Leseprobe

Mustafa Zikri

(Ägypten)

Was Amin weiß (Roman)
Aus Viel Lärm um ein gotisches Labyrinth
Übersetzt von Andrea Haist



Mit einem Ruck kam Kamil über den Tisch Amins Gesicht näher. Der zuckte leicht mit dem Oberkörper vor dieser plötzlichen Bewegung zurück, setzte sich dann aber wieder auf, als er erkannte, dass es sich um eine theatralische Bewegung handelte, die dazu diente, das Gesagte zu vervollständigen. „Das soll nicht heißen, dass unsere an Stil, Komplimenten und Geschmack so reiche Freundschaft weniger gut ist, wenn wir sie mit den Stunden der letzten zehn Wochen vergleichen... auch in nur einer Stunde kann es Freude, Gelächter und Gespräche über viele Sachen geben, über Literatur, Kino, Politik. Wenn wir annehmen, dass diese eine Stunde sich auf zehn Stunden verlängern würde, dann wären diese zehn Stunden wie eine Blaupause der einen Stunde, mit ihrem Gespräch über Literatur, Kino und Politik - nein, mitnichten, auch in den Gesprächsdetails, über den Roman eines bestimmten Autors, möglicherweise den Roman Der Tunnel von Ernesto Sabato, oder den Film eines bestimmten Regisseurs, etwa ....“ Kamil zögerte einen Moment, bevor er den Filmnamen nannte, blickte hinüber zum Barmann und grinste ironisch. Der Barmann lächelte von seinem Platz in der Ferne zurück, als ob er ihr Gespräch mitgehört hätte und deutete mit seinem Finger unauffällig auf den kleinen Fernseher hinter sich. Ein Staunen erschien auf Amins Gesicht: „Misfits von John Houston.“ Der Barmann deutete von seinem entfernten Platz aus mit seinem Finger in die Luft, nickte zustimmend und machte sich dann wieder an seine Arbeit. „Und möglicherweise über den Fall eines bestimmten politischen Intellektuellen ... oder die Ermordung des Marxisten Mahdi Amil. Mein lieber Amin, könntest Du vielleicht diese Gesten von Freude und Lachen noch einmal während des Gesprächs wiederholen ... Hast Du nicht gerade so gemacht und Dich dann wieder aufgesetzt?“ Kamil ahmte die Bewegung nach, die Amin gerade aus Furcht vor der Bewegung seines Gegenübers gemachte hatte. Er lachte, machte sich lustig über Amin und der Barmann stimmte aus der Ferne mit ein, obwohl er Kamils Worte nicht gehört haben konnte. „Du hattest Angst, stimmt’s? Mein lieber Amin, es ist unmöglich, dass Du die gleiche Bewegung noch einmal machst, wenn wir uns das nächste Mal begegnen. Eine Wiederholung in Kopie würde möglicherweise bei vielen Menschen Langeweile hervorrufen. Aber zwischen Dir und mir, unmöglich. Weißt Du, warum? Wir haben einander erkannt, von der ersten Stunde an.“

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Der Fahrer verließ das Taxi und ging zum Kiosk. Amin bemerkte, dass er nur ein leichtes Hemd anhatte, das gar nicht zu dem winterlichen Wetter passte. Dann fiel sein Blick plötzlich auf den Vordersitz, und er sah, dass eine Frau den dicken, weichen Mantel trug. Amin riss die Augen weit auf und streckte die Hände nach der Frau aus. Er stand beinahe halb aufrecht im Taxi, und durch die Lücke zwischen den Vordersitzen packte er die Frau an den Schultern und drehte sie zu sich um. Es war eine junge Frau in den Zwanzigern, die nur mit einem tief ausgeschnittenen Nachthemd bekleidet war. Sie blickte ihn aus unergründlichen Augen an. Mit schweren Atemzügen hob und senkte sich ihre Brust, und Schweißperlen erschienen auf ihrer Stirn, den Wangen und am Halsansatz. Amin öffnete den Mund und wollte schreien, aber die Frau legte ihm die Hand auf den Mund. Sie ahmte ihn nach und tat so, als ob sie schreien wollte, ohne einen Laut von sich zu geben. Sie öffnete auf eine komische und lächerliche Weise den Mund, und dann schloss sie ihn ganz schnell wieder.

 

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