Senegal

Buch- und Leseförderung: Wie ist die Situation im Senegal?

Im Senegal wurden seit Senghor diverse Maßnahmen für eine bessere Buchpolitik unternommen. Ein solider rechtlicher Rahmen wurde durch die Verabschiedung dreier Gesetze zur Importsteuerfreiheit für Bücher im Jahr 1971 geschaffen.

Dies führte 1972 zur Gründung der Nouvelles Éditions Africaines du Sénégal (NEAS), des Bureau Sénégalais du Droit d’Auteur (BSDA), der Société de Presse, d’Édition et de Publicité (SONAPRESS) und der Nouvelles Imprimeries du Sénégal (NIS).
1976 wurde dann der Aufbau eines landesweiten Bibliotheksnetzwerks begonnen, das aktuell aus 14 Regionalbibliotheken, 16 Centres de Lecture et d’Animation Culturelle (CLAC) und 8 CLAC der Islamic Educational, Scientific and Cultural Organization (ISESCO) besteht. Zudem kam es zur Gründung des Obersten Rats der Bibliotheken, die Einrichtung einer Institution zur Buchpflege und –förderung (Direktion des Buchs und des Lesens), die Bereitstellung von Unterstützungsgeldern für das Verlagswesen und das literarische Schaffen (Hilfsfonds für Verlage und die Stiftung). Auch ein  literarischer Preis zur Exzellenzförderung wurde initiiert (Literaturpreises des Präsidenten der Republik) sowie die Organisation einer großen Messe zur Förderung der Buchberufe: die Foire Internationale du Livre de Dakar (FILDAK).

Trotz all dieser Errungenschaften, um die uns viele Länder der Region beneiden, lässt die Situation des Buchs im Senegal noch zu wünschen übrig. Grund dafür sind zahlreiche Schwierigkeiten, darunter ein fehlendes Einkaufsbudget der Bibliotheken, was unmittelbar zu einer Veraltung des dokumentarischen Bestands führt. Zudem die Tatsache, dass die große Mehrheit der senegalesischen Gesellschaft das Buch als ein der Elite vorbehaltenes Luxusprodukt betrachtet und die trotz der finanziellen Förderung hohen Preise von Büchern, die aus kostspieligen Produktionsfaktoren und einem fehlenden oder begrenzten Markt für die Verlage resultieren, die große Probleme haben ihre Produkte abzusetzen. Dies begründet sich u.a. im Fehlen eines Vertriebsnetzes und in der  zu starken Ballung der Buch-Infrastrukturen (Verlage, Buchhandlungen, Druckereien, etc.) in Dakar. Es fehlt an ausreichender Unterstützung für das Verlagswesen und zudem mangelt es an qualifizierten Fachkräften in den institutionellen Netzwerken der Leseförderung.

Die neue Regierung ist sich der zahlreichenden noch zu meisternden Herausforderungen bewusst und hat einen Ministerrat geründet, der sich mit der Situation des Buchs befasst. Nun bleibt zu hoffen, dass den damaligen Beschlüssen des Staatschefs Taten folgen werden.


SADA KANE arbeitet als Bibliothekar am Kulturzentrum Blaise Senghor 
Übersetzung: Marion Herbert

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