstützung, Befreiung und Bildung.

Das gegenwärtig in der ganzen Welt herrschende sozioökonomische System ist vom Ansatz her ungeheuerlich - das ist eine von Theoretikern weltweit anerkannte Tatsache, wo der Globale Norden viel zu lang viel zu viel Macht innehatte, zu diktieren, Ressourcen zu steuern und Würde zu verleihen. Wie handeln wir im Globalen Süden, um diesen Zustand weithin verhärteter Abhängigkeit umzustellen? Wie handeln wir im Globalen Süden, um uns selbst zu befreien und damit auch etwas für die Befreiung des Nordens von seiner unfairen und unrechtmäßigen Hegemonie zu tun, die uns alle entmenschlicht und marginalisiert?

Wo sind die Lücken im Süd-Süd-Dialog?

Eine unsere größten Schwachstellen ist, dass wir in unterschiedlichen Sprachen sprechen, forschen, schreiben und handeln, meist als Resultat unseres kolonialen Erbes. Dies macht es so schwierig, unsere jeweiligen Kämpfe und Siege zu verstehen, oft sogar, gegenseitige Solidarität zu üben. Wir müssen unsere jeweils anderen Sprachen lernen!

Wie verhält sich die Episode „Revoltierende Masse“ zu diesen Schwachstellen und Problematiken?

Mit dem Projekt Revoltierende Masse versuchen wir die durch koloniale Erfahrungen und Sprachen verursachte Entfernung Brasiliens und Südafrikas zu überbrücken, indem wir zusammen Kunst machen, aber auch die Politik dekonstruieren, die das Entstehen genau dieser Kunst beeinflusst. Damit bauen wir nicht nur Brücken innerhalb des Globalen Südens, sondern schaffen auch eine neue Sprache des Austauschs und der Wiedergutmachung.

Neo Muyanga arbeitet als Dirigent und tourt mit verschiedenen Ensembles und Produzenten, darunter die Royal Shakespeare Company, Handspring Puppet Company, Paco Pena’s Flamenco und William Kentridge. Neben seiner Tätigkeit als „resident composer“ am Wits Institute for Social and Economic Research (WISER) der Universität Witwatersrand in Südafrika und am Humanities Research Institute (HRI) der University of California forscht er schwerpunktmäßig zu Schwarzer Ästhetik in der Oper.