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Elvira Espejo

Maler

Bolivien


Foto: Elvira Espejo

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Fragen und Probleme des Globalen Südens?

Ich denke, die Probleme des Südens verdichten sich in dem europäischen Fokus auf fachliche Spezialisierung, der eine Museographie oder Museologíe hervorbringt, die bestimmte gesellschaftliche Erfahrungen unberücksichtigt lässt: zum Beispiel die Überprüfung musealer Praktiken im realen Kontext einer Gesellschaft. Damit sollten aber nicht nur Fehler beschrieben werden, die uns in Museen immer unterlaufen. Der Blick auf Zusammenhänge, der in Europa oder im Norden entwickelt wurde, konzentriert sich mehr auf die oberflächliche Schönheit, auf das Hübsche, wie etwa eine attraktive Ikonographie oder die dominante Farbe, fragt aber nicht nach dem Ausgangsmaterial des Gegenstands oder nach dessen eigentlicher Bearbeitung. Letztere Elemente verweisen jedoch oft auf etwas anderes – auf eine Bedeutung, eine Wissenschaft oder Technik – das noch nicht von der musealen Sprache erfasst ist. Aus diesem Grund sind die meisten Museen für städtische Gebiete erdacht oder für Touristen als Besucher und nicht für die lokale Gemeinde selbst, die von den Museen genau wie alle anderen profitieren würde.

Wo befinden sich die Lücken im Süd-Süd-Dialog?

Laut den Gesprächen, die ich mit meinen Arbeitskollegen und in den Gemeinden vor Ort geführt habe, ist eine der Fragen, wie man von seinem eigenen Kontext aus nachdenken kann – ganz gleich ob dieser nun ein ländlicher, am Stadtrand befindlicher oder städtischer ist. Eine der größten Lücken besteht darin, dass es keine sehr weit reichende Planung des realen Lebens eines Museums gibt, also was die Verwaltung, Instandhaltung, Aktualisierung der Information und die gesellschaftlichen Aktionen des Museums betrifft. Diese Unzulänglichkeiten sorgen dafür, dass es in den Museen der Gemeinden, die auf den Tourismus, also den von außen kommenden Konsum ausgerichtet sind, nicht viel Leben gibt.

Wie setzen Sie die Episode, an der Sie teilgenommen haben, mit diesen Mängeln und Problemstellungen in Verbindung?

Das Verhältnis gestaltet sich ziemlich interessant in dem Maße wie uns bestimmte miteinander geteilte Erfahrungen ermöglichten, schon bearbeitete Kontexte zu überdenken und sie mit größerem Erfolg mit anderen Erfahrungen und Aktivitäten zu verknüpfen. Ich denke, es ist sehr wichtig, diese Art von Aktivitäten von Zeit zu Zeit durchzuführen, um den Faden, der durch die Veranstaltung und die Beiträge meiner Kollegen entstanden ist, nicht zu verlieren.

Elvira Espejo studierte bis 2004 Malerei und Textilgestaltung an der Nationalen Kunstakademie in La Paz. Sie ist als plastische Künstlerin, Weberin, Geschichtenerzählerin und Poetin tätig. Darüber hinaus ist sie die Direktorin des Musef in La Paz, Bolivien.