Côte d'Ivoire

Leseförderung in der Côte d‘Ivoire

Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1960, legt die Côte d’Ivoire einen besonderen Schwerpunkt auf das Bildungswesen. Der erste Staatspräsident der Republik, Félix Houphouët-Boigny, hat seine Politik so ausgerichtet, dass die Priorität auf der Ausbildung liegt. Das Lesen bewahrt den Menschen vor intellektueller Blindheit, Unwissenheit und auch der Unkenntnis über das eigene Ich. Lesen erhellt den Geist, informiert und erlaubt neue Einblicke. Entsprechend wurden mehr als 40 % des Staatshaushaltes für Bildungszwecke eingesetzt und die Leseförderung sollte eine wesentliche Rolle in den Lehrplänen der Schulen spielen.

In der Côte d’Ivoire bleibt die Lektüre wichtig für all diejenigen, die sich bilden, auf andere Weise nachdenken wollen, oder die lernen wollen „wie man Holz mit Holz verbinde“ ( „à lier le bois au bois“), um den Ausdruck des berühmten senegalesischen Schriftstellers Cheikh Amidou Kane aus seinem Werk « l’Aventure ambigüe » (dt. „Der Zwiespalt des Samba Diallo“) zu verwenden. Die Ersten, die mit dem Lesen konfrontiert werden sind natürlich Schüler/innen. Von der Grundschule an, bis zum Gymnasium und der Universität, lesen diese reichlich anhand der empfohlenen Bücher. So bilden sie sich nicht nur selbst, sondern lernen auch viel über die eigenen und fremden Kulturen. Die Lehrer/innen und Menschen, die Literatur lieben, verpassen keine Gelegenheit sich dieser geistigen Aufgabe zu widmen, um damit ihr Lernvermögen zu verbessern und ihr Wissen an die Lernenden weiterzugeben. Außer dieser Personengruppe kann man heutzutage junge Mädchen sehen, meist in kleinen Handwerksberufen, die vornehmlich Liebesromane der „collection adoras“, oder auch andere Romane lesen und damit ihre Interessengebiete zum Ausdruck bringen. All das zeigt, im Gegensatz zum vorherrschenden Denken (man sagt, die ivorische Bevölkerung liest nicht), dass die Lektüre in der Côte d’Ivoire wichtig ist. Ungeachtet der vielen Schwierigkeiten, die mit diesem Bereich zusammenhängen, wie mangelnde finanzielle Mittel und die allgemeine Konjunktur gibt es eine Verlagsindustrie in der Côte d’Ivoire. Um sich davon zu überzeugen, kann man die Straßen von Abidjans und auch anderer Städte durchstreifen. Immer mehr Buchhandlungen und Verlage werden eröffnet, die sich auch refinanzieren können. Diese Entwicklung lässt erkennen, dass es eine gewisse Dynamik in diesem Bereich gibt.

Unterschied zwischen Stadt und Land

In der Côte d’Ivoire, wie in vielen Ländern des Südens, gibt es große Unterschiede zwischen Stadt und Land. Die Stadt bietet mit ihrer Infrastruktur einen besseren Zugang zu Büchern durch Buchhandlungen und Verlage. Das ist ganz anders auf dem Land, wo es nahezu keine Buchhandlungen, Verlage oder angemessene Infrastrukturen gibt. Der Zugang zu Büchern für Menschen, die gerne lesen ist dort stark eingeschränkt. Literatur ist in diesen Gebieten ein Luxusgut, nur wenige Intellektuelle verfügen über Bücher und können auch lesen.

Initiativen für die Lektüre

Um den Ivorer/innen das Lesen zu ermöglichen, gibt es Initiativen verschiedener Einrichtungen, wie z.B. die nationalen Kinderbuchtage (Journées nationales du livre pour enfants). Das Ziel dieser Initiative besteht darin, den Zugang der Kinder zum Buch zu fördern und zu erleichtern; sie auf die Welt der Worte, das Lesen und Schreiben aufmerksam zu machen und die Kinder- und Jugendliteratur zu fördern. Die Bücherkarawane und die Buchmesse in Abidjan (Salon international du livre d’Abidjan - Sila), die vom Ministerium für Kultur und Frankophonie ins Leben gerufen wurden, sind ebenso Teil der Aktivitäten und stellen die Lese- und Buchförderung in den Mittelpunkt.

Auch ausländische Institutionen und Einrichtungen tragen zur Förderung des Buches in der Côte d’Ivoire bei. Man kann hier unter anderem das Goethe-Institut, das l ’Institut Français und das amerikanische Kulturzentrum nennen. Diese gut ausgestatteten Institutionen ermöglichen es der an Lektüre interessierten Bevölkerung, eine Vielzahl an Titeln zu entleihen. So besuchen Schüler/innen, Studierende, Forscher/innen, Lehrende und weitere Personen diese Institutionen um ihren Wissensdurst zu stillen: das Wissen als Quelle des Lebens. Die Ministerien für Kultur und Frankophonie, für nationale Bildung und für technische Bildungseinrichtungen stellen gemeinsam mit dem Buch- und Verlagswesen, sowie den Lernprogrammen, eine wichtige Rolle für die Leseförderung des Landes dar. Eine wichtige Einrichtung ist die Nationalbibliothek, der es gelingt, wie auch den Schulbüchereien, das Leseengagement der Bevölkerung anzuregen.

Mehrsprachigkeit und Alphabetisierung

Auch die Mehrsprachigkeit und die Alphabetisierung werden in der Côte d’Ivoire berücksichtigt. Neben der Amtssprache Französisch werden viele Werke in anderen Fremdsprachen und Landessprachen herausgegeben (in der Côte d’Ivoire existieren ca. 80 Landessprachen). Auch engagieren sich einige spezialisierte Einrichtungen auf dem Gebiet der Alphabetisierung. So soll der Bevölkerung der Zugang zu Büchern ermöglicht und das Lesen gefördert werden. Auch haben sich einige spezialisierte Einrichtungen auf dem Gebiet der Alphabetisierung engagiert.

ISSA T. YEO Arbeitet als freier Journalist in Abidjan Übersetzung: Katharina Bader

Lesen in Deutschland

Lesen in Deutschland sammelt und dokumentiert online verfügbare Informationen zum Thema Leseförderung, bereitet diese zielgruppenorientiert auf und bietet für Eltern, Großeltern, Lehrer, Erzieher, Bibliothekare und Experten sowie an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte Anregungen und Unterstüzung.

Lesen weltweit

Das Portal bietet Informationen über erfolgreiche Projekte zur Leseförderung aus aller Welt. Sie werden als Ideenmodule zum Mitmachen und Nachahmen präsentiert und durch Berichte, Beiträge aus der Forschung sowie Interviews ergänzt.

LifelongReaders

Europäische Plattform zum Thema Leseförderung mit zahlreichen Artikeln zu Leseförderungs- aktivitäten, Fortbildungs- und Evaluationsprogrammen. [Gefördert im Rahmen des EU-Programms "Lebenslanges Lernen]